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Keine Seltenheit: Immer wieder muss die Bundesstraße 2 im Süden von Mittenwald wegen Lawinengefahr in der Marchklamm gesperrt werden.

Zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Sperrungen von Straßen und Schienen: Wird der Lawinenschutz bei Mittenwald realisiert?

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Der Lawinenschutz an der Marchklamm ist ein heißes Eisen. Seit vielen Jahren wird nach einer einvernehmlichen Lösung gesucht. Im Frühjahr soll es erneut Gespräche mit allen Beteiligten geben – sie stehen allerdings nicht unter den besten Vorzeichen.

Mittenwald/Scharnitz – Er ist nicht vom Radar verschwunden. Werner Hüntelmann hat den Lawinenschutz an der Marchklamm auf dem Schirm. „Wir treiben ihn voran“, beteuert der Sachgebietsleiter Planung und Bau am Staatlichen Bauamt Weilheim. „Damit es endlich mal zu einer Entscheidung kommt.“

An der Zeit wär’s. Seit sich am 8. Februar 2003 in dem neuralgischen Bereich zwischen Mittenwald und Scharnitz eine Lawine gelöst hatte und die Bahnlinie sowie B 2 unter sich begrub, läuft die Suche nach einer Lösung. Aus der Hoffnung von Seefelds Bürgermeister Werner Frießer wurde schon mal nichts. Er träumte stets davon, dass eine Verbauung bis zu den Nordischen Ski-Weltmeisterschaften in seiner Gemeinde realisiert wird. Während das Sportereignis kommende Woche beginnt, sagt Hüntelmann zum aktuellen Stand der Dinge: „Wir sind mit der Vorplanung fertig.“

Das Bauamt musste noch einmal in die Feinarbeit gehen. Vor allem finanziell. Wie es von Seiten des bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr heißt, wurde aufgrund von Anmerkungen der Tiroler Straßenbauverwaltung die Kostenberechnung noch mal überprüft und an Baupreise aus dem Jahr 2018 angepasst. Die aktualisierten Unterlagen übersandte man Ende des vergangenen Jahres an alle Beteiligten.

Gespräche mit allen Beteiligten im Frühjahr 2019 geplant

Doch die diffizilste Aufgabe steht erst noch bevor: die Abstimmung mit Deutscher Bahn, Österreichischer Bundesbahn, Tiroler Straßenbauverwaltung und dem Bauamt Weilheim. Entsprechende Gespräche sind dem Ministerium zufolge für Frühjahr 2019 anvisiert. Das Ziel: Zu entscheiden, ob die bislang favorisierte Galerie-Lösung trotz der hohen Kosten weiter verfolgt werden kann.

Ein Termin mit völlig offenem Ergebnis. Denn zuletzt erwies sich die Finanzierung als der Knackpunkt. Die involvierten Instanzen konnten sich nicht einigen, wer welchen Anteil tragen soll. Vor allem nach der Kostenexplosion. War man 2010 von 7,35 Millionen Euro für eine 260 Meter lange Galerie ausgegangen, schlagen laut aktueller Schätzung 25 Millionen Euro netto für eine 350 Meter lange kombinierte Galerie zum Schutz der Straße und der Schienen zu Buche.

Dem Runden Tisch steht das Land Tirol offen gegenüber. Wie auch dem Projekt. „Wir sind als Straßenerhalter der B 177 Seefelder Straße sehr an einem lawinensicheren Übergang interessiert“, teilt Sprecher Florian Kurzthaler mit. Die Bereitschaft des Landes, ein vernünftiges Projekt mitzutragen, sei ihm zufolge jedenfalls gegeben. Unter der Voraussetzung, dass sich die betroffenen Infrastrukturträger beteiligen.

Pendeln zur Arbeit nicht immer gewährleistet

Doch Wunsch und Wirklichkeit liegen scheinbar weit auseinander. Sowohl DB als auch ÖBB nehmen Abstand von dem Projekt. Die Unternehmen teilen – nach Abstimmung untereinander – mit, dass eine Lawinenverbauung nicht nötig sei und es auch keine weiteren Gespräche beziehungsweise Verhandlungen gebe.

Die starken Schneefälle und tagelangen Strecken-Sperrungen Anfang/Mitte Januar ändern daran nichts. Beide Seiten schreiben im selben Wortlaut, letztere seien von der jeweiligen Lawinenkommission beurteilt und professionell abgewickelt worden, um für die Sicherheit der Fahrgäste zu sorgen.

Doch genau diese heikle Phase Anfang des Jahres zeigte für Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU), welch’ große Bedeutung einer Verbauung in dem Lawinenstrich zukommt. „Es war nicht möglich, tagein tagaus zu pendeln.“ Weder mit dem Auto noch mit dem Zug. Die Marktgemeinde gehört zwar nicht zu den unmittelbar beteiligten Instanzen, trotzdem betrifft das Thema die Isartaler. Viele arbeiten im Ballungsraum Innsbruck, der näher liegt als München. Der Rathauschef hält eine Galerie für beide Verkehrsträger für den einzig richtigen Weg. „Wir leben in Zeiten, in denen das Auto zunehmend zum Problem wird“, betont Hornsteiner. „Es wäre ein Treppenwitz der Geschichte, den Straßenverkehr durchgängig zu machen, die Bahn aber außen vor zu lassen.“

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