1. Startseite
  2. Lokales
  3. Garmisch-Partenkirchen
  4. Mittenwald

57 Wildunfälle im Isartal: Die tragische Serie soll heuer ein Ende haben

Erstellt:

Von: Josef Hornsteiner

Kommentare

Totalschaden: So sah der völlig demolierte Wagen nach dem Wildunfall am 29. Oktober bei Gerold aus – 57 waren es 2021 im Isartal insgesamt. Die Bayerischen Staatsforsten arbeiten momentan intensiv an einer Lösung.
Totalschaden: So sah der völlig demolierte Wagen nach dem Wildunfall am 29. Oktober bei Gerold aus – 57 waren es 2021 im Isartal insgesamt. Die Bayerischen Staatsforsten arbeiten momentan intensiv an einer Lösung. © Feuerwehr Krün

Ein trauriger Rekord: Genau 57 Wildunfälle waren 2021 im Isartal zu beklagen - so viele wie noch nie. Nun arbeiten die Bayerischen Staatsforsten und Behörden intensiv an einer Lösung, die vor dem Frühjahr der Öffentlichkeit präsentiert werden soll.

Isartal – Sie stechen ins Auge. Ein jeder, der mit dem Auto auf Tirols Landstraßen unterwegs ist, kennt die riesigen Plakate, die vor Wildwechsel warnen. Ein Hirsch und ein Reh sind darauf abgebildet. Ihre Augen strahlen, reflektieren das Licht der Autoscheinwerfer. „Könnten Sie jetzt noch bremsen?“ steht darüber geschrieben.

Jedes Mal, wenn Tessy Lödermann daran vorbeifährt, drückt sie noch mal auf die Bremse, fährt langsamer als sowieso schon. „Da macht man sich seine Gedanken“, sagt die Zweite Stellvertreterin des Landrats, Vorsitzende des Tierschutzvereins Garmisch-Partenkirchen und Leiterin des hiesigen Tierheims. „Man überlegt sich schon: Könnte ich jetzt noch bremsen?“ Für sie haben die Schilder eine abschreckende Wirkung: Aufmerksamer und langsamer werden. Für Lödermann könnten die Plakate durchaus eine Lösung sein für ein Problem, dass sich im vergangenen Jahr im Isartal aufgetan hat.

Ausflügler schrecken Wild im Wald zunehmend auf

Insgesamt 57 Wildunfälle hat es dort 2021 gegeben. Die meisten auf der Staatsstraße zwischen Klais und Mittenwald sowie auf der Bundesstraße zwischen Krün und Gerold. Die Gründe sind mannigfaltig, weiß auch Lödermann. Besonders die hohe Besucherfrequenz in den Wäldern und der Natur im Isartal seien ein Problem, würden das Wild aufscheuchen.

Doch einfach so Schilder oder Plakate an der Staats- und Bundesstraße aufzustellen ist alles andere als einfach, erklärt Nadine Heiß vom Staatlichen Bauamt Weilheim. Bei den großen Warnhinweisen in Tirol „handelt es sich um keine amtlichen Hinweisschilder“, stellt sie fest. „Somit werden sie auch nicht von uns als Straßenbaulastträger aufgestellt.“ Grundsätzlich können auf Antrag der Revierpächter „Wildunfallplakate“ aufgestellt werden, erklärt Heiß. „Solche Wünsche unterstützen wir natürlich.“ Die Auswahl der Standorte müsste aber in enger Absprache mit Polizei, Verkehrsbehörde und dem Staatlichen Bauamt erfolgen, „da dadurch die Sicherheit und Leichtigkeit nicht gefährdet werden darf“. Beispielsweise dürften solche Plakate nicht die Sicht behindern.

„Das Thema ist sehr präsent, wir machen uns intensiv Gedanken“

Martin Echter, Mittenwalds Revierförster

Die Bayerischen Staatsforsten arbeiten aktuell im Hintergrund an einer Lösung. Ob diese Schilder vorsieht, verrät Mittenwalds Revierförster Martin Echter noch nicht. „Das Thema ist sehr präsent, wir machen uns intensiv Gedanken“, sagt Echter. Wie die Lösung aussehen wird, wollen die Staatsforsten noch vor dem Frühjahr der Öffentlichkeit präsentieren. Da steigt erfahrungsgemäß der Wildwechsel wieder an. Gefahr für Tier und Mensch sind vorprogrammiert. Dann lecken Hirsch und Reh auch gerne Streusalz von der Fahrbahn – für den anstehenden Fellwechsel brauchen sie Mineralien. „Wichtig ist, immer auch den Straßenrand im Auge zu behalten“, sagt Lödermann. Vor allem bei Dämmerung.

Das keine Menschen zu Schaden kamen im vergangenen Jahr, ist eigentlich ein Wunder. Die Wucht, mit der ein Rothirsch bei Tempo 60 in die Frontpartie eines Autos einschlägt, entspricht dem Gewicht eines ausgewachsenen Elefanten: Fünf Tonnen. Abhalten kann man die Tiere nicht. „Der Schmalensee ist ein uralter Wildwechselstandort“, erklärt Lödermann. Die Tiere kommen dort schon immer aus den Wäldern, um am Schmalensee zu trinken. Der Mensch hat eine Straße errichtet, dem Instinkt der Tiere ist die aber egal. Genauso wie die Umstellung von Sommer auf Winterzeit, die laut Lödermann den Berufsverkehr in die Dämmerung verschiebt – und somit in die Hauptwildwechselzeit.

Auch interessant

Kommentare