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Volle Konzentration: Walter Reiser malt in seiner Werkstatt gerade am Geigenmacher.

Blick in Walter Reisers Werkstatt 

Mittenwalder Maibaum: Meisterhafte Malereien

Der Mittenwalder Maibaum, der in genau 41 Tagen wieder nach oben gelupft wird, ist nicht nur weißblau. Farbe ins Spiel bringen auch die acht Zunftzeichen, die derzeit in der Werkstatt des Bildhauermeisters Walter Reiser junior fachgerecht überarbeitet werden.

Mittenwald – Konzentration ist gefragt bei Walter Reiser. In seiner Werkstatt an der Klammstraße riecht es intensiv nach Lack. An der Wand hängen Werkzeugschränke mit Messern und Schnitzeisen. Die braucht der Bildhauermeister unter anderem für seine Faschingslarven, die mittlerweile selbst Abnehmer in den USA gefunden haben. Auf einem Tisch reiht sich derzeit Farbtopf an Farbtopf. Daneben stehen zwei bunte und schon fertig bemalte Figuren, die einen Zimmerer und einen Maurer zeigen. Sie werden als eines der vier Zunftpärchen links und rechts am Maibaum angebracht, der in genau 41 Tagen wieder am Dekan-Karl-Platz aufgestellt wird.

Der 58-Jährige taucht den Pinsel in ein Glas ein und trägt die Farbe punktgenau auf eine Geigenmacher-Figur auf. „Generell sind Lacke schwerer zu malen als normale Farben“, erklärt Reiser. „Ich verwende zum Bemalen der Zunftfiguren 25 Farbtöne, die ich aus allen Grundfarben zusammen mische.“

Damit am Ende immer noch der gleiche Farbton aufgetragen werden kann, bewahrt Reiser seine Mixturen akkurat in Schraubgläsern auf. „Die Töne bleiben so bis zum Schluss erhalten, müssen aber bei erneutem Gebrauch immer wieder mit Verdünner aufgemischt werden.“

Die acht Maibaumtaferln hat vor Jahrzehnten schon der akademische Bildhauer Sebastian Pfeffer entworfen und auf wasserfeste Spanplatten gemalt. „Nachdem diese im Laufe der Zeit defekt und abgenutzt waren“, verdeutlicht Reiser, „haben die Fingerhakler selbst neue Tafeln aus Aluminium geschnitten und diese dann vor Jahren schon zu meinem Vater gebracht.“

Walter Reiser senior entwarf damals einen Vortänzer, Schellenrührer, Maurer, Zimmerer, Geigenmacher, Flößer und ein Pärchen Wiesmahd-Leute. Nachdem der Maibaum – heuer stolze 32 Meter hoch – gemäß den Vorgaben des Technischen Überwachungs-Vereins (TÜV) alle drei Jahre aus Sicherheitsgründen ausgetauscht werden muss, nutzten die Fingerhakler diesmal die Gelegenheit zur Restaurierung und brachten die Tafeln und Eisenhalterungen in Reisers Werkstatt.

„Die von meinem Vater aufgetragenen und verblassten Farben sollten wegen der Grundierung erhalten bleiben“, meint der Künstler. Die Mischungen muss Reiser dabei in mehreren Schichten auf das Aluminium anbringen. „Weil sonst die Farben verlaufen. Daneben muss ich die Figuren auch so schattieren, dass sie für den Betrachter erst von Weitem richtig wirken.“

Ende März will Reiser fertig sein und die acht Taferln samt Halterungen an Fingerhakler-Chef Peter Frank übergeben.

Wolfgang Kunz

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