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Ministerin in Mali: Ursula von der Leyen besucht am 19. Dezember 2016 in Gao, im Norden des afrikanischen Krisenstaates, das Feldlager Camp Castor und spricht mit deutschen UN-Soldaten. Zu diesem Kontingent gehören auch Bundeswehrangehörige aus Mittenwald. 

Prominenter Besuch unterm Karwendel 

Mali, Berlin, Mittenwald: von der Leyen bei Gebirgsjägern

Mittenwald - Mittenwald erhält am 3. Februar hohen Besuch: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen wird in der Gebirgsjäger-Garnison erwartet. Damit knüpft die 58-jährige Spitzenpolitikerin an eine gute Tradition an. Denn viele ihrer Vorgänger waren ebenfalls gerne gesehene Gäste unterm Karwendel.

Annähernd zehn Jahre ist es her, dass ein Bundesverteidigungsminister im Oberen Isartal Station machte. Und das damalige Kabinettsmitglied Franz Josef Jung (CDU) hatte seinerzeit wirklich gute Nachrichten im Marschgepäck: „Wir werden in den nächsten fünf Jahren 18 Millionen Euro in den Standort Mittenwald investieren“, verkündete der Chef von der Hardthöhe. Wort gehalten. Die üppigen Gelder, die Jung am 24. September 2007 in der Karwendelkaserne versprach, wurden peu à peu in die Gebirgsjäger-Garnison investiert.

von der Leyen und Dobrindt im Doppelpack

Ob Parteifreundin Ursula von der Leyen in zehn Tagen beim Neujahrsempfang der Bundeswehr und Gemeinde mit ähnlich erfreulichen Neuigkeiten vor die Öffentlichkeit tritt, darf bezweifelt werden. Den etwa 300 geladenen Gästen im Standortoffiziersheim wird sie eher von einer Welt berichten, die durch Globalisierung und internationalen Terror nicht unbedingt sicherer geworden ist. In solch schwierigen Zeiten ist auch die Bundeswehr mehr denn je gefragt – aktuell beim Friedenseinsatz im krisengeschüttelten nordafrikanischen Staat Mali. Erst vor gut einem Monat stattete von der Leyen dem bundesdeutschen UN-Kontingent – darunter auch Soldaten aus Mittenwald – im Camp Castor nahe der Stadt Gao einen Besuch ab.

Eintrag ins Goldene Buch

Angesichts dieser weltweiten Herausforderungen erscheinen die Auseinandersetzungen in Mittenwald (Bürgerentscheid, Karwendelbahn) geradezu marginal. Das würde der inzwischen sturmerprobte Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) jederzeit unterstreichen. Er freut sich auf die Stippvisite von der Leyens. „Das hat’s noch nie in Mittenwald gegeben, dass uns gleich zwei Minister auf einmal besuchen.“ Denn neben der Niedersächsin soll auch Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ein paar Grußworte sprechen. Ins Goldene Buch der Gemeinde wird sich aber nur die blonde Kollegin von der Hardthöhe eintragen. Was für den Rathauschef einen Vorteil birgt. „Dann können wir kurz unter vier Augen sprechen.“

Von Strauß bis zu Guttenberg

Dass Verteidigungsminister nach Mittenwald kommen, ist keine Seltenheit, wie ein Blick in die Vergangenheit zeigt. Angefangen bei Franz-Josef Strauß (1956 bis 1962), der seit jeher als Wahlkreisabgeordneter eine enge Bindung zum Geigenbauort pflegte. Unvergessen sind dabei die scharfzüngigen Schlusskundgebungen des CSU-Patriarchen in der TSV-Halle.

Zweimal (1989/1990) übte auch der leutselige CDU-Mann Manfred Wörner (1982 bis 1988) – allerdings in seiner Funktion als NATO-Generalsekretär – beim Gebirgsjägertreffen auf dem Hohen Brendten den Schulterschluss mit der Truppe. Nicht ganz nach Mittenwald, sondern „nur“ bis nach Garmisch-Partenkirchen schafften es Volker Rühe (CDU/1992 bis 1998) – er ging mit Michaela Geiger 1998 dort auf Wahlkampftour – und Peter Struck (SPD, 2002 bis 2005). Dieser traf sich im Marshall-Center mit seinem amerikanischen Amtskollegen Donald Rumsfeld.

Und dann gibt es ja noch Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU, 2009 bis 2011), der Anfang der 1990er als junger Rekrut das Soldaten-Handwerk im Isartal gelernt hatte. Vom Unteroffiziers-Lehrgang in der Luttensee-Kaserne schwärmte er stets. „Das waren sensationelle Tage“, verriet er im Januar 2010 dem Tagblatt. In Mittenwald habe er die „unglaubliche Wucht der Umgebung“ schätzen gelernt. Damals versprach der politische Senkrechtstarter: „Ich komme nach Mittenwald, seit meinem Amtsantritt freue ich mich darauf.“ Dumm nur, dass er 14 Monate später wegen der sogenannten Plagiatsaffäre seinen Hut nehmen musste.

Christof Schnürer

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