+
Manuela Pingèrra auf dem Mount Whitney.

Extremwandererin aus Mittenwald 

Manuela Pingèrra: Die Grenzgängerin

Dem Abenteuer im Osten folgte das im Westen: Nach dem Gewaltmarsch über den Appalachian-Trial hat Manuela Pingèrra aus Mittenwald in den USA nun den sogenannten Pacific-Trail-Crest erfolgreich durchwandert. 4500 Kilometer mussten dabei bewältigt werden.

Mittenwald – PTC – so lautete diesmal das Zauberwort für die Mittenwalder Extremwanderin Manuela Pingèrra. Damit gemeint ist der Pacific-Trail-Crest – eine 4500 Kilometer lange Route, die entlang der Westküste der Vereinigten Staaten von Mexiko nach Kanada führt. Im Alleingang meisterte die Grenzgängerin diese Mörderdistanz. Somit hat die 48-Jährige mit dem langen Atem nicht nur den Osten der USA (Appalachian-Trail – 3400 Kilometer), sondern auch den Westen der USA bezwungen.

Allerdings verlief die neuerliche Herausforderung diesmal nicht problemlos. Nach dem Start am 23. März in Campo südlich von San Diego erreichte die Kilometerfresserin am 30. Mai Dunsmuir in Nordkalifornien. „Dort gab es nach sechs Jahren Dürre einen Rekordwinter.“ Was für die Isartalerin nicht folgenlos blieb. „Ich musste den Trail wegen Schneestürme unterbrechen.“

Die gebürtige Münchnerin, die seit 2000 in Mittenwald wohnt und mit Detlef Ziesche verheiratet ist, nutzte den freien Juni zum Urlaub. „Ich habe ein Auto gemietet und mir San Francisco und Los Angeles angesehen.“ Erst am 1. Juli ging es weiter nach Norden.

In ihrem 35 Kilo schweren Rucksack schleppte die gelernte Grafikerin zwei Schlafsäcke und Daunenjacken, Essen für mehrere Tage, einen Esbitkocher, ein Solar-Ladegerät für den MP3-Player und ein Smartphone mit GPS-App zur Orientierung mit. „Allein der von der Behörde vorgeschriebene Kanister für die bärensicher zu verstauende Verpflegung war 1,2 Kilo schwer.“ Die längste Strecke ohne Dusche und Einkaufsmöglichkeit dauerte drei Tage. „Ich bin mit Stirnlampe bis in die Dunkelheit gelaufen, weil man täglich zwölf bis 14 Kilometer schaffen muss.“ Abends im Zelt wurde nach dem Essen noch das Journal geführt und ab 21 Uhr geschlafen.

Am 4. September erreichte Pingèrra Kanada. Sie hatte sich durch die Bergketten der Laguna Mountains, San Bernadino, der Tehachapi-Mountains an der Mohave-Wüste, die Klamath-Mountains und Cascade Range bis zur Grenze durchgekämpft. Weil ihr wegen des Schneefalls im Juni noch rund 850 Kilometer fehlten, hatte die ehrgeizige Wanderin eine Idee: „Ich bin mit dem Mietwagen zurück nach Nordkalifornien gefahren, um die Bergkette der Sierra Nevada entlang der Mohave-Wüste nachzuholen.“

Diese Verlängerung hatte sie mit dem Ehemann abgesprochen. „Pass auf“, warnte dieser, „dass Du nicht in den September-Schnee kommst“. Und er behielt recht: „In der bis zu 4500 Meter hohen Sierra Nevada musste ich auf 3500 Meter Höhe am Mather- und weiter unterhalb am Sonoroa-Pass meine Zelte im Schneesturm aufbauen.“

Zum Glück strahlte am nächsten Tag die Sonne. „Ich habe gemerkt, dass ich genau auf dem vorgeschrieben Trail übernachtet habe, und hinunter zur Siedlung am Lake Tahoe waren es dann noch einmal drei Nächte.“

Übrigens muss der 4500 Kilometer lange und durch viele Nationalparks führende Trail durch die PTC-Verwaltung in Sacramento genehmigt werden. Täglich bekommen nur 40 Wanderer ein solches „Permit“, und jährlich gibt es einen Toten. „Heuer waren es aber schon zwölf“, erzählt Pingèrra. „Deswegen hatte ich Steigeisen, Eispickel und Whippets (Teleskop-Stöcke mit Mini-Eispickeln) dabei.“

Die Belohnung für die Strapazen kam kurz vor Weihnachten. Die US-Behörde hatte als Anerkennung ein Päckchen an die Extremwanderin verschickt. Darin eine Medaille und eine Urkunde für die außergewöhnliche Leistung von Manuela „Alpine Strider“ Pingèrra.

Wolfgang Kunz

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Passionstheater: Mit Wilhelm Tell einen Volltreffer gelandet
Wilhelm Tell im Passionstheater. Die Vorstellung läuft. Plötzlich Feueralarm...
Passionstheater: Mit Wilhelm Tell einen Volltreffer gelandet
Chips für Obama, Foto mit Merkel: G7-General verlässt Schloss Elmau mit schönen Erinnerungen
Aufhören, wenn’s am schönsten ist: Nach acht Jahren verabschiedet sich Hotel-Manager Nikolai Bloyd von Schloss Elmau. „Ich verlasse das Haus als Freund“, versicherte der …
Chips für Obama, Foto mit Merkel: G7-General verlässt Schloss Elmau mit schönen Erinnerungen
Nach Tragödie in Genua: Wie intakt sind die Brücken im Landkreis?
Der verheerende Unfall von Genua wirft die Frage auf, wie es mit den Autobahnbrücken an der A 95 ausschaut. Das Bauwerk über die Loisach bei Großweil muss ertüchtigt …
Nach Tragödie in Genua: Wie intakt sind die Brücken im Landkreis?
Ehefrau schlägt Alarm: Mann kehrt nicht aus Staffelsee zurück - nun gibt es die traurige Gewissheit
Eine Vermisstensuche am Staffelsee hielt am Freitag Rettungskräfte in Atem. Von einem älteren Urlauber fehlte jede Spur. Nun ist das Schicksal des Mannes traurige …
Ehefrau schlägt Alarm: Mann kehrt nicht aus Staffelsee zurück - nun gibt es die traurige Gewissheit

Kommentare