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Der Mann von der Martinskirche: Norbert Sauer ist in Mali angekommen.

Im Glutofen Afrikas

Mittenwalder Militärpfarrer auf Friedensmission in Mali

Norbert Sauer zieht es in die Ferne. Anfang Februar ist der katholische Militärpfarrer zu seinem neunten Auslandseinsatz nach Mali aufgebrochen. Im multi-nationalen Camp Castor bei Gao kümmert sich der unerschrockene Geistliche für mehrere Monate um das Wohl der Soldaten. In mehreren Teilen berichtet das Tagblatt über seine Friedensmission im Glutofen Afrikas.

Gao„Nirgendwo bin dem Menschen so nahe wie im Einsatz.“ Und der Mittenwalder Militärpfarrer Norbert Sauer (60) weiß, wovon er spricht: Am 7. Februar hat für den gebürtigen Bamberger der neunte Auslandseinsatz begonnen – erstmals in Afrika, in Mali. Vom Flughafen Köln-Wahn führt der sechseinhalbstündige Flug nach Bamako, der Hauptstadt des krisengeschüttelten Landes. Tags darauf geht es für das Bundeswehr-Kontingent erneut in die Luft in den 1000 Kilometer entfernten Norden nach Gao. Dort steht neben anderen Feldlagern unter deutscher Führung das multinationale Camp Castor .

Seit 2016 beteiligt sich die Bundeswehr an der UN-Mission MINUSMA. Ziel dieses Unternehmens ist es, das zwischen der Regierung Malis und den Rebellengruppen im Norden ausgehandelte Friedensabkommen zusammen mit anderen Nationen zu überwachen und damit einen wichtigen Beitrag zur Sicherheit, Stabilität und Aussöhnung zu leisten.

Der Mann von der Martinskirche

Im Zuge des Kontingentwechsels steht auch eine Ablösung in der Militärseelsorge auf dem Programm. Zuletzt kümmerte sich der evangelische Geistliche Stefan Aupperle um die Soldaten. Jetzt ist Norbert Sauer an der Reihe. Symbolisch legt im sein Vorgänger in der Martinskirche, einem zum Gotteshaus umgewandelten Zelt, eine grüne Stola um. „Ökumene wird im Einsatz groß geschrieben und funktioniert in der Praxis in der Regel ohne Probleme.“ Sauer, der 1989 zum Priester geweiht wurde, muss es wissen – nach fünf Missionen in Afghanistan und drei auf dem Balkan.

In den ersten Tagen geht es für den Soldaten Gottes vor allem darum, das Camp zu erkunden und Kontakte zu knüpfen. Oft blickt Sauer in bekannte Gesichter aus früheren Missionen. „Der Militärpfarrer im Einsatz ist ein Exot, und deshalb erkennen ihn Soldaten oft wieder.“

„Chaplainmeetings“

Im Camp Castor haben auch Niederländer und Kanadier Seelsorger vor Ort. Zur Zeit sind es zwei Pastoralreferentinnen, zu denen Sauer engen Kontakt pflegt. Mit ihnen trifft er sich regelmäßig zu sogenannten „Chaplainmeetings“. „Dabei wurde bereits die Idee geboren, die Osternacht gemeinsam im Freien zu begehen.“

Die Martinskirche ist der Ort, an dem sich vieles abspielt – nicht nur der Sonntagsgottesdienst. So lädt Sauer immer freitags zum „SaMali-Treffen“. Dabei tischt er seinen Gästen neben Getränken vor allem Spezialitäten wie Schinken und Salami aus der Heimat und selbst gebackenes Bauernbrot aus dem Backautomaten auf. „Soldaten schätzen und genießen dies bei lockeren Gesprächen.“ Auch der Filmabend am Donnerstag darf nicht fehlen. Gedacht ist zudem während der bald beginnenden Fastenzeit an abendliche Taizé-Andachten.

Pfarrer, Arzt und Psychologe

Dazu kommen die täglichen Besuche der Geburtstagskinder im Feldlager, bei denen der Militärseelsorger eine handgeschriebene Glückwunschkarte mitsamt einem kleinen Präsent überreicht. „Oft ergeben sich dabei sehr persönliche Gespräche.“ Wichtig sind zudem der „Spruch des Tages“, den er jeden Morgen aushängt und ins Netz stellt, und die Teilnahme an verschiedenen Besprechungen, wie die tägliche Morgenlage.

Regelmäßig treffen sich die Mitglieder des Psychosozialen Netzwerkes, zu dem neben dem Truppenpsychologen und -arzt auch der Militärpfarrer gehört. „Ziel ist es, sich über die allgemeine Stimmung im Camp auszutauschen und Auffälligkeiten und Entwicklungen rechtzeitig wahrzunehmen“, sagt Sauer. Denn schließlich befindet man sich in einer absoluten Ausnahmesituation. „Es geht immer auch um das seelische Wohl der Soldaten.“

Die ersten drei Wochen im Einsatz waren für den Mittenwalder Militärpfarrer sehr dicht gefüllt mit vielen Eindrücken, Erfahrungen und Aufgaben. „Dies wird auch in den kommenden Monaten der Fall sein.“ Nur gut, dass es jetzt – in der Anfangsphase – noch nicht so heiß ist. Angenehme 35 Grad sind es gegenwärtig. Aber das wird sich bald ändern, wenn die Temperaturen auf bis zu 50 Grad ansteigen. „So ist das eben im Einsatz in Afrika.“  

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