+
Zukunftsvision: Solche Gondeln sollen auf dem Kranzberg pendeln.

Millionen-Projekt in Mittenwald 

Der Traum vom Kranzberg-Knüller

Es soll nicht bei der fixen Idee bleiben – wie bereits mehrfach in der Vergangenheit geschehen. Die Mittenwalder wollen auf ihrem Haus- und Sonnenberg knapp 25 Millionen Euro investieren. Herzstück dieses ehrgeizigen Projekts soll eine moderne Kabinenbahn sein. Der Gemeinderat fasste dazu mit großer Mehrheit am Dienstag einen Grundsatzbeschluss.

Mittenwald – Der Traum vom möglichst naturschonenden Ausbau des Kranzbergs ist in Mittenwald nicht neu. 1999 hatten die Gemeindeväter im Verbund mit Experten einen sogenannten Masterplan auf den Weg gebracht. Doch die Machbarkeitsstudie des Innsbrucker Planungsbüros Klenkhart & Partner verschwand 2003 still und heimlich in der Schublade.

Das soll mit dem neuen Gutachten der Hochschule München nicht mehr passieren. Auf den Daten und Fakten, die Tourismus-Professor Thomas Bausch und seine Studenten in den zurückliegenden zwei Jahren zusammengetragen haben, basiert das Millionen-Projekt auf dem Mittenwalder Haus- und Sonnenberg, das am Dienstag vielen staunenden Zuhörern vorgestellt wurde. Und nicht nur das: Mit 16:2 Stimmen hat der Mittenwalder Marktgemeinderat sogar einen Grundsatzbeschluss getroffen. Damit legte das Gremium den Grundstein für ein Mammut-Vorhaben, mit dem man im globalen Wettstreit mit anderen Fremdenverkehrs-Destinationen überleben will.

Eine Strategie, die Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) schon in seiner Zeit als Gemeindewerkschef herumspukte. Nach Jahren des Stillstands und angesichts des unstreitbaren Klimawandels will er nun Nägel mit Köpfen machen. Denn für ihn steht fest: „Das bedeutet einen gewaltigen Mehrwert für unseren Tourismus.“

Was in naher Zukunft entstehen soll, erläuterte Christian Weiler (Klenkhart & Partner). Herzstück ist eine Seilbahn mit Acht- bis Zehn-Personen-Kabinen. Von der Talstation beim jetzigen Luttensee-Lift soll sie die Fahrgäste (maximal 1000 pro Stunde) über die Mittelstation (oberhalb der Korbinianhütte) auf den Kranzberg-Gipfel (1391 Meter) befördern. Geschätzte Kosten: 13 Millionen Euro. Im Umkehrschluss bedeutet das: Die Tage des bisherigen Einer-Sessellifts (Baujahr 1950), der ohnehin seit zwölf Jahren stillgelegten Gipfelbahn und des Korbinianlifts sind gezählt.

„Doch die neue Bahn alleine bringt’s nicht“, betonte Gemeindewerkschef Matthias Pöll. „Das Gesamtpaket muss stimmen.“ Damit zielt er auf weitere Attraktivitätssteigerungen auf dem Kranzberg ab. So soll unter anderem eine Rodelbahn mit Flutlicht, eine Wald-Schwebebahn (Fly-Line) und ein Panoramaweg entstehen. Potenzielle Kranzberg-Kunden steuern hierzu den geräumigen Parkplatz am Luttensee-Hof mit Bus-Wendehammer an. Alles zusammen soll 24,6 Millionen Euro kosten.

Eine monströse Summe, die bei 15 Prozent Staatszuschüssen komplett fremd finanziert werden soll. Aktuell gehen Hornsteiner und seine Verwaltung von einer Kredit-Laufzeit von 15 Jahren aus – bei einem Zins von drei Prozent. Bei einem kalkulierten Umsatz von jährlich 2,95 Millionen Euro sollen die Schulden durch den sogenannten Cashflow (Kassenfluss) getilgt werden. „Eine sehr konservative Rechnung“, betont Bausch. „Es wird auch keine Steuererhöhung geben“, beteuert der Bürgermeister. Solange der Schuldendienst bedient werden muss, rechnet man bei der neuen Seilbahn mit einem Jahresdefizit von etwa 125 000 Euro. „Das wäre keine Mehrbelastung“, konstatiert Werkechef Pöll. Und das erwartete Saldo ist nicht viel höher als das derzeitige Minus beim noch laufenden Kranzberglift (100 000 Euro).

Der Zeitplan ist übrigens ambitioniert: Um Landeszuschüsse abgreifen zu können, muss bis spätestens 31. Dezember 2019 ein Förderantrag in München eingegangen sein. Weiter fordert der Geldgeber im Anschluss eine Baufertigstellung binnen drei Jahre.

Ob diese Rechnung aufgeht? Denn nach dem Grundsatzbeschluss beginnt für die Kommune jetzt die schwierigste Phase: Gespräche mit Grundstückseigentümern und nicht zuletzt mit Umweltbehörden und -verbänden.

Christof Schnürer

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Zwei Einbrüche in Wallgauer Gasthäuser
In Wallgau hat sich am Dienstag ein bislang Unbekannter sein Unwesen getrieben. Ein Einbruch ist geglückt, beim anderen blieb es bei einem Versuch.
Zwei Einbrüche in Wallgauer Gasthäuser
Mann befriedigt sich vor Kindern selbst - und hat dann sonderbare Ausrede
Ein 58-Jähriger soll im Alpspitzwellenbad vor drei Kindern sein Glied manipuliert haben. In der Verhandlung mussten sich die Anwesenden vor allem mit einem Detail …
Mann befriedigt sich vor Kindern selbst - und hat dann sonderbare Ausrede
Landesausstellung in Ettal: Beim Festzug geht die Sicherheit über alles
Ein halbes Jahr dauert die Landesausstellung in Ettal samt Rahmenprogramm im ganzen Landkreis. Das Verkehrs- und Sicherheitskonzept stellt eine Mammutaufgabe für …
Landesausstellung in Ettal: Beim Festzug geht die Sicherheit über alles
Richard-Strauss-Festival: Werbebilder kommen nicht bei allen gut an
Richard Strauss und Garmisch-Partenkirchen – eine besondere Verbindung. Eine, die Alexander Liebreich, der neue Künstlerische Leiter des Festivals, mit ungewöhnlichen …
Richard-Strauss-Festival: Werbebilder kommen nicht bei allen gut an

Kommentare