Er sagt Ja zum Leben und den Herausforderungen, die es birgt: Hobbyautor Max Trommsdorff.
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Er sagt Ja zum Leben und den Herausforderungen, die es birgt: Hobbyautor Max Trommsdorff.

Max Trommsdorffs beeindruckende Reise

Mit der Gitarre um die Welt

  • Bettina Sewald
    VonBettina Sewald
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Er zog aus, um die Welt zu sehen - und lernte dabei sich selber kennen. Über seine Erfahrungen hat der Mittenwalder Max Trommsdorff nun ein Buch geschrieben.

Mittenwald – Max Trommsdorff ist in Mittenwald bekannt wie ein bunter Hund. Dieser Tage erscheint sein Buch „Unplugged – Mit Gitarre um die Welt“, in dem er tagebuchartig von seiner beeindruckenden Reise um den Globus erzählt – ohne Geld, ohne Handy und ohne konkrete Route. Ein Mann von Fernweh getrieben, aber verwurzelt mit seiner Heimat.

„,Geh doch erst morgen, Max!‘“, meinte meine Mutter, als ich den Rucksack gepackt und sein ganzes Gewicht das erste Mal auf den Schultern hatte.“ Mit diesem Satz nimmt Trommsdorff sich und seine Leser mit auf eine Reise, die in Wahrheit schon lange zurückliegt und insgesamt 18 Monate dauern sollte. Den Samen für dieses Vorhaben säte ein junges Pärchen einige Jahre zuvor, als es ihn am Mittenwalder Bahnhof nach dem Weg fragte: „Da war ich vielleicht 20 oder 21 und kam mit ihnen ins Gespräch. Die waren unterwegs und hatten weder Plan noch Ziel.“

Das fand er so spannend, dass er spontan ein Nachtquartier anbot und einen wunderschönen Abend erlebte. „Wir haben zusammen gegessen und Musik gemacht und viel geredet. Das hat in mir den Wunsch geweckt, auch irgendwann mal losziehen zu wollen, ohne Geld und nur mit Gitarre.“

Seine schulische Karriere bei den Regensburger Domspatzen war zuvor aufgrund der schlechten Noten schnell beendet, doch lernte er verschiedene Instrumente und das Schreinerhandwerk und engagierte sich auch politisch. Doch im Februar 2005 war die Zeit reif: Er legte sein Mandat als Kreisrat nieder, verkaufte seinen Bioladen und trennte sich von seiner damaligen Freundin. Im tiefsten Schnee stapfte er davon.

Zuerst Richtung Seefeld. Das Abenteuer begann. Waren die ersten zwei Stationen noch einigermaßen geplant, ging es ab Innsbruck ohne Ziel weiter. Auf jeden Fall peilte er den Süden an, wo sich Trommsdorff bessere Chancen als Straßenmusikant erhoffte – und wo man sich beim Gitarrezupfen nicht die Finger abfriert. Er spielte sich durch Italien und Griechenland bis in die Türkei, nach Afghanistan, Indien, Nepal und Tibet. Was ihn immer wieder faszinierte, war die Gastfreundschaft, die ihm entgegen gebracht wurde. „Das hat mich nachhaltig berührt, wie offen und freundlich mich Menschen ins Herz geschlossen haben und mir geholfen haben, obwohl sie mich ein paar Stunden zuvor noch gar nicht kannten.“ Über China, Thailand und Indonesien ging es mit einem Fischkutter nach Australien. Dort traf er auf Conny, die er als krasses Gegenteil von sich selbst empfand und doch ein großes gemeines Ziel erkannte: „Sie hat mich bis heute vielleicht am meisten geprägt. Conny war, anders als ich, schon immer zielstrebig, kannte nur Bestnoten.“ In der gemeinsamen Zeit habe er zum ersten Mal gespürt, dass er auch etwas lernen, etwas erreichen möchte. So paukte er mit ihr unter anderem die Hauptstädte der US-Bundesstaaten. „Wir wollten schließlich gemeinsam nach Amerika, um dort zu singen.“ Er hat mit ihr, anders als mit einigen Wegbegleitern zuvor, heute noch Kontakt: „Ich habe unterwegs mein Tagebuch verloren, das war schlimm, weil da so wichtige Adressen drin waren.“ Noch schlimmer war jedoch der Verlust der kleinen Reisegitarre, die schon Papa Lutz gehört hatte und genau so alt war wie er: Jahrgang 1947. „Sie wurde mir in Nordmexiko gestohlen“, erzählt Trommsdorff. „Das war der absolute Tiefpunkt meiner Reise! Nicht weil die Gitarre einen hohen materiellen Wert gehabt hätte. Im Gegenteil. Aber der ideelle Verlust schmerzt bis heute.“

Wenn ich mit etwas zu kämpfen habe, dann hilft der Gedanke an die Menschen, die einen gern haben, die einem wichtig sind, weiterzumachen.

Max Trommsdorff

Über die Krise hinweg geholfen habe, wie in anderen Situationen auch, der Gedanke an die Familie und die Freunde in der Heimat. Der inzwischen dreifache Familienvater weiß: „Wenn ich mit etwas zu kämpfen habe, dann hilft der Gedanke an die Menschen, die einen gern haben, die einem wichtig sind, weiterzumachen.“ So gesehen hat ihm seine 18-monatige Reise Mittenwald und die Menschen, die dort leben, näher gebracht. Und bewirkt, dass er in seinem Leben etwas Sinnvolles erreichen möchte, etwas, das der Gemeinschaft dient. Und den größten Dienst – da ist er sich sicher – erweist man der Weltgemeinschaft durch beherzten Klimaschutz.

Nach seiner Rückkehr machte er das Abitur nach – als Jahrgangsbester! Heute arbeitet Trommsdorff als Leiter der Gruppe Agri-Photovoltaik am Freiburger Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. In seiner Freizeit ist er weiter gerne auf Reisen. Auch mit Kindern und Familie lässt sich unterwegs wunderbar Musik machen. Trommsdorff schaut optimistisch in die Zukunft: „Nach den Einschränkungen der vergangenen Monate hoffe ich, dass wir über Weihnachten alle zusammen in Mittenwald feiern können und bald auch auf dem Bozner Markt musizieren dürfen, wenn er endlich wieder stattfindet.“ BETTINA SEWALD

„Unplugged – Mit Gitarre um die Welt“ von Max Trommsdorff ist als Klappenbroschur im Knesebeck-Verlag erschienen, hat 400 Seiten und kostet 20 Euro, als eBook 17,99 Euro.

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