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Interessantes erfahren die Zuhörer von Alois Glück bei der Almbauern-Sitzung.

Almbauerntag in Mittenwald

Volksbegehren Artenschutz: Alois Glück ruft zum Kraftakt auf

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Es gibt viel zu tun, um Versäumtes aufzuarbeiten. Zu dieser Erkenntnis ist Alois Glück beim Almbauerntag in Mittenwald gelangt.

Mittenwald – Den meisten Applaus gibt’s nicht für den Ehrengast, sondern für eine der wenigen Frauen im Saal: Christine Singer. „Wir brauchen eine Gesellschaft, die wertschätzend mit uns umgeht“, sagt die Kreisbäuerin mit Wucht in der Stimme. „Bravo“, schallt es ihr entgegen. Zustimmung erntet Singer auch, als sie ein „Schulfach für Alltag und Lebenskompetenz“ vorschlägt. „Da brauchen wir ein Umdenken“, appelliert sie an die Staatsregierung. Denn nur Kinder, die vom praktischen Dasein eine Ahnung haben, „können sich auch klimakonform verhalten“.

Bedenkzeit

Singers Worte richten sich vornehmlich an Alois Glück. Der langjährige Spitzenpolitiker der CSU spricht am Samstag bei der Hauptausschuss-Sitzung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO). Sein Thema im Nebenraum des Gasthofs Alpenrose: Eine Zwischenbilanz zum Runden Tisch des Volksbegehrens Artenschutz. Als ihn Ministerpräsident Markus Söder (CSU) gefragt hatte, ob er dabei als Vermittler zwischen Landwirten und Umweltschützern auftreten möchte, erbat sich Politrentner Glück eine Bedenkzeit. Er sagte zu. „Ich hätte es sonst nicht vor mir verantworten können.“

Der „Austragler“

Also versucht sich der „Austragler“, wie sich der gelernte Landwirt aus dem Chiemgau scherzhaft selbst bezeichnet, das erfolgreichste Volksbegehren aller Zeiten im Verbund mit Interessensvertretern und Experten zur Gesetzesreife zu bringen. „Das erfordert nicht nur viel Geduld, sondern es ist auch eine ziemliche Kraftanstrengung“, will der 79-Jährige seinem Publikum nicht verhehlen. Doch der mit allen Wassern gewaschene ehemalige Landtagspräsident und CSU-Fraktionschef hat seitdem viel dazu gelernt. „Mir war nicht bewusst, dass wir diese Veränderungen in der Natur haben.“ Plötzlich sieht er „überall dieses Einheitsgrün“ – entstanden durch permanente Überdüngung. Glück drückt es so aus: „Da haben wir mit deutscher Gründlichkeit die Landschaft ausgeräumt.“ Doch blühende Landschaften sind wieder möglich. Eine „Schlüsselrolle“ auf Kreisebene komme dabei dem Landrat zu.

„Nitratbelastung - Realität“

Die Überdüngung hat noch weitere Spuren hinterlassen: „Die Nitratbelastung – auch in Bayern – ist Realität.“ Und nun bricht auch noch die Klima-Debatte mit voller Wucht herein, „da wir dieses Thema 30 Jahre verdrängt haben“. Dabei greift Glück ein Beispiel aus Franken auf. Durch die Trockenheit hat ein Bauer dort für seine 100 Rinder nur mehr Futter für dreiviertel der Herde. Nur der Zukauf rettet den Landwirt. „Aber wenn das so weitergeht, ist der in zwei Jahren am Ende.“ Für Glück einfach nur „erschreckende“ Umstände.

Innere Zerrissenheit

Die nur im Verbund mit der Landwirtschaft gelöst werden können. Zwar attestiert Glück dem Bauernverband eine „innere Zerrissenheit“, aber genau diese Interessensvertretung muss „mit der Gesellschaft in vernünftige Kommunikation“ gelangen. Vorbei müsse die Zeit sein, in der sich Teile der Bauernschaft „in die Opferrolle zurückziehen“. Denn es drängt. Glück fragt sich nur: „Wie gestaltet man bei der Dringlichkeit und den Versäumnissen das Ganze sozial?“

Enormer Freizeitdruck

Nachdenkliche und ebenso aufmunternde Worte eines Mahners und Brückenbauers, der nie vergessen hat, wo er herkommt. „Ich bin froh, dass Herr Glück zu uns gekommen ist“, verdeutlichte Georg Mair, der scheidende AVO-Vorsitzende. Bei seinen Schlussbetrachtungen sieht der „Schömmer“ aus Gaißach einige dunkle Wolken aufziehen. Zwar seien die Almen mit ihren 90 Hektar Weideflächen und 22 000 Rindern „bestens bewirtschaftet“, doch spüren die fleißigen Helfer im Gebirge den „enormen Freizeitdruck“ etwa durch Bergwanderer oder E- und Mountainbikefahrer. „Die nehmen sich Freiheiten heraus, die so nicht mehr tolierbar sind.“ Aufgeschnittene Elektrozäune oder offen gelassene Gatter sind nur zwei immer wiederkehrender Negativbeispiele. 

Naturschutzgesetz überdenken

Da gilt es laut Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU), das durch das bayerische Naturschutzgesetz garantierte freie Betretungsrecht einmal zu überdenken. Auch was die Reglementierung kleinstrukturierter landwirtschaftlicher Anwesen betrifft. „Man muss uns schon Luft zum Schnaufen lassen.“ Hier sollte eine Lösung her, findet Hornsteiner. „Wir sind bereit dazu.“

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