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Sein Wort zählt: Alois Glück besucht am Samstag erstmals Mittenwald.

Sorge um Landwirt-Familien

Almbauerntag: Alois Glück besucht Mittenwald

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Wolf, Klima, Tourismus, Strukturwandel – die Almwirtschaft steht vor einem Berg von Herausforderungen. Alois Glück weiß das nur zu gut. Am Samstag kommt der prominente CSU-Politiker nach Mittenwald. Er spricht bei der Hauptausschuss-Sitzung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern.

Mittenwald – Weit ist der gefragte CSU-Politiker Alois Glück (79) herum gekommen – vor allem in seinem Heimatland Bayern. In Mittenwald, wo der schwarze Übervater Franz-Josef Strauß immer zur Schlusskundgebung bat, war er seltsamerweise noch nie. „Da bin ich bisher immer nur vorbeigefahren“, gesteht der ehemalige Landtagspräsident. Allerhöchste Zeit also den Ort, wo der Himmel voller Geigen hängt, mal aus der Nähe zu betrachten.

Am kommenden Samstag ist es soweit: Dann ergreift Glück im Vorfeld des 72. Almbauerntags (Sonntag, 13. Oktober, 13 Uhr TSV-Halle) während der Hauptausschuss-Sitzung des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO) im Gasthof Alpenrose das Wort.

Der Brückenbauer

Und Glück weiß, wovon er spricht. Im Chiemgau, seiner Heimat, ist er auf einem Bauernhof aufgewachsen, hat eine Landwirtschaftsschule besucht und mit 17 Jahren den elterlichen Betrieb übernommen. „Ich kenne die Entwicklung seit dem Beginn der Mechanisierung“, verdeutlicht Glück, der sich in seiner 38 Jahre währenden Zeit im Bayerischen Landtag (1970 bis 2008) immer mehr zum authentischen Sprachrohr der bayerischen Bauernschaft entwickelte.

Beim „Oimroasa“ in Mittenwald beleuchtet der gefragte Politiker im Ruhestand den Abstimmungsprozess am Runden Tisch zum Thema Artenvielfalt. In dieser Sache betätigt sich Glück sozusagen als Brückenbauer zwischen Bauern und Umweltschützern. Was das Thema Almwirtschaft betrifft, gibt es laut Glück „ein bestimmtes Maß an Übereinstimmung“ – und liefert ein Beispiel. Grast zu wenig Vieh auf den Berghängen, dann versteppt die Landschaft. „Das ist nicht im Sinne des Naturschutzes.“

Kollektives Unbehagen

Als „gemeinsames Problem“ betrachtet der langjährige CSU-Fraktionschef den überbordenden Tourismus. Gerade die E-Biker sind für Almbauern eine Herausforderung. „Die wenigsten Leute haben noch eine Beziehung zu Tieren“, beschreibt der Politrentner den Kern dieser Konfliktsituationen.

Für Ärger bei den Almbauern sorgt aber auch der Wolf, dessen Rückkehr in die Bergwelt nur mehr eine Frage der Zeit zu sein scheint. Was bei heimischen Schaf- und Ziegenzüchtern kollektives Unbehagen auslöst. Auch die unbestreitbare Klima-Veränderung wirkt sich zunehmend auf den bäuerlichen Alltag aus. Mehr noch: „Das ist ein realer, politischer Faktor.“ Auch hier müssen den Menschen Wege aufgezeigt werden, glaubt Glück.

„Rundum-Verunsicherung“

Was den Bauernsohn aus Hörzing aber am meisten umtreibt: „In weiten Teilen ist die Stimmung in den Bauernfamilien schlecht.“ Viele von ihnen vermissen von Seiten der Bevölkerung „die Wertschätzung“. Diese „Rundum-Verunsicherung“ sei nicht von der Hand zu weisen. Doch soll die Almwirtschaft weiter funktionieren, „dann muss auch der Betrieb im Tal eine Existenzgrundlage haben“.

Mahnende Worte eines klugen Kopfes. Beim AVO-Hauptausschuss wird Glück sicherlich noch deutlicher werden, Klartext sprechen. Worauf sich Kassier Christian Neuner („Hackl“) besonders freut, der in seinem Heimatort 35 Jahre an der Spitze des von ihm mitgegründeten Ziegen- und Milchschafhaltervereins stand. „Alois Glück ist ein Freund der Almwirtschaft“, sagt Neuner. „Schon immer hatte er ein offenes Ohr für uns.“ Und vielleicht kommt der Mahner und Brückenbauer aus dem Chiemgau dann öfter ins Isartal.

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