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Sehnsuchtsort Karwendel: Nach wie vor verbringen viele ihren Urlaub in Mittenwald und Umgebung.

Tourismuszahlen 2019

Durchschnittliches Jahr in der Alpenwelt Karwendel

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Mit einem kleinen Minus gegenüber 2018 hat die Alpenwelt Karwendel das Tourismusjahr 2019 abgeschlossen. Mehr den je fordert Mittenwalds Bürgermeister zusätzliche Betten.

Oberes Isartal – An 155 Tagen waren die 7124 Betten in der Alpenwelt Karwendel 2019 belegt – an 210 Tagen nicht. Das entspricht einer Auslastung von mageren 42,4 Prozent. Ein Wert, der durchaus ausbaufähig ist – in erster Linie bei den Privatvermietern (25 Prozent). Doch glaubt man den Verantwortlichen der Isartaler Tourismus-GmbH, die am Donnerstag im Mittenwalder Rathaus die Fremdenverkehrsdaten 2019 präsentierten, wird’s diese Gastgeber-Gruppe über kurz oder lang nicht mehr geben. „Privatvermieter sind fast schon ein Auslaufmodell“, findet Mittenwalds Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU). Was er einerseits bedauert, andererseits zur Kenntnis nehmen muss. Allein in seiner Gemeinde decken Privatvermieter nur mehr 251 von 3837 Betten ab – gerade mal sieben Prozent.

Strukturwandel

Der viel zitierte Strukturwandel, der nach den Wendejahren Anfang der 1990er eingesetzt hat, grassiert mehr denn je. Mehr noch: „Der Rückgang wird weitergehen“, schwant dem Mittenwalder Tourismus-Referenten Ludwig Knilling (CSU) Übles. „Daher ist es existenziell wichtig, dass wir es schaffen, neue Projekte zu bekommen.“ Sprich: Die drei Hotelvorhaben in Mittenwald (Silva Mountain, Low-Budget am Bahnhof und aja) sind zumindest für Knilling, selbst Vermieter, wichtiger denn je. „Denn Mittenwald hat eine völlig ungesunde Struktur.“ Nur 25 Prozent Hotelbetten sind ihm zufolge viel zu wenig. Mindestens 50 Prozent müsste ihr Anteil ausmachen.

Im Nachbarort Krün sieht das dank der Vorzeige-Betriebe Elmau, Kranzbach und Tennsee natürlich anders aus. Daher ist es nicht weiter verwunderlich, dass man dort die Zahl der Gäste (plus 1,6) und Übernachtungen (plus 0,4 Prozent) gegenüber 2018 leicht steigern konnte. Wie sehr sich ganzjährig geöffnete Herbergen positiv auf die Statistik auswirken können, zeigt der klassische Minus-Monat November. Während in dieser Zeit Mittenwald (minus 12,8) und Wallgau (minus 28,7) tief in die roten Zahlen abrutschen, schneidet Krün mit lediglich minus 4,4 noch verhältnismäßig gut ab.

Horrormonat Mai

Der absolute Horrormonat in der Alpenwelt Karwendel war allerdings der Mai, in dem in Mittenwald (minus 27,3 Prozent), in Krün (minus 16,2) und Wallgau (minus 23,2) die Urlauber schon beinahe dramatisch ausblieben. Manuel Huber, der stellvertretende Geschäftsführer der Tourismus-GmbH, führt das in seiner Analyse auf die „ungünstige Wetterlage“ und die späte Lage der Pfingstferien (Mitte Juni) zurück. „Diesem Minus sind wir permanent nachgelaufen.“ Und um in der Sportsprache zu bleiben: Es konnte auch bis Silvester 2019 nicht mehr eingeholt werden. Ein moderater Rückgang von 1,8 Prozent bei den Ankünften (241 025) und von 1,2 Prozent bei den Übernachtungen (1 198 375) stehen unwiderruflich zu Buche. Für Experten Huber kein Beinbruch, zumal das Vorjahr ein extrem gutes gewesen sei. Daher kommt der Vize zu dem Schluss: „Es bleibt weiterhin eine positive Entwicklung erkennbar.“

Einen deutlichen Sprung nach oben erwartet sich der Mittenwalder Bürgermeister für seine Gemeinde, falls tatsächlich die drei von ihm forcierten Hotels laufen würden. Dann steigt nämlich unterm Karwendel die Zahl an Betten um 800 an. Das bedeutet bei vorsichtiger Kalkulation laut Hornsteiner etwa 175 000 Übernachtungen mehr. In die Zukunft gedacht: Würde unter den gleichen Rahmenbedingungen die Präsentation der Fremdenverkehrszahlen 2025 stattfinden, dann könnten die Tourismusschaffenden für Mittenwald sage und schreibe 725 000 Übernachtungen vermelden.

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