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In einer Felsspalte ist der Hund gefangen.

Drama um Vierbeiner

„Auf einmal war sie weg“ -  Hündin zwei Tage in Felsspalte gefangen

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Geschichte mit Gänsehaut-Faktor: Im Karwendel ist eine Hündin abgestürzt. Zwei Tage war das verletzte und traumatisierte Tier in einer Spalte gefangen. Dann kam Soldat Christopher Lührs.

Da war noch alles gut: Familie Schumacher mit Hündin Bella.

Mittenwald – Denkt Christine Sprenger an das Karwendel-Drama vor wenigen Tagen, „dann bekomme ich jetzt noch eine Gänsehaut“. Die rührige Vorsitzende des Mittenwalder Tierschutzvereins spielt auf einen hollywood-reifen Vorfall an, der am Mittwochabend in einem tränenreichen Happy-End gipfelte. Die Hauptdarsteller: Christopher „Chris“ Lührs und Shar-Pei-Hündin Bella.

Der zweijährige Chinesische Faltenhund ist der ganze Stolz von Familie Schumacher aus Landshut. Keine Frage, dass der zutrauliche Vierbeiner mit dem weißen Fell in der letzten Ferienwoche mit dabei im Urlaub in Mittenwald ist. Am Dienstagabend beschließen Katharina und Denis Schumacher, mit ihren Kindern Julian (elf Jahre) und Michelle (sechs) sowie Bella hinauf zur Mittenwalder Hütte (1515 Meter) zu wandern. Die Karwendel-Tour bei herrlichem Bergwetter verläuft einwandfrei.

Tierische Rettungsaktion im Karwendel: Hündin schnüffelt im Gestrüpp, „auf einmal war sie weg“

In einer Felsspalte ist der Hund gefangen.

Kurz vor der Unterkunft legen die Schumachers noch mal eine Pause ein. Hündin Bella schnüffelt derweil ein bisschen im Gestrüpp. „Auf einmal war sie weg“, erinnert sich ihr Frauchen. „Es handelte sich wirklich nur um ein paar Sekunden.“ Die schreckliche Wahrheit: Der Shar-Pei ist wenige Meter vom Steig entfernt einen Abhang hinunter gestürzt. Das Tier hat das Unglück überlebt – aus der Tiefe dringt ein entsetzliches Jaulen nach oben. Es ist gegen 19.30 Uhr. Die Familie ist wie paralysiert. Katharina Schumacher verfällt in eine regelrechte Schockstarre. „Für mich ist auf einmal die Zeit still gestanden.“

Am schnellsten kann ihr Mann Denis einen klaren Gedanken fassen. Der Familienvater verständigt die Bergwacht. Eine Stunde später, kurz vor 21 Uhr, rücken einige Helfer an. Einer von ihnen seilt sich ab und erforscht mit wachem Auge das Gelände. Keine Spur, kein Geräusch von Bella. Der Hund ist wie vom Erdboden verschluckt. Langsam wird es dunkel. Bergwacht und die Schumachers kehren zurück ins Tal. Es fließen Tränen ohne Unterlass. Was ist nur mit Bella geschehen? An Schlaf ist in dieser aufwühlenden Nacht nicht zu denken.

Erinnern Sie sich noch an diese Geschichte vom letzten Jahr? Nach schwerem Unfall auf Bundesstraße 2: Hund läuft verängstigt davon - und wird mit einem Trick gerettet, wie merkur.de* berichtet.

Tierische Rettungsaktion im Karwendel: Soldat reagiert auf Hilferuf in sozialen Medien

Nach Dienstschluss macht sich Soldat Christopher Lührs auf den Weg ins Karwendel-Gebirge, um den Hund zu retten.

Schnell macht das Hunde-Drama in Mittenwald die Runde. Auf der Facebook-Seite des Tierschutzvereins wird Christopher Lührs (29) auf die Tragödie aufmerksam. Der Bundeswehr-Hauptmann aus Niedersachsen, der seit April 2017 in der Edelweiß-Kaserne stationiert ist, will helfen. Nach Dienstschluss macht sich der Heeres-Hochgebirgs-Spezialist mit seiner Hündin Cat auf den Weg. „Die Strecke kenne ich“, sagt der Offizier. Er steht am Rand des 70-Meter-Steilhangs mit einem Gefälle von 80 Grad. Er hört und sieht nichts.

Doch der Gebirgsjäger will sich damit nicht abfinden. Am Mittwoch steigt er wieder hinauf – diesmal mit Katharina und Denis Schumacher. Sie zeigen ihm die Unglücksstelle. Langsam seilt sich Lührs ab. Nach rund 50 Metern landet er auf einem Schneefeld. „Nichts war zu sehen – weder Spuren noch Blut.“ Rufe verhallen in dem Lärm des Wasserfalls.

Auch hier kam es zu einer dramatischen Rettungsaktion: Ein Hund kämpft ums nackte Überleben, festgeklebt im frischen Teer. Der Vierbeiner kann sich aus eigener Kraft nicht retten - Helfer müssen einschreiten.

Tierische Rettungsaktion im Karwendel: Nach Dienstschluss mach sich Soldat hinauf ins Gebirge

Nun arbeitet sich der Soldat an die Ränder des 30 Meter langen Schneepanzers vor. Und plötzlich: In einer etwa drei Meter tiefen Kluft zwischen Fels und Eis kauert Bella. Sie lebt. „Sie hat keinen Mucks von sich gegeben.“ Das unterkühlte Tier zittert am ganzen Körper, ist aber zutraulich. „Es hatte ein paar Kratzer im Gesicht, ansonsten wirkte es auf den ersten Blick ziemlich gesund.“

Es gelingt Lührs, Bella aus der Spalte zu befreien. Auf dem Schneefeld legt er der Hündin ein Bergrettungsgeschirr um. Dann geht es mit vereinten Kräften und der Hilfe von Denis Schumacher für Mensch und Tier nach oben. Eine halbe Stunde vergeht, dann ist das Karwendelwunder geschafft.

Auch in Pasenbach wurde ein Tier gleich zwei Mal gerettet: Ein Rehkitz wird von Jägern, Landwirten und Bürgern vor dem Mähtod gerettet. Danach wird seine Mutter überfahren. Und wieder greifen engagierte Menschen ein, wie merkur.de* berichtet.

Tierische Rettungsaktion im Karwendel: „Der Chris ist wie ein Engel vom Himmel“

Unbeschreibliche Szenen spielen sich ab. Katharina Schumacher zittert am ganzen Körper. Aus ihr brechen alle Emotionen gleichzeitig heraus. „Der Chris ist wie ein Engel vom Himmel“, stammelt sie unter Tränen. „Er war der einzige, der uns immer wieder Hilfe angeboten hat. Solche Menschen gibt es nicht viele.“ Ein weiteres Wunder: Bella hat sich bei dem Absturz nur Prellungen und eine aufgekratzte Nase zugezogen. Dabei musste das Tier nicht nur den felsigen Hang hinunter gefallen sein. Der Vierbeiner war laut Rekonstruktion von Lührs auch über das Schneefeld gerutscht, an eine Felswand gekracht und in die eisige Randkluft gestürzt. Wie der Tierarzt bestätigt, hat Bella alles beinahe schadlos verkraftet. „Sie frisst, sie trinkt, sie geht“, bestätigt Kathariana Schumacher. Denkt sie an Lebensretter Chris Lührs, fällt ihr nur eines ein: „Er ist ein Held.“

*merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

Lesen Sie auch: Vor einiger Zeit sind sie spurlos verschwunden. Nun unternimmt der Fischereiverein Mittenwald einen weiteren Versuch und setzt 3500 Eier der Seeforelle in den Zuläufen des Lautersees ein.

Bayernpartei will mit Goaßlschnazlern gegen Habeck protestieren - dann kommt alles ganz anders 

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