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Stehen hinter dem Projekt: (v. l.) Robert Krebs, Reinhard Strobl, Miriam Friedrich und Bernd Vetter (r.) von den Bayerischen Staatsforsten sowie der Mittenwalder Bürgermeister Adolf Hornsteiner (2. v. r.). 

Letzte Ruhe im Grünen

„Stille Wälder“ - in Mittenwald gibt‘s bald den ersten Naturfriedhof in Bayern

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„Stille Wälder“ – so lautet das Vorhaben der Bayerischen Staatsforsten, die künftig Naturfriedhöfe im Freistaat verwirklichen wollen. Das Pilotprojekt läuft nun in Mittenwald an. Ein Kooperationsvertrag mit der Marktgemeinde ist bereits geschlossen. 

MittenwaldImmer mehr Menschen wünschen sich nach dem Tod eine Ruhestätte im Grünen. Künftig wird genau das in Mittenwald möglich sein. Am Unteren Kranzberg, im Staatswald zwischen dem Fünf-Sterne-Hotel „Das Kranzbach“ und Schloss Elmau mit Blick auf das Wettersteinmassiv, wird auf Initiative der Bayerischen Staatsforsten ein Naturfriedhof entstehen – der erste im bayerischen Alpenraum.

„Wir folgen hier einem Trend, der sich in den letzten Jahren verstärkt hat“, erläutert Bereichsleiter Reinhard Strobl. „Immer mehr Menschen wünschen sich, dass ihre sterblichen Reste in der Natur beigesetzt werden.“ Diese Möglichkeit soll es bald auch in weiteren Orten im Freistaat geben.

Als die Vertreter der Bayerischen Staatsforsten vor einigen Monaten den Mittenwalder Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) mit ihrem Ansinnen erstmals konfrontierten, war er zunächst etwas verdutzt. Inzwischen findet er: „ein spannendes Projekt“ – und ein zeitgemäßes noch dazu. „Der Mensch besinnt sich mehr und mehr auf die Natur zurück.“

Im Marktgemeinderat stieß das Projekt „Stille Wälder“ laut Hornsteiner auf eine „überwältigende Mehrheit“. Doch das ist erst der Anfang, oder wie es Strobl von den Staatsforsten ausdrückt: „Wir haben ein schönes Stück vom ersten Weg gemacht, aber wir haben noch eine lange Strecke vor uns.“

Erste Beisetzungen 2020 geplant

Nach Rücksprache mit Robert Krebs vom zuständigen Forstbetrieb Bad Tölz wurden die Initiatoren im Elmauer Tal entlang der Mautstraße an der Anhöhe vor dem Schloss fündig. Denn die Kriterien für einen Naturfriedhof sind klar umrissen: Das Areal muss gut zu erreichen und nicht abschüssig sein, es darf in keinem Schutzgebiet liegen, und – nicht zu vergessen – der Ausblick soll ebenso passen. „Da ist das Flächenraster sehr schnell eng geworden“, schildert Krebs.

Der künftige Gottesacker mitten im Wald umfasst stolze 32 Hektar – die Größe von 40 Fußballplätzen. Zum Vergleich: Der Mittenwalder Friedhof bringt es gerade einmal auf einen Hektar. Das Gelände inmitten des Bergmischwaldes soll weder eingezäunt noch bebaut werden. „Da unterscheiden wir uns komplett von kommerziellen Betreibern“, betont Bernd Vetter, der mit seiner Kollegin Miriam Friedrich das Pilotprojekt anschiebt. Selbstredend möchten auch die Staatsforsten mit dem Naturfriedhof Geld verdienen.

Was eine Ruhestätte kostet – nur Urnenbestattungen sind möglich – konnte Vetter noch nicht sagen. „Wir müssen die Preise erst noch entwickeln.“ Was schon jetzt klar ist: Die Grabstellen in 80 Zentimeter Tiefe können für 50 Jahre im Voraus bezahlt werden. Das Ausstellen der Graburkunde bleibt allerdings Hoheitsrecht der zuständigen Kommune – in diesem Fall also Mittenwald. „Alles andere liegt im Bereich der Staatsforsten“, verdeutlicht Hornsteiner.

Er und sein Gemeinderat dürfen nun die baurechtlichen Voraussetzungen für das Sondergebiet „Naturfriedhof“ schaffen. An Gebäude oder ähnliches ist nicht gedacht. „Das Waldbild bleibt bestehen“, versichert Friedrich. Lediglich eine kleine Tafel am Baum erinnert an den Verstorbenen. Keine Grabsteine, kein Grabschmuck, dafür Natur pur. Der Gottesacker steht schon allein aus Pietätsgründen für Holzarbeit nicht zur Verfügung. So wird sich im Laufe der Zeit ein artenreicher Wald mit uralten Baumbeständen entwickeln. Das zumindest ist die Vision der Forst-Experten. Eines steht für Vetter fest: „Der Wald wird sich verändern.“

Läuft alles nach Plan, könnten ab 2020 die ersten Beisetzungen inmitten atemberaubender Natur am Unteren Kranzberg stattfinden.

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