+
Letzte Ruhe mitten im Wald: Bei Mittenwald soll ein Naturfriedhof entstehen.

Bedenken in Sachen Naturfriedhof

Belastet Gift in Totenasche den Wald?

  • schließen

Im Elmauer Tal sollen in Zukunft Menschen im Wald bestattet werden. Allerdings warnen Kritiker vor Umweltgefahren, die von der Asche der Toten ausgehen.

Mittenwald – Es ist ein Pilotprojekt in Bayern. Die Bayerischen Staatsforsten planen im Elmauer Tal auf Mittenwalder Gemeindeflur ihren ersten Naturfriedhof im Freistaat. Bei Andreas Morgenroth schrillen bei dieser Nachricht sämtliche Alarmglocken. Der Diplom-Ingenieur, Friedhofsberater und Umweltplaner aus Hamburg, verfolgte die Berichte über die neue Art der Baumbestattung im Isartal aufmerksam und warnt nun vor Umweltschäden: „Das Projekt sollte im Interesse der schützenswerten Waldnatur unbedingt verhindert werden.“ Er glaubt, dass Schwermetall in der Totenasche dem Wald massiv schaden könnte.

Sorgen macht ihm das giftige Chrom (VI). Das Schwermetall gelangt bei der Beisetzung als Schadstoff in den Waldboden, wenn die Urne aus biologisch abbaubarem Material besteht. Der Betreiber, die Bayerischen Staatsforsten, will in Mittenwald Holzurnen verwenden, die nach kurzer Zeit unter der Erde zerbrechen. Da das giftige Chrom ein leicht wasserlösliches Schwermetall ist, könnte es bis ins Grundwasser gelangen.

Doch wie kommt das chemische Element überhaupt in die Asche? „Es stammt weitgehend aus dem Kremationsprozess“, erklärt Dr. Johannes Haas von der Universität Freiburg. Er belegte kürzlich wissenschaftlich die Bedenken von Morgenroth, weshalb sich der Ingenieur ans Tagblatt wandte.

Der Schadstoff würde hauptsächlich beim Verbrennen des Leichnams im Krematorium durch hitzebeständige, rostfreie Stahllegierungen sowie chromhaltige Feuerfestmaterialien in den Öfen in die Asche gelangen. Der Wert des chemischen Elements variiere je nach Ofen und Krematorium. Chrom (VI) ist nicht nur hochgiftig, sondern „wirkt auch mutagen und karzinogen“, kann also Mutationen und Krebs auslösen. Haas’ Ergebnisse beruhen auf verschiedenen Forschungsexperimenten mit Modellasche – schließlich darf in Deutschland keine Totenasche analysiert werden. Jeweils fünf handelsübliche Särge wurden in fünf verschiedenen Krematorien verbrannt. Das Ergebnis war einheitlich. Alle Proben enthielten „Schwermetalle in signifikanten Werten“.

Bei ungeeigneten Verhältnissen, wenn der Boden beispielsweise von sich aus schon hohe Hintergrundwerte wie Zink, Nickel und Chrom enthält, könnte es mit der Totenasche zu argen Überschreitungen der zulässigen Werte kommen. Morgenroth empfiehlt deshalb, keine Naturfriedhöfe in Wäldern anzulegen, deren Böden einen stark sauren oder neutralen bis basischen PH-Wert haben. Laut einer Risikobewertungskarte der Universität Freiburg zählt auch das Isartal zu diesen Flächen.

Die Menge der Asche wäre nicht unerheblich. Die Staatsforsten rechnen mit rund „50 bis 100 Bestattungen im Jahr“, sagt Sprecher Konrad Prielmeier. Kalkuliert man mit etwa drei Kilogramm Asche pro Urne, würden jedes Jahr etwa 150 bis 300 Kilogramm Asche auf 32 Hektar Wald vergraben. Um die Baumwurzeln nicht zu beschädigen, sollen die Urnen „in einem entsprechenden Abstand von den Bäumen eingebracht“ werden, sagt Prielmeier.

Die Bayerischen Staatsforsten haben den Waldboden zwar noch nicht untersucht. Sie versprechen allerdings, dass ihr Friedhof „naturnah, dauerwaldartig und nachhaltig betrieben wird“. Die „gewünschte struktur- und mischbaumartenreichen Bestände“ sollen erhalten bleiben. Die Umweltaspekte seien jedoch „Teil des öffentlich-rechtlichen Genehmigungsverfahrens“, erklärt Prielmeier. „Hierfür werden die relevanten Belange durch die Fachbehörden geprüft und gewürdigt.“

Über den geplanten Naturfriedhof hatte das Garmisch-Partenkirchner Tagblatt bereits im Juni berichtet.

Joho

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Schlüsselzuweisungen für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Weniger Geld wäre besser
Es ist das Geld, das keiner haben will und über das man sich doch so sehr freut. Die Schlüsselzuweisungen aus dem Finanzministerium haben zwei Seiten. Je höher sie …
Schlüsselzuweisungen für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen: Weniger Geld wäre besser
Tourist macht fatalen Navi-Fehler - auf Skipiste gelandet
Da hätte er wohl lieber den Ortsbus genommen: Da ein Tourist sich auf sein Navi verließ, fuhr er bei Garmisch-Partenkirchen mit seinem Auto auf eine Skipiste.
Tourist macht fatalen Navi-Fehler - auf Skipiste gelandet
Neue Treffs beleben den Murnauer Ortskern
In der Murnauer Gastro-Szene tut sich was: Christina Prager, die früher die Bar Bachida betrieb, hat das Lokal im Murnauer Schloss übernommen. Und in der Höllgasse sind …
Neue Treffs beleben den Murnauer Ortskern
Kurpark Partenkirchen wird nicht zum Hermann-Levi-Park
Der Kurpark Partenkirchen wird nicht nach Ehrenbürger Hermann Levi benannt. Die Mehrheit des Gemeinderats hat dies in einer emotionalen Debatte verhindert und den …
Kurpark Partenkirchen wird nicht zum Hermann-Levi-Park

Kommentare