Vor der neuen Grieser Geige – mit dem üblichen Sicherheitsabstand: (v.l.) Bernhard Adam, Dieter Puzicha („Wir in Mittenwald“), Stefan Adam, Maria und Thomas Englerth (beide EC-Ingenieure), Bürgermeister Enrico Corongiu, Bauhof-Chef Christoph Hagn und Verena Hornsteiner (Tiefbau Gemeinde Mittenwald).
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Vor der neuen Grieser Geige – mit dem üblichen Sicherheitsabstand: (v.l.) Bernhard Adam, Dieter Puzicha („Wir in Mittenwald“), Stefan Adam, Maria und Thomas Englerth (beide EC-Ingenieure), Bürgermeister Enrico Corongiu, Bauhof-Chef Christoph Hagn und Verena Hornsteiner (Tiefbau Gemeinde Mittenwald).

Vereine spenden 4000 Euro

Grieser Wahrzeichen kehrt zurück: Riesen-Geige wieder an Ort und Stelle

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Das Grieser Wahrzeichen ist in Mittenwald zurück: Für die Statiker war die Riesen-Geige eine reizvolle Aufgabe.

Mittenwald – Es dauert keine Minute, da steht der erste Bub vor dem Holz und lässt sich von seinen Eltern fotografieren. Gleich darauf folgt ein Urlauberpaar, das das Handy zückt. Es knipst, es blitzt, es rührt sich was an diesem Mittwoch-Vormittag im Mittenwalder Gries.

Geige wiegt 400 Kilo

Der Star ist rund drei Meter hoch, 400 Kilogramm schwer, aus Fichtenholz –und endlich wieder da: die Grieser Geige. Sie zieht, genauso wie vor der ersten Einweihung vor rund zehn Jahren, die Besucher an. Diesmal fällt der Ansturm etwas verhaltener aus. Das Coronavirus lässt grüßen. Aufgereiht in einer Warteschlange, die sauber abgetrennt voneinander den vorgeschriebenen Abstand einhält, stehen die Besucher in Reih’ und Glied, um ein Foto vor dem Kunstwerk zu ergattern.

Erfolg nicht geahnt

Bis es allerdings wieder so weit kommen konnte, mussten die Brüder Bernhard und Stefan Adam viel Zeit investieren. Bei ihrem Erstlingsprojekt hatten sie die Holzskulptur für den ältesten Mittenwalder Ortsteil mehr oder weniger „vogelwild“ gebaut, verrät Bernhard Adam. Wusste aber keiner. Als die Ortskernsanierung im ältesten Viertel der Marktgemeinde mit einem Fest gefeiert wurde, war die Enthüllung der etwa drei Tonnen schweren Skulptur durch Biathlon-Weltmeisterin Martina Beck der dramaturgische Höhepunkt. Die Brüder Adam haben das Design der Grieser Geige via Patent sogar schützen lassen. Den Erfolg hatten sich die Adams damals nicht zu träumen gewagt.

Opfer eines Sturms

Doch die Witterung setzte der Holzkonstruktion im Laufe der Jahre zu. 2019 wurde sie Opfer eines Novembersturms. Der Hals der Geige brach ab, lag mitten auf der Straße. Morsch. Noch vor Weihnachten begannen die Brüder für das zweite Modell. Sie fertigten Entwürfe an und holten das Statikerbüro EC-Ingenieure aus Mittenwald ins Boot.

Reizvolle Aufgabe

Für Maria und Thomas Englerth eine „außergewöhnliche“ Aufgabe. „Wir haben noch nie die Statik einer Geige berechnen müssen“, erklärt Maria Englerth lachend. Vor allem nicht für eine dieser Größenordnung und Gewichtsklasse. Fünf Tage lange brüteten die beiden über den Plänen, während die Adam-Brüder das Holzkonstrukt in der Bundeswehr-Kaserne fertigten. Am sechsten Tag kam den Ingenieuren eine Idee: Ein Rohr muss es sein, das die Geige hält. Gefüllt mit Epoxidharz.

Karwendelmassiv im Rücken

Als das Kunstwerk aus Fichte endlich fertig war, besorgten die Englerths zwei große Findlinge. Die brauchten sie, um das Konstrukt zu halten. „Das Schwierige war ja, die Geige schief stehen zu lassen.“ Die Herausforderung reizte Maria Englerth. „Wir drehten die Geige dann so, dass keine Busse oder Lastwagen daran hängen bleiben können.“ Somit blickt das riesige Instrument nun in Richtung Norden – und hat somit das Karwendelmassiv im Rücken.

Vereine spenden

Finanziert wurde das Kunstwerk diesmal zur Hälfte von Vereinen. Genauer gesagt von deren Glühwein-Verkauf in Mittenwald. Nach dem offiziellen Christkindlmarkt rund um die Pfarrkirche St. Peter und Paul hatte der Verein „Wir in Mittenwald“ bis zum 7. Januar fleißig eine Hütte am Obermarkt betrieben. Insgesamt 8000 Euro nahm er ein. 4000 Euro gingen nun an die neue Geige, die anderen 4000 Euro sollen für Spielplätze aufgewendet werden. „Wir hätten es sehr schade gefunden, wenn hier keine Geige mehr hergekommen wäre“, sagt Dieter Puzicha stellvertretend für alle Ehrenamtlichen, die mitwirkten.

Gemeinde bringt sich ein

Die andere Hälfte der Kosten übernimmt die Marktgemeinde Mittenwald. Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) freut sich über das neue Kunstwerk. Besonders lobt er die Leistung des Bauhofs. Die Mitarbeiter unter der Leitung von Christoph Hagn hatten einiges zu tun. So musste das Epoxidharz in das Stabilisierungsrohr eingefüllt und getrocknet werden – kein leichtes Unterfangen. „Das flüssige Harz lief mehrmals aus“, sagt Maria Englerth. Zudem war es zu kalt. Statt den gewünschten zwölf Grad hatte es frühmorgens lediglich sechs. Somit mussten die Bauhof-Mitarbeiter warten, bis das Harz getrocknet war und die Geige einen sicheren Stand hatte. Diese „Wache“ dauerte teils bis nach Dienstschluss. Zwei Wochen nahm das Befestigen der Geige auf dem betonierten Fundament in Anspruch. „Dafür werde ich allen eine Brotzeit ausgeben“, verspricht Rathauschef Corongiu.

Lustiger Kommentar

Christoph Hagn muss lachen, denkt er an den Kommentar eines Spaziergängers zurück. Dieser beobachtete damals ihre Arbeit. Der Einheimische meinte darauf: „Des passt schoa, so genau braucht’s as it, es wird ja koa Geig’n.“

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