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Wanderer füttern Goaß auf der Weide: Bock stirbt qualvoll

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Bloß nicht füttern! Das Gras am Wegesrand ist oft voll mit Hundeausscheidungen und kann zum Tod der Ziegen führen. Schuld ist ein hinterlistiger Parasit, der sich im Kot der Vierbeiner befindet.
Bloß nicht füttern! Das Gras am Wegesrand ist oft voll mit Hundeausscheidungen und kann zum Tod der Ziegen führen. Schuld ist ein hinterlistiger Parasit, der sich im Kot der Vierbeiner befindet. © Dagmar Rutt

Es ist ein zunehmendes Dilemma auf der Weide: Wanderer füttern Ziegen, Schafe oder Kälber, doch was viele nicht wissen: Die Tiere verenden hernach elendig – Schuld daran ist vor allem Hundekot.

Mittenwald – Eine Mischung aus Trauer und Ärger macht sich bei Gabi Sailer breit. In den frühen Morgenstunden des Mittwochs war ihr Ziegenbock noch putzmunter, sprang im Stall und auf der Weide meckernd umher. Einige Stunden war er tot. Eine Wanderin hatte das nur zweieinhalb Jahre alte Tier auf der Wiese vor Sailers Goas-Alm an den Buckelwiesen entdeckt und dessen Eigentümer verständigt.

Es brauchte nicht lange, bis die Todesursache feststand: Der Bock wurde mit sehr hoer Wahrscheinlichkeit von Wanderern mit verunreinigtem Gras gefüttert. „Das ist doch Wahnsinn“, sagt Sailer kopfschüttelnd. „So viele Schilder kann man ja gar nicht aufstellen, die es bräuchte, um Menschen daraufhin zu weisen, dass sie die Tiere auf gar keinen Fall füttern sollen.“

Der Bock war sehr wichtig für die Zucht und der wertvollste Vierbeiner der Landwirte

Die Familie Sailer hat 60 Ziegen und bis vorgestern noch einen Bock. Er ist sehr wichtig für die Zucht und der wertvollste Vierbeiner für die Landwirte. Schließlich muss er im August „becken“ – also sich fleißig weiter vermehren.

Jetzt ist er tot. Elendig verendet an Gras, das mit Hundekot verdreckt war. Dieser infiziert die Tiere mit dem heimtückischen Parasiten Neospora caninum. Der Hund ist für diesen Erreger ein Endwirt. Das bedeutet, er trägt den Schädling in sich, ohne dass das von außen zu erkennen ist. Nimmt jetzt beispielsweise eine Ziege verseuchten Hundekot mit dem Futter auf, wird sie zum Zwischenwirt: „Sie infiziert sich also“, erklärt Dr. Andreas Randt, Tierarzt und Geschäftsführer des Tiergesundheitsdiensts Bayern. Die negativen Folgen sind laut dem Veterinär allerhand: Aborte – also Fehlgeburten – Missbildungen oder die Geburt lebensschwacher Jungtiere bis hin zum Tod.

Deshalb richten sich die Isartaler Landwirte mit einem dringenden Appell an die Öffentlichkeit via Facebook: „Wir bitten Euch, unsere Ziegen nicht zu füttern, auch nicht mit dem Gras am Straßenrand!“ Gerade dieser Wuchs ist voll mit Hundeausscheidungen. „Auch wenn die Tiere an den Zaun kommen und betteln: Sie kriegen genug von ihren Besitzern zu fressen und brauchen keine Extra-Rationen“, mahnt Sailer stellvertretend für alle Tierhalter der Region.

Verseuchter Unrat wird durch steigende Anzahl an Gassi-Geher erhöht

Denn verseuchten Unrat gibt es leider immer mehr: Das Gebiet rund um die Mittenwalder Buckelwiesen sei mittlerweile „eine wahre Rennstrecke für Gassi-Geher“, sagt Sailer. Kot wird oft nur sporadisch bis gar nicht mitgenommen und entsorgt. Auch die sogenannten Hundetoiletten – also die Kotbeutel – werden oft gefüllt und dann einfach in die Natur geworfen. Ein Problem, das nicht nur im Oberen Isartal seit längerem bekannt ist und bereits in vielen Gemeinderatssitzungen für reichlich Ärger und Frust sorgt.

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Besonders stößt den Landwirten die teils lasche Moral der Hundehalter auf: Den Leinenzwang ignorieren viele einfach. Oft soll vorkommen, dass Hunde sogar mitten auf den landwirtschaftlich genutzten Flächen frei herumlaufen und dementsprechend ihren Kot in den Feldern verteilen. Dieser kommt dann bei der Heuernte in den Futterkreislauf der Landwirte, was zur Seuchenbildung und somit zu Todesfällen in der Herde führt. Eine Beobachtung, die Thomas Müller, Zuständiger des Bauernverbandes für den Landkreis Garmisch-Partenkirchen, bedauerlicherweise vermehrt wahrnimmt. „Der Hundedreck ist ein zunehmendes Problem für uns“, erklärt er gegenüber dem Tagblatt.

Elendig verendeter Geißbock: Wenn nichts hilft, müssen Schilder her

Doch was tun dagegen? „Wir wollen die Wanderer vermehrt sensibilisieren für das Thema“, sagt Müller. Doch vermutlich wird, sollte die Eigeninitiative eines jeden selbst scheitern, die unbeliebte Variante nötig sein: Nämlich viele Schilder in der Natur aufstellen. „Das wollen wir eigentlich nicht, da sie meist nicht schön anzuschauen sind.“ Drumrum kommen wird man wohl nicht, sollte sich die Situation langfristig nicht bessern. Deshalb noch mal Müllers eindringlicher Appell: Tiere unter gar keinen Umständen füttern, Hunde an die Leine nehmen und deren Ausscheidungen feinsäuberlich aufsammeln. „Denn Menschen wollen ja auch keinen Dreck in ihrem Salat. Tiere genauso wenig.“

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Für Sailer ist das vorerst wenig Trost. Sie muss sich jetzt dringend um einen neuen Geißbock für die diesjährige Zucht kümmern. Sie hofft, mit ihrem Appell das Füttern ihrer Tiere unterbinden zu können. „Zumal wir schon Fälle beobachteten, wo Kinder unseren Tieren Süßigkeiten wie Guttis oder Wurst und Käse zum Essen gaben.“

Einen anderen schweren Fall von Tierquälerei gab es in Garmisch-Partenkirchen. Unbekannte haben ein Ziegenkitz aus der Herde gestohlen, es geschlachtet und anschließend gegessen. Halter entdeckte die Überreste.

Bei Adelkofen (Landkreis Landshut) kippte ein Anhänger mit 250 Ferkeln um - 50 verendeten noch an der Unfallstelle. Die Unfallursache war schnell klar.

joho

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