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Adolf Hornsteiner, Bürgermeister von Mittenwald (r.).

Appell an Mitbürger

Beschimpft und beleidigt: Das müssen Feuerwehrler aushalten - Bürgermeister findet deutliche Worte

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Sie retten ehrenamtlich Leben und opfern dafür ihre Freizeit. Doch was sich Feuerwehr-Einheiten mittlerweile während ihres Dienstes gefallen lassen müssen ist bodenlos. Mittenwalds Rathauschef appelierte jetzt an seine Mitbürger.

Mittenwald – Ein Wintertag im Oberen Isartal. Die Straßenmeisterei ordnet Unterstützung bei einer Lawinensprengung am Karwendel an. Aus Sicherheitsgründen sperrt die Freiwillige Feuerwehr Mittenwald eine Anlieger-Straße. Auch Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) ist vor Ort und hat plötzlich „eine zweifelhafte Aufgabe“, wie er in seinem Grußwort bei der Jahresversammlung der Feuerwehr in der Brauerei-Gaststätte Postkeller hervorhob. Er musste eine Bürgerin regelrecht beruhigen, die alles andere als begeistert von der Sperrung durch die Ehrenamtlichen war.

Straße wegen Lawine gesperrt: Anwohnerin flippt aus

Als sie an den Feuerwehrmännern vorbei fahren wollte, verlor sie völlig die Contenance. „Ich werde die Ausdrücke, die dort gefallen sind, für mich behalten“, sagte Hornsteiner. Sie hätten mit ihrer Unflätigkeit nicht in den feierlichen Rahmen des traditionellen Jahrtags der Mittenwalder Brandbekämpfer gepasst, der eigentlich im Zeichen von Anerkennung, Ehrung und Lob für die harte Arbeit der Feuerwehrmännern steht.

Hornsteiner musste an jenem Wintertag am eigenen Leib erfahren, was tausenden Einsatzkräften mittlerweile täglich widerfährt – auch im Oberen Isartal. „Man muss sich teilweise alles heißen lassen“, resümiert Kommandant Hubert Klotz. Beleidigungen gegen Einsatzkräfte haben ihm zufolge in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Auch immer mehr Gaffer, die mit ihren Handys an Unfallstellen fotografieren, sind mittlerweile an der Tagesordnung.

Einsatz bei einem Unfall: Feuerwehrlern Stinkefinger gezeigt

Sei es bei den 148 Einsätzen, die die 94 aktiven Mitglieder der Feuerwehr heuer bewältigen mussten, oder bei den Straßensperrungen wegen öffentlicher Veranstaltungen wie dem Georgiritt, Karwendellauf, Ultra-Trail oder bei den Almabtrieben – genervte Autofahrer beschimpfen, beleidigen und behindern sogar Einsatzkräfte. Sie zeigen Unverständnis und obszöne Gesten. Wie 2017 in Krün, als bei einem Verkehrsunfall einige Autofahrer den Feuerwehrmännern den Stinkefinger entgegen gestreckt hatten.

„Das ist eine Unsitte“, rügt Hornsteiner. Er appelliert an alle, künftig mehr Verständnis für den wichtigen Einsatz der Hilfsorganisationen entgegen zu bringen und Geduld, wenn die Blaulicht-Organisationen ausgerückt sind, um Hilfe zu leisten.

Auch Kreisbrandinspektor Peter Gaus wünscht sich einen respektvolleren Umgang miteinander. Viele würden die Anforderungen an die Einsatzkräfte nur mehr wenig würdigen. Genauso wie die Arbeit und das Engagement, das hinter dem Feuerwehr-Wesen steckt. Der Blaulicht-Einsatz sei letztlich „nur die Spitze des Eisbergs“ an unzählige Stunden, die die Ehrenamtlichen in ihrer Freizeit opfern.

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