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Helfen in der Not: die Mitglieder der Bergwacht.

Hinzukommt zusätzlicher Bürokratismus

Bergwacht-Chef wurmt Vollkasko-Mentalität bei Bergsteigern

Sie engagieren sich ehrenamtlich, leisten Hilfe und retten Leben. Als „Dank“ müssen sich die Mitglieder der Bergwacht-Bereitschaft Mittenwald für ihre Einsätze manchmal rechtfertigen.

Mittenwald– Heinz Pfeffer ist ein Mann der klaren Worte. Einer, der auch mal den Finger in die Wunde legt. Beim Winterabschlussabend der Bergwacht Mittenwald schlägt der Bereitschaftsleiter deshalb auch ernste Töne an. Ihn wurmt das Verhalten von manchen geretteten Personen. Pfeffer spricht von einer „Vollkasko-Mentalität“, die bei Bergsteigern zutage tritt. Frei nach dem Motto: „Wenn ich einen Fehler mache, müssen ihn andere ausbaden.“

Damit spielt der Isartaler auf den Vorfall im Februar in Österreich an. Zwei Schneeschuhwanderer hatten sich bei einer Tour im Schneetreiben verirrt und waren auf Hilfe angewiesen. Die sie auch erhielten. Das End’ vom Lied: Der Betroffene wollte die Rechnung nicht bezahlen und reichte Klage ein (mittlerweile zurückgezogen). Pfeffer kennt solche Fälle, musste sich im vergangenen Jahr selbst dreimal rechtfertigen. „Die Leute werden immer komplizierter in puncto Bezahlung der Einsätze“, betont er. Und das, obwohl diese – wenn sie medizinisch berechtigt sind – von den Krankenkassen übernommen werden.

Bergwacht-Chef: „Man darf nicht alle über einen Kamm scheren“

Der 51-Jährige und sein Team versuchen, solche Negativ-Vorkommnisse auszublenden. Zumal die positiven überwiegen. „Man darf nicht alle über einen Kamm scheren.“ Die Bergwacht erfahre viel Dankbarkeit – und Unterstützung. Vor allem von der DSV-Skiwacht, die mit dem Vorsorgedienst viel Arbeit abnimmt. Und von der Bevölkerung. 500 Förderer der örtlichen Bereitschaft – das sind ihm zufolge zehn Prozent aller Gönner der Bergwacht Bayern – bringen das sowohl mündlich als auch mit Spenden zum Ausdruck.

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Unverständnis lässt sich manchmal trotzdem nicht vermeiden. Zum Beispiel beim Thema Frühdefibrillatoren. „Jeder Laie darf im Notfall mit dem Gerät ungeprüft am Patienten hantieren“, sagt Pfeffer. „Nur die Bergwachtmitglieder nicht.“ Jährlich müssen sie einen Test absolvieren, um eine Zertifizierung zu erlangen. „Es gibt extra einen Ausweis, dass man bestanden hat“, erklärt Pfeffer auf Nachfrage.

Frust schwingt auch in Bezug auf die „verkomplizierte“ – wohlgemerkt ehrenamtliche – Arbeit mit, die der Bereitschaft von der Bergwacht Bayern auferlegt wird. Der Bürokratismus nimmt zu. Zum Teil fünfseitige Protokolle müssen über Einsätze verfasst werden, bei denen früher zwei Seiten gereicht hätten. Teilweise, ergänzt Pfeffer, „kommt man mit dem Email-Beantworten gar nicht mehr nach“. Neben den schwierigeren Anforderungen bei Eignungsprüfungen gestalte sich vor allem der Schriftverkehr als extrem. Pfeffer spricht von „permanenten kleinen Hirngespinsten“ von höherer Stelle, von „Sachen, die uns das Leben schwerer machen“. Er weiß, dass Kollegen die gleiche Ansicht vertreten und seine Kritik teilen: „Dinge werden einfach an uns vorbeigestimmt.“

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Leonhard Habersetzer & Manuela Schauer

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