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Einsatz im Karwendel: Eine Hubschrauberbesatzung auf Rettungsmission.

Sieben Einsätze in sechs Tagen

Extreme Woche für Bergwacht Mittenwald

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Da sprechen selbst erfahrene Mittenwalder Bergwachtmänner von einer „extremen Woche“ – innerhalb von sechs Tagen hatten die Ehrenamtlichen rund um Bereitschaftsleiter Heinz Pfeffer sieben Einsätze zu meistern – manche fast zeitgleich.

Mittenwald – Arbeitsintensive Tage liegen hinter der Mittenwalder Bergwacht-Bereitschaft. Tote gibt es glücklicherweise keine. Doch die Einsätze haben es trotzdem in sich.

„Ein ganz schönes Massl g’habt“, würde der Einheimische sagen. Eine Mitzwanzigerin hatte am späten Sonntagnachmittag Glück im Unglück. Die Münchnerin ist mit ihrem Freund auf dem Leitersteig zwischen Mittenwalder und Brunnsteinhütte unterwegs. Die Trasse ist technisch nicht sonderlich anspruchsvoll, aber birgt so ihre Tücken: Zahlreiche Wurzeln wachsen über den schmalen Weg. Diese werden der jungen Frau zum Verhängnis. Sie stolpert, rutscht gut 20 Meter ab. Kurz vor einer Steilwand, rund 150 Meter über den sogenannten Gerber-Häusern in Mittenwald, bleibt sie an einem Baum hängen. Ihr Freund verständigt sofort den Notruf.

Als bei Franz Zunterer der Piepser ertönt, befindet der sich gerade im Einsatz auf dem Karwendel. Mit seinen Kameraden arbeitet er sich auf dem Mittenwalder Klettersteig nach vorne. Eine Frau durchlebt im Beisein ihres Begleiters in dem steilen und schroffen Gelände eine Panikattacke. Keinen Schritt will sie mehr weiter gehen.

Zunterer muss schnell koordinieren. Die abgestürzte Frau am Leitersteig hat Vorrang. Den Hubschrauber, der sowieso schon abgehoben hat, ändert seine Route. Doch wo ist die Frau? „Die Beschreibung war sehr vage“, sagt Zunterer. Doch dank moderner Technik ortet man die Verunglückte schnell: per GPS. Am Steig angekommen, scheint die Frau vorerst „noch relativ fit und unverletzt“. Zunterer baut ein Seilgeländer, um die Gestürzte zu erreichen und sichert sie.

Ein Notarzt stellt bei der ersten Überprüfung Verletzungen im Brustbereich fest, nimmt ihr mit Medikamenten die Schmerzen. Der Pilot muss beim Abtransport eine Meisterleistung vollbringen: Bergwacht-Mann und Verunglückte hängen am Seil, als sie der Pilot zwischen den Bäumen durch manövrieren muss. Im Garmisch-Partenkirchner Klinikum bricht die Frau zusammen, aber sie lebt. Genauso wie die beiden Gratwanderer, die sich am Klettersteig verstiegen haben. Die Bergwacht bringt die zwei im Anschluss wohlbehalten ins Tal.

Weniger Glück hat etwas zuvor eine Frau, die am Sonntag zur Mittagszeit an der Karwendelgrube am Passamani-Rundweg gestolpert ist. Unterhalb der Linderspitze stürzt sie über 50 Meter durch Schottergelände hinab, zieht sich dabei schwerste Verletzungen zu. Da der Nebel zunimmt, befürchten die Helfer vor Ort, nicht mehr mit dem Hubschrauber fliegen zu können. Im letzten Moment können sie doch noch abheben – und so auch dieser Frau das Leben retten.

Sie ist zwar ansprechbar und weiß noch, wer sie ist und wo sie sich befindet. Dennoch zählt jede Minute. Glücklicherweise treffen die Bergretter auf eine Ärztin, die gerade privat auf dem Karwendel unterwegs ist. Umgehend nimmt sich die Medizinerin der Schwerverletzten an. Der Helikopter bringt sie in die Unfallklinik Murnau, wo sie von dem dortigen Ärzteteam sofort in den Schockraum gebracht wird.

Auch die Woche davor rissen die Einsätze nicht ab. Am Dienstag rückte die Bergwacht zur Kleinen Wettersteinspitze aus. Ein Isartaler mittleren Alters hatte sich beim Rückmarsch vom Gipfel verirrt. Mit seinem Handy konnte er die Hilfskräfte informieren. „Früher wäre er vielleicht trotzdem abgestiegen, was sehr gefährlich geworden wäre“, mutmaßt Matthias Wurmer (Schmitzer). So aber gelang die schnelle Kommunikation – ein Segen des Smartphone-Zeitalters.

Am Mittwoch mussten die Ersthelfer einen bewusstlosen 85-jährigen Münchner aus dem Laintal holen, der genau auf Höhe der Marienstatue zusammengebrochen war. „Maria hat mir geholfen“, soll er gegenüber den Einsatzkräften geäußert haben. Später am Nachmittag stürzte eine 47-jährige E-Bike-Fahrerin auf der Sandstraße zwischen Elmau und Ferchensee (wir berichteten). Die Frau hatte Glück, dass ein Arzt sowie ein Krüner Bergwacht-Kamerad zufällig privat vor Ort waren.

Sie wurde mit dem Hubschrauber ins Klinikum gebracht, genauso wie eine 49-jährige Mittenwalderin, die beim Spaziergang mit ihrem Hund in der Nähe des Rehbergalmwegs zu Fall gekommen war. Sie zog sich vermutlich einen Oberschenkelhalsbruch zu und musste aufgrund der Lage im Wald zuerst mit dem Quad zum Helikopter transportiert werden.

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