„Disco, Pogo, Dingelingeling“: Das Collage ist oft voll mit Partygästen – jetzt wird ihr das zum Verhängnis.
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„Disco, Pogo, Dingelingeling“: Das Collage ist oft voll mit Partygästen – jetzt wird ihr das zum Verhängnis.

Das „Collage“ ist seit 14. März dicht

Bleibt Mittenwalder Dorfdisco zu? „Herzi“ räumt mit Gerüchten auf

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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War es das für Mittenwalds einzige Diskothek? Ist das Collage ein weiteres Lokal, das der Coronakrise zum Opfer fällt? Zumindest die Gerüchteküche brodelt im Ort. Nun räumt Club-Betreiber Daniel Herzhauser mit dem Geschwätz auf.

Mittenwald – Es ist ein früher Sonntagmorgen, als Daniel Herzhauser den Schlüssel am Schloss der schwarzen Eisentüre zum letzten Mal dreht. Während sich die ersten Mittenwalder an diesem 15. März auf den großen Wahltag vorbereiten, sperrt Herzhauser sein Collage gegen 6 Uhr zu. Dass er es nun für viele Monate schließen muss, dieser Gedanke war ihm so weit wie irgend möglich fern.

Wieder hat der Betreiber der einzigen Mittenwalder Diskothek eine Nacht voll Musik und Tanz hinter sich. Frauen, die eng umschlungen zum Takt der dröhnenden Bässe tanzen. Männer, die auf den Barhockern sitzen und bei Bier und Schnaps über Gott und die Welt philosophieren. Der eine oder andere, der zu tief ins Glas geschaut hat und daraufhin vor die Tür gebeten werden muss – es war eben eine ganz normale Nachtschicht für jene Dorfdisco, die mittlerweile mit Fug und Recht einen Kultstatus genießt.

Doch genau dieser Spaßfaktor, das ungezwungene Tanzen, das Unterhalten eng an eng, das Anschreien, um die Boxen zu übertönen, die damit verbundene nasse Aussprache – wird der Diskothek in der Coronakrise zum Verhängnis.

Seit fast 100 Tagen ist die einzige Disco im Isartal dicht

Ein eingespieltes Duo: Disco-Betreiber Daniel Herzhauser (l.) und sein DJ Christian Schimkus nutzen die Corona-Zwangspause, um das Collage zu sanieren. Beide fiebern dem Startschuss entgegen.

Nun ist dicht. Die schwarze Eisentüre noch immer geschlossen. Seit fast 100 Tagen herrscht im Keller an der Hochstraße absolute Stille, wo sonst rund 150 Gäste tanzen, feiern, trinken. Das Virus aus Asien hat dem eh schon spärlichen Mittenwalder Nachtleben den Gar ausgemacht. Von seiner Zwangssperrung hat „Herzi“ erst zwei Tage später aus den Medien erfahren. „Plötzlich hieß es, alles muss dicht gemacht werden.“ Auch das Collage mit seinen zwölf Mitarbeitern und den fünf wechselnden Discjockeys.

Es dauert nur wenige Tage, bis Herzhauser die ersten seltsamen WhatsApp-Nachrichten bekommt. Freunde sprechen ihn an: „Stimmt das, Du machst ganz zu?“ Als Chef einer Dorfdisco weiß er natürlich zur Genüge, dass Gerüchte im ländlichen Idyll keine Seltenheit sind. Als ihn jedoch eines Tages sogar ein Polizist damit konfrontiert, wird es dem Nachtclub-Betreiber zu viel. Er will Klartext sprechen, mit unsäglichen Gerüchten aufräumen.

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„Ich sitze in den Startlöchern und warte bloß mehr auf den Schuss.“ Natürlich will er wieder aufmachen. Sofort, wenn es möglich ist. Doch das kann eben noch dauern. Lange dauern. Herzhauser verfolgt seit der Schließung jede Pressekonferenz von Ministerpräsident Markus Söder (CSU). Wartet darauf, dass unter den angekündigten Lockerungen auch endlich der Begriff Diskothek einmal fällt.

An eine schnelle Wiedereröffnung zu glauben ist utopisch

Doch davon ist bislang nicht ansatzweise die Rede, nachdem erst einmal peu à peu die Restaurants und Lokale vorsichtig und unter strengen Auflagen bis 23 Uhr offen haben dürfen. In diesem Zusammenhang von dem Betrieb einer Diskothek zu träumen, die erst um 22 Uhr öffnet und bis frühmorgens eine feierwütige Horde an Gästen auf kleiner Fläche bespaßt, klingt da völlig utopisch. „Wenn das weiter so lange dauert“, meint Herzi, „wird es wohl mein eineinhalbjähriger Sohn sein, der mit Beginn seiner Volljährigkeit dann den Laden wieder aufsperren darf.“ Den Humor hat er also nicht verloren.

Dennoch ist die Zeit für ihn nicht ganz einfach – schließlich hat auch er laufende Kosten zu decken. Allerdings betreibt der hauptberufliche Lokführer bei der Deutschen Bahn die Disco nur nebenbei. Schlimmer treffen würde eine komplette Schließung also eher die vielen Isartaler, die nach der Krise ihrer einzigen Diskothek beraubt werden würden.

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Doch Herzhauser gibt Hoffnung. Er hat die Zeit des Stillstands nämlich tatkräftig genutzt. Mit seinen Mitarbeitern und Freunden hat er die über 30 Jahre alte Schallschutzdecke entfernt und erneuert. Gleichzeitig zog er neue Kabel, tauschte Lampen und Lautsprecherboxen aus, rüstete technisch auf. „Ich könnte morgen sofort wieder öffnen.“ Ob er die Öffnungstage – Mittwoch, Freitag und Samstag – aber beibehalten wird, lässt er offen.

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