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Vor neun Jahren wurde im Beisein des KZ-Überlebenden Maurice Cling (braune Jacke) aus Frankreich auf dem Schulgelände das Mahnmal eingeweiht .

Erstmals darf Arbeitskreis-Abordnung einen Kranz niederlegen

Brendten-Gegner kommen wieder - doch viel deutet auf Deeskalation hin

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Lange war es ruhig um die Brendten-Feier in Mittenwald. Heuer wird wieder demonstriert.  Die Angreifbare Traditionspflege hat ihren Besuch angekündigt.

Mittenwald – Vor zehn Jahren verkündete Sabine Herrmann, eine der Sprecherinnen des Arbeitskreises Angreifbare Traditionspflege: „Wir beenden nach sieben Jahren unsere Kampagne.“ Gemeint waren die lautstarken Proteste vornehmlich linksgerichteter Aktivisten aus ganz Deutschland gegen die Brendtenfeier der Gebirgstruppe in Mittenwald. „Wir können noch 20 Jahre kommen“, bilanzierte Herrmann, „die Mittenwalder werden wir nicht ändern.“

Immerhin haben die sogenannten Brendtengegner („Nie wieder Faschismus, nie wieder Horrido“) es geschafft, der ihrer Meinung nach reaktionären Bevölkerung ein Mahnmal für die Opfer der Nazi-Verbrechen zu hinterlassen. Es wurde am 4. Juni 2010 im Beisein des KZ-Überlebenden Maurice Cling aus Frankreich auf dem Schulgelände eingeweiht.

Damals glaubten alle unterm Karwendel an einen Burgfrieden. Der scheint nun vorbei zu sein. Die Angreifbare Traditionspflege kehrt heute nach Mittenwald zurück, um aufs Neue gegen das traditionelle Pfingsttreffen der Gebirgstruppe am Donnerstag auf dem Hohen Brendten zu demonstrieren. Ungewiss ist, mit welcher Schlagkraft sie durch den Tourismusort ziehen. Doch einiges deutet auf Deeskalation hin. So darf erstmals eine Abordnung des Arbeitskreises mit Pandora Ndoni, die 1944 ein Gebirgsjäger-Massaker in Albanien überlebte, am Ehrenmal einen Kranz niederlegen.

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„Wir freuen uns, dass wir den Arbeitskreis Angreifbare Traditionspflege mit in die Veranstaltung einbinden können“, meint Hans Sahm, Präsident des veranstaltenden Kameradenkreises der Gebirgstruppe. Zumal die Brendtengegner zugesichert hätten, „die Würde der Veranstaltung als Gedenkfeier und Gottesdienst zu wahren und nicht für politische Agitation zu missbrauchen“.

Auch der Kommandeur der Gebirgsjägerbrigade 23, Brigadegeneral Jared Sembritzki, begrüßt diesen Dialog: „Wir haben gemeinsam mit dem Kameradenkreis viel dafür getan, eine angemessene Traditionspflege zu etablieren. Dazu gehört auch der Umgang mit Kritik.“

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Die wird es ungeachtet dessen trotzdem von Seiten des Arbeitskreises geben – sei es bei Kundgebungen oder Mahnwachen. Besonders wichtig ist der Angreifbaren Traditionspflege ein Aspekt: Ob bei der Gedenkfeier der sogenannte Traditionserlass der Bundeswehr eingehalten wird, „der die positive Bezugnahme auf die Wehrmacht verbietet“. Pünktlich zur wieder aufgeflammten Kampagne Mittenwald ist ein Kriminalroman erschienen. Der Titel „Hinterwald“. Die Parallelen zu Mittenwald sind bei diesem Werk über Kriegsverbrechen augenscheinlich. 

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