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Am Mittwoch spricht der Mittenwalder Bürgermeister Adolf Hornsteiner (l.) in der TSV-Halle Klartext.

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aja-Hotel in Mittenwald: Argumente statt Emotionen

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Jetzt sollen Fakten auf den Tisch: Bürgermeister und Investoren gehen beim geplanten aja-Hotel in Mittenwald in die Offensive.

Mittenwald – Ein Kreuzfahrt schiff, das ein wenig der Titanic ähnelt, durchpflügt Mittenwald und löst eine riesige Welle aus, die alles verschlingt. Dieses Horrorbild zeichnet Dr. Christian Edlhuber in seiner Karikatur zum Thema aja-Hotel der Deutschen Seereederei (DSR), für die der künstlerische Zahnarzt die Rolle des alles niederwalzenden Hochsee-Dampfers vorgesehen hat. Eine klare Botschaft von Edlhuber, der bei den bevorstehenden Kommunalwahlen bekanntlich für die Freien Wähler antritt und nicht unbedingt zu den engsten Freunden von Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) gerechnet werden darf – nicht zuletzt wegen dessen Kranzberg-Offensive, die Gipfelbahn-Betreiber Edlhuber wenig überzeugte.

Auch Hornsteiners Vision von einem aja-Hotel auf dem gemeindeeigenen Grundstück zwischen Rathaus und Bahnhof begeistert Edlhuber nicht. Doch dieser ist nicht allein: Besorgte Hoteliers und Vermieter – die meisten im Dunstkreis der Freien Wähler – laufen mit ihrer „Interessengemeinschaft gegen eine Bettenburg in Mittenwald“ Sturm gegen das 50-Millionen-Euro-Projekt. Diese sollen am morgigen Mittwoch bei einer Bürgerinformation in der TSV-Halle (Beginn 20 Uhr/Einlass 19.30 Uhr) beschwichtigt, bestenfalls überzeugt werden. Darauf zumindest hofft der Bürgermeister, der kurz vor der Kommunalwahl ein ganz heißes Thema aus dem Hut gezaubert hat. Konkret äußern zu morgen möchte er sich nicht. „Ich freue mich auf einen vollen Saal.“ Damit will es der Rathauschef auch bewenden lassen.

„Ganz normaler Prozess“

Unterstützung erhält der Bürgermeister bei der Präsentation des offenbar umstrittenen 400-Betten-Resorts von Vertretern der Deutschen Seereederei, die diese Investition in Mittenwald tätigen möchte. Einer von ihnen ist Lutz Weller (Geschäftsführer DSR-Immobilien-GmbH). Hat er mit soviel Gegenwind gerechnet? „Das ist Gang und gebe, ein ganz normaler Prozess.“ Vor allem wenn es sich um Vorhaben dieser Dimension handelt. Was Geschäftsmann Weller stört ist die „Tonlage der Gegner“, die beim geplanten aja-Komplex von einer „Bettenburg“ und einem „Massenhotel“ sprechen. Damit zielt Weller auf die Äußerungen von Gröblalm-Wirt Martin Leuthner, einem der Sprecher der Interessengemeinschaft. Wenig Freude bereitet dem DSR-Geschäftsführer, dass knapp vier Wochen vor der Kommunalwahl das aja-Projekt zum Politikum mutiert ist. „Das schmeckt uns gar nicht.“ Und falls sich daraus ein Bürgerentscheid entwickelt? „Das würde uns auch nicht umwerfen.“ Eines stellt Weller aber mit Nachdruck klar: „Wir sind nicht in der Buhrolle.“ Ganz im Gegenteil: „Wir glauben, dass unser Konzept da hinpasst.“

Das möchte er beim morgigen Bürgerforum, falls gewünscht, deutlich machen. Dies ist nicht das erste Mal für die Repräsentanten der Deutschen Seereederei. Nicht zuletzt aufgrund der harschen Stellungnahmen im Vorfeld hofft Weller auf „eine faire und sachliche Diskussion“. Ängste und Zweifel könne er allerdings nachvollziehen – vor allem wenn es sich um etwas völlig Neues handelt. Eines will die DSR keinesfalls: Wie ein Ozeanriese durch Mittenwald pflügen.

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