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Bürgermeister Adolf Hornsteiner mit den Vertretern der Deutschen Seereederei: (v. l.) Torsten Vey und Lutz Weller.

Viele Parallelen zu Mittenwald

aja-Hotel: Rückendeckung aus Ruhpolding

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Zwischen Mittenwald und Ruhpolding gibt es viele Gemeinsamkeiten - nicht nur wegen des Hotelprojekts.

Ruhpolding/Mittenwald – Die Parallelen zwischen Mittenwald und Ruhpolding sind frappierend: Beide Orte zählen um die 7000 Einwohner, beide leben vom Tourismus und beide befinden sich in einem Strukturwandel. Sprich: Viele kleine Vermieter hören auf – die Gästebetten brechen weg. „Wenn ich mich als Bürgermeister diesen Realitäten nicht stelle, dann bin ich fehl am Platz“, betont Ruhpoldings Rathauschef Claus Pichler (60). Und was sagte sein Mittenwalder Pendant gleich noch mal bei der Bürgerinfo vor einer Woche? Nichts zu tun, sei nicht sein Ding, meinte Adolf Hornsteiner (58). „Dann habe ich mein Amt falsch verstanden, Dann kann ich mich in mein Dienstzimmer setzen – und verwalten.“ Beide sind im Übrigen seit zwölf Jahren im Amt, und beide wollen am 15. März wiedergewählt werden. Die einzigen Unterschiede: Pichler ist ein Roter und studierter Gymnasiallehrer, Hornsteiner ein Schwarzer und diplomierter Versorgungsingenieur.

Doch geht es um das aja-Hotel der Deutschen Seereederei (DSR), sind sie Brüder im Geiste. „Wir verzeichnen eine deutliche Steigerung, seit wir dieses Hotel haben“, teilt Pichler mit – soweit eine solche Analyse neun Monate nach der Eröffnung überhaupt aussagekräftig sei, schränkt der Ruhpoldinger ein. „Womöglich brauchen wir ein paar Jahre für eine faire Einschätzung.“

Vorbehalte und Ängste

Vor einiger Zeit führte er ein längeres Telefonat mit seinem Mittenwalder Amtskollegen über das geplante 400-Betten-Resort unterm Karwendel. Auch dieses Gespräch mag Pichler in Tonart und Inhalt irgendwie bekannt vorgekommen sein. Zumal Vorbehalte und Ängste von Teilen der Einheimischen auch in seinem Biathlon-Mekka keine Seltenheit waren. Mehr noch: „Es gab übelste Vorwürfe“, erzählt der Mann aus dem Chiemgau. Die Stimmung im Gemeinderat soll ihm zufolge „vorsichtig-kritisch“ gewesen sein. Daher entschloss sich Pichler seinerzeit, sich in einem aja-Hotel an der Ostsee einzumieten. Eine Überprüfung vor Ort tätigte vor einiger Zeit auch Hornsteiner in Ruhpolding. Wieder eine Vielzahl von Parallelen.

Eines hat Bürgermeister Hornsteiner bei der Präsentation vor einer Woche verschwiegen: Das Hickhack zwischen Befürwortern und Gegnern des 488-Betten-Hauses in Ruhpolding sollte 2015 in einem Bürgerentscheid gipfeln, der aus formalen Gründen abgelehnt wurde. „Alles sehr mühsam“, meint Pichler rückblickend. Gleichzeitig bestätigt der Rathauschef, dass entgegen dem Mittenwalder Finanzierungsmodell in Ruhpolding keine Eigentums-Ferienwohnungen auf der Hotelanlage zu finden seien. „Die wären auch nicht mehrheitsfähig gewesen.“

Viele Jahre musste Pichler trotzdem kämpfen, bis der riesige Komplex 2017 Gestalt annahm – „an der schönsten Stelle, die mir als Wiese auch besser gefallen hätte“. Den Vorwurf, wertvolles Land an eine fremde Unternehmenskette veräußert zu haben, lässt Pichler in diesem Zusammenhang nicht gelten. „Auch ich hätte lieber einen Einheimischen gehabt. Doch die Zahl potenzieller und zahlungskräftiger Interessenten sei „nicht so üppig, dass man sie sich aussuchen kann“.

Wieder eine Gemeinsamkeit mit dem Tourismusort im Oberen Isartal.

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