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Dunkle Wolken über der Alpenwelt Karwendel. Wann sich die Situation aufhellt, steht in den Sternen.

Geschäftsführerin: „Jeder weitere Tag trifft uns sehr“

Alpenwelt Karwendel: Corona belastet den Tourismus schwer - verlorene Monate sind nicht mehr zu kompensieren

  • Manuela Schauer
    vonManuela Schauer
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Die Corona-Pandemie trifft den Fremdenverkehr in der Alpenwelt Karwendel mit voller Wucht. Die Einbußen im März und April sind enorm.

Oberes Isartal – Nach Schönrederei steht Sabrina Blandau derzeit nicht der Sinn. Vielmehr wartet sie auf Licht am Ende des dunklen Corona-Tunnels. Aktuell herrscht „kompletter Stillstand“, sagt die Geschäftsführerin der Alpenwelt Karwendel. Dabei beginnt am 1. Mai die Hauptsaison, die Boom-Phase im Oberen Isartal. Blandau hofft, bald eine Auskunft zu erhalten, wann der touristische Lockdown ein Ende nimmt. Denn sie betont: „Jeder weitere Tag trifft uns sehr.“

Das Team der Tourismus-GmbH der drei Gemeinden Wallgau, Krün und Mittenwald stand in den vergangenen Wochen in engem Austausch mit den Gastgebern. Informierte sie über Newsletter. In welchem Ausmaß die Vermieter betroffen sind, Blandau weiß es nicht. „Wir haben keinen Überblick, wie sie dastehen.“ Die Übernachtungszahlen aber lassen es erahnen. Im März und April 2019 lagen sie bei rund 100 000. Allein in diesem März seien es 50 bis 60 Prozent weniger. Der April kommt einem Totalausfall gleich. Er war touristisch tot.

Große Fragezeichen

Die Ungewissheit, wann das Reisen wieder erlaubt ist, erschwert den Gastgebern das Leben. „Viele versuchen, kulant zu sein“, sagt Blandau. Sie ermöglichen, Buchungen auf einen späteren Zeitpunkt zu verschieben. Das würden einige Gäste so wünschen. Manche bieten kostenlose Stornierungen bei Reservierungen für Mai und Juni. Dass die Regierung Urlaub in diesen Monaten wieder gestattet, ist für Blandau ohnehin noch mit einem großen Fragezeichen versehen.

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Prognosen kann sie derzeit nicht treffen. Inwieweit zum Beispiel die Kurzarbeit und die damit verbundenen Lohneinbußen das Reiseverhalten beeinflussen, bleibt abzuwarten. Aber selbst wenn die Nachfrage für die Sommermonate stärker ausfallen sollte, steht die AWK vor einem Problem, das Blandau seit Jahren kommuniziert. In der Hauptsaison ist das Obere Isartal gut ausgelastet, kann keine zusätzlichen Touristen aufnehmen. „Wir haben im August immer keine Kapazitäten mehr“, stellt die Geschäftsführerin klar. Heißt im Umkehrschluss: Die durch Corona verlorenen Monate bleiben verloren. Selbst wenn dreimal so viele Anfragen eintrudeln würden. „Wir können das nicht mehr kompensieren.“ Dass sich im Oktober und November dafür so viele Menschen im Isartal einbuchen, um am Ende auf den gleichen Stand zu kommen, bezweifelt Blandau. „Wir müssen froh sein“, meint sie, „wenn wir in der zweiten Jahreshälfte auf ähnliche Zahlen wie im Vorjahr kommen“.

Auf dem Null-Punkt

Die Corona-Krise trifft die Gastgeber. Aber auch die Alpenwelt-Karwendel-GmbH an sich. Die Mitarbeiter bauten anfangs Resturlaub und Überstunden ab, vergangene Woche wurde Kurzarbeit eingeführt. Finanzielle Auswirkungen bleiben ebenfalls nicht aus. Der Wirtschaftsplan sei mit Projekten hinterlegt. Einige davon fallen heuer weg. Vor allem im Veranstaltungsbereich. Kurkonzerte oder geführte Wanderungen zum Beispiel. Die Kurbeiträge an die Gemeinden – seit Mitte März auf dem Null-Punkt. Wie sich das Ganze am Ende darstellt, Blandau vermag noch keine Prognose abzugeben.

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Den Vermietern wirft der Verbund aber einen kleinen Rettungsanker zu. Bei Online-Buchungen wird die Provision von zehn Prozent ausgesetzt. Ebenso reduziert man die Anzeigenpreise für das Gastgeberverzeichnis um 25 Prozent. „Wir wollen Unterstützung anbieten.“

Luft verschaffen

Doch die Alpenwelt-Karwendel-GmbH ohne Touristen ist wie ein Schwimmer ohne Wasser. Sie kann nur Trockenübungen machen. Werbemaßnahmen und Sponsorenakquise wurden heruntergefahren. „Das macht gerade keinen Sinn“, sagt die Geschäftsführerin. Stattdessen widmen sich die Mitarbeiter dem Erscheinungsbild, dem neuen Kommunikationskonzept und den sozialen Medien, um den Stammgästen Luft auf die Nach-Corona-Zeit zu verschaffen. Zudem erarbeiten sie Werbeszenarien, also Kampagnen, mit verschiedenen zeitlichen Startpunkten. „Damit wir sofort einsteigen können und uns nicht erst Gedanken machen müssen, wenn es soweit ist“, erklärt Blandau den Hintergrund.

Irgendwann geht’s weiter. Die Natur erachtet die Expertin dabei als Vorteil. Grundsätzlich glaubt sie, dass sich der Trend des Deutschland-Tourismus’ verstärkt fortsetzen wird. In der AWK kommen schon jetzt 90 Prozent der Urlauber aus dem Bundesgebiet. Ein weiterer Vorteil – zumindest jetzt: „Die brechen uns nicht ganz so weg.“

Wegen eines Feuers in einem Chemielabor in Mittenwald ging kürzlich außerdem ein Notruf ein. Ein Großaufgebot an Feuerwehrleuten rückte aus, um die Flammen zu löschen.

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