Strahlen vor Freude: Josef Witting (l.) und Matthias Klotz mit ihrem LF16.
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Strahlen vor Freude: Josef Witting (l.) und Matthias Klotz mit ihrem LF16.

„LF16“ wurde 1999 verkauft

Verschollenes Feuerwehrfahrzeug nach über 20 Jahren aufgetaucht - Kameraden überwältigt

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Eine Frau hat ein altes Feuerwehrauto in ihrer Scheune gefunden. Schnell war klar: Es ist der legendäre LF16, den die Mittenwalder Feuerwehr 1999 verkauft hat.

Mittenwald – Man findet ja so einiges im Schuppen. Dinge, die man irgendwann mal beiseitegeräumt hat und in Vergessenheit geraten. Eine Kommode. Alte Skisachen. Verstaubtes Faschingsgewand. Ein Löschgruppenfahrzeug der Feuerwehr mit zehn Tonnen Gewicht gehört nicht dazu. Eine Frau nahe Ulm staunte nicht schlecht, als sie die Scheune ihres Vaters nach dessen Tod öffnete und das rote Gefährt fand.

Frau entdeckt verschollenes Fahrzeug der Mittenwalder Feuerwehr im Schuppen

Sie war ratlos. Was tun mit einem riesigen Einsatzfahrzeug, das einem plötzlich gehört? Ein echtes Feuerwehrauto verscherbelt man nicht schnell auf einem Flohmarkt. An der Fahrertür entdeckte sie den Namen des Vorbesitzers: die Freiwillige Feuerwehr Mittenwald. Nach kurzer Recherche im Internet stieß sie auf die E-Mail-Adresse der Brandbekämpfer. Schrieb über die unverhoffte Entdeckung. „Wollen Sie ihn wiederhaben?“

Die Spedition Wittwer hat ihn aus der Nähe von Ulm geholt.

Das war vor zwei Monaten. Josef Witting (Zode) und Matthias Klotz (Basch) lachen breit, als die beiden Vorsitzenden des Feuerwehrvereins Mittenwald jetzt die Türen des Löschgruppenfahrzeugs (LF) 16 öffnen. Das Gefährt ist endlich wieder zuhause in Mittenwald. Ein Magirus-Deutz aus dem Jahr 1964, 150 PS, zehn Tonnen schwer und Platz für eine Löschgruppe mit neun Mann.

Mittenwald: Verschollenes Feuerwehrfahrzeug wieder aufgetaucht - großer Auftritt für Jubiläum geplant

Die Schönheit lagert jetzt in einer Halle des Mittenwalder Autohauses Witting. Die drei Feuerwehr-Kameraden Florian Witting, Florian Zitzler und Simon Hornsteiner ertüchtigen das Gefährt. „Es sind bloß Kleinigkeiten zu machen“, sagt Witting. Der private Vorbesitzer verdeckte das Blaulicht und zwickte die Stromkabel ab. „So was darf ein privates Fahrzeug nicht haben.“ Ziel ist es, den historischen LF16 bis zum großen Jubiläum 2024 – die Freiwillige Feuerwehr Mittenwald feiert dann ihr 150-jähriges Bestehen – herzurichten. Beim Festumzug soll es mitfahren.

Am 7. Juni 1964 ist der LF16 beim 90-jährigen Jubiläum eingeweiht worden.

Die E-Mail der Frau nahe Ulm erhielten noch die Vorgänger von Witting und Klotz: ihre Väter Josef Witting und Hubert Klotz. Sie machten sich im Herbst mit einer kleinen Delegation auf die Reise in das 250 Kilometer entfernte Dorf, um den Zustand des Wagens zu prüfen. Als sie das Scheunentor öffneten, überwältigte sie der Anblick. „Der Wagen steht da wie früher, ist absolut top in Schuss“, sagt Witting senior.

Mittenwald: Feuerwehr bringt verschollenes Fahrzeug zurück in die Heimat - „Der Wagen steht da wie früher“

Kein Rost an der Karosserie. Keine Kratzer, keine Dellen – aber auch kein Wunder: Seit dem Verkauf 1999 ist das Fahrzeug gerade einmal über 100 Kilometer weit gefahren. Was in der Zwischenzeit passierte, darüber können die Feuerwehrler nur mutmaßen. „Es muss seit 20 Jahren in der Scheune gestanden und nicht mehr bewegt worden sein“, meint Witting. Als die Mittenwalder den Preis hören – ein niedriger vierstelliger Eurobetrag – zögern sie keine Sekunde. Der Wagen muss gekauft und zurück in die Heimat gebracht werden.

Doch wie? Nach über zwei Jahrzehnten Stillstand einfach einsteigen und losfahren geht nicht. Die Feuerwehr sucht Rat. Und ist bei Rudi und Georg Wittwer mit ihrer gleichnamigen Spedition genau an der richtigen Adresse. Für die zwei ist so ein Transport nichts Außergewöhnliches. Sie haben einen Tieflader für solche Aktionen.

Mittenwald: Feuerwehrfahrzeug wieder aufgetaucht - viele erstaunte Blicke auf der Autobahn

Mit speziellen Ratschgurten und Keilen befestigten sie die Schönheit für den Transport in die Heimat. Einen halben Tag lang fuhr der Lastwagen mit seiner roten Fracht durch halb Bayern. Auf der Autobahn gab es viele erstaunte Blicke. Verlangt hat die Spedition nichts für die Überfahrt – dafür gibt’s nächstes Jahr eine ordentliche Brotzeit von der Feuerwehr.

Über 35 Jahre lang hat er hunderte Einsätze bewältigen müssen.

Den historische LF16 weihten die Kameraden am 7. Juni 1964 ein. An jenem Tag feierte ihre Wehr das 90-jährige Bestehen unter Kommandant Ludwig Fürruder. Über 35 Jahre lang leistete das Fahrzeug treue Dienste. Löschte zahlreiche Brände, wie 1965 am „Berg“ (Scharfmoos), 1970 den Großbrand im Gasthaus Isartal in Wallgau, oder brachte Feuerwehr-Kameraden zur Unglücksstelle des schweren Verkehrsunfalls 1980 am Barmsee, als ein Mensch starb und sich 18 weitere verletzten.

Altes Feuerwehrauto in Mittenwald: Für Kameraden zählt der ideelle Wert

Das Löschgruppenfahrzeug ersetzte 1964 den LF12 aus dem Jahr 1938, der damals für 11 800 Reichsmark angeschafft wurde und das erste richtige Löschauto der Mittenwalder Wehr war. Auch dieses Gefährt – noch in Grün – besitzt die Wehr heute. Die Oldtimer werden an Jubiläen und sonstigen Feierlichkeiten vorgeführt. Für einen richtigen Einsatz sind sie nicht mehr zu gebrauchen. Was für die Kameraden zählt, ist der ideelle Wert. Und der ist unbezahlbar.

Thailands König Vajiralongkorn hält sich am liebsten in Bayern auf - genauer im Landkreis Garmisch - und regiert offenbar auch von dort. Das ist eigentlich verboten. Der Ton von Außenminister Heiko Maas wird schärfer. Alles aus der Region gibt‘s im GAP-Newsletter.

(Von Josef Hornsteiner)

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