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Abstand halten, das ist in Mittenwald das Gebot der Stunde.

Gebirgsjäger in Corona-Zeiten

Mittenwalder Kasernen-Leben in drei Schichten

Alles ist anders während der Corona-Krise - auch bei den Mittenwalder Gebirgsjägern. So hat das Soldatenleben bisher nicht ausgesehen.

Mittenwald Das Corona-Virus macht auch vor Kasernentoren nicht halt. Vorsicht und Sorgfalt stehen deshalb gerade jetzt ganz oben auf dem Dienstplan der Mittenwalder Gebirgsjäger. „Wir nehmen die aktuelle Entwicklung sehr ernst und setzen alle Empfehlungen und Maßnahmen um“, versichert Oberstleutnant Jakob Klötzner, der seit einem Jahr das Kommando über das rund 800-köpfige Bataillon 233 führt. „Schließlich müssen wir die Einsatzbereitschaft und den höchstmöglichen Schutz für unsere Soldatinnen und Soldaten gewährleisten.“

Die staatlichen Vorgaben haben in dieser Ausnahmezeit in der Edelweißkaserne zum Umdenken geführt und den täglichen Ablauf entscheidend verändert. Um laut Klötzner „den Standard mit seinen Hygiene- und Abstandsregeln bis in die unterste Ebene – sprich Mannschaftsstube – zu gewährleisten“, wurde im Stabsgebäude ein Krisen-Reaktions-Zentrum eingerichtet. „Die dort eingesetzten Soldaten sammeln Informationen, werten diese aus und leiten entsprechende Maßnahmen ein.“

Drei Schichten

Um den regulären Ablauf in der Kaserne zu garantieren, läuft aktuell im Bataillon ein Drei-Schichtenbetrieb. Fast 200 Soldaten befinden sich derzeit im Auslandseinsatz im afrikanischen Mali. Sie werden nach ihrer Rückkehr Ende April in eine zweiwöchige häusliche Isolation geschickt. Rund ein Drittel versieht den regulären Dienst in der Garnison. Der Rest hat Rufbereitschaft, darf sich am Wohnort aufhalten und muss täglich telefonisch den Gesundheitszustand melden.

„Dadurch haben wir einen Überblick über unsere Einsatzbereitschaft und können unter Beachtung aller Hygienevorschriften wie auch beim Schneechaos 2019 mit fast 400 Soldaten entsprechende Amtshilfe leisten“, erläutert Klötzner. Dieses System hat einen Vorteil: „Durch den angeordneten 14-tägigen Schichtwechsel wird auch die vorgeschriebene Inkubationszeit berücksichtigt.“

Abstand halten

Natürlich gestaltet sich die Regelung des Dienstbetriebs schwieriger als sonst. So wurde der hygienische Standard der Küche erweitert und die Essenszeiten verlängert. „Hände waschen und Abstand halten sind jetzt angesagt. Dadurch dauert eben alles entsprechend länger“, meint der Kommandeur. „Unsere Lieferanten dürfen aber nach wie vor unsere Küchen und Kantinen beliefern.“

Schwieriger gestaltet sich dagegen die seit März laufende Grundausbildung bei den 142 Rekruten in der 6. Kompanie. „Wegen der Abstandsregel dauert alles etwas länger“, bedauert Klötzner. „Unterrichte und Ausbildungen müssen gegebenenfalls wegen der Auflockerung mehrmals gehalten werden, und beim Sport sind nur Laufeinheiten mit großem Sicherheitsabstand möglich.“

Fürsorgepflicht

Nicht beeinträchtigt sind die Übungen mit der Waffe, da auf der Standortschießanlage genügend Platz vorhanden ist. Einen Vorteil sieht Klötzner trotz oder gerade wegen der angeordneten Schutzmaßnahmen aber auch. Wenn ein Vorgesetzter aufgrund seiner Fürsorgepflicht bei einem seiner Soldaten eine Veränderung seines Gesundheitszustands feststellt, können sofort entsprechende medizinische Schritte ergriffen werden. „Damit wären die möglichen Kontaktpersonen sofort bekannt, könnten sofort isoliert und so die Weiterverbreitung des Virus schnellstmöglich gestoppt werden.“

In der Edelweiß-Kaserne bleibt das Sanitätsrevier zur Schmerzbehandlung und die Zahnarzt-Station für Notfallpatienten geöffnet. Die Bataillonsführung weiß, dass die Soldaten von der Pandemie genauso betroffen sind wie alle Bürger. „Wir hören immer wieder Vorwürfe, dass unsere aus ganz Deutschland kommenden Soldaten den Virus in die Kaserne einschleppen könnten“, sagt Klötzner. „Da die Soldatinnen und Soldaten aber sowohl im Dienst als auch daheim die Standards einhalten, Vorgesetzte ihrer Fürsorgepflicht nachkommen und eine entsprechende Kontrolle stattfindet, werden mögliche Infizierte frühzeitig erkannt, isoliert und entsprechende Maßnahmen eingeleitet .“ Der Oberstleutnant verweist darauf, das sein Bataillon dank zahlreicher Auslandseinsätze ohnehin krisen-erprobt sei. „Wir sind auf alles vorbereitet und stehen bereit.“

Wolfgang Kunz

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