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Der Kranzberg war ein beliebtes Ziel für Andreas Herzog. Dorthin hat er auch Martina mitgenommen.

Tagblatt-Weihnachtsaktion 2018

Hilfe bis zum Schluss: Hospizverein begleitet Mittenwalder Ehepaar in den schwersten Stunden

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Der Verlust wiegt schwer. Anna Herzog hat ihren Ehemann an den Krebs verloren. In der schwersten Zeit ihres Lebens hat sie aber auch eine Freundin gewonnen. Eine Frau vom Hospizverein, die dem Paar auf dem letzten gemeinsamen Weg zur Seite stand.

Mittenwald – Anna Herzog geht wieder auf Berge. Alleine und doch nicht. Auf jedem Schritt, auf jedem Meter begleitet sie ihr Ehemann Martin. „Er ist immer bei mir“, sagt die Mittenwalderin. Von jeder Tour bringt sie einen Stein oder Blumen mit ins Tal. Nur für ihn, für ihre Liebe. Für sein Grab.

Martin Herzog hat den Kampf gegen den Bauchspeicheldrüsenkrebs verloren. Heuer, mit 58, zwei Jahre nach der Diagnose im Januar 2016. Doch er ist allgegenwärtig im Leben seiner Frau. Auf dem Klingelschild an der Haustür steht sein Name, Bilder in der Küche zeigen die zwei fröhlich von Berggipfeln grinsen. Anna Herzog nimmt ein Foto in die Hand, setzt sich an den Tisch, ihre Augen füllen sich mit Tränen. Sie sagt: „Ich spreche jeden Tag mit ihm.“

Er wollte ins Guinnessbuch der Rekorde

Die Krankheit sah man dem Vater von zwei erwachsenen Kindern nie an. Die verschiedenen Chemotherapien verkraftete er gut. „Er war immer braun gebrannt“, sagt die Witwe und schwärmt fast ein bisschen. Der Krebs zerstörte das Körperinnere, nicht aber seinen Kopf, seine Einstellung, seinen Überlebenswillen. „Er hat immer gesagt, dass er ins Guinnessbuch der Rekorde kommen will“, erzählt die 55-Jährige. Als Mensch, dem es gelungen ist, die Krankheit zu bezwingen. Den Eintrag wird es nie geben.

Tagein tagaus versuchte das Paar, dem Todesurteil nicht die Oberhand zu überlassen. „Wir haben’s weggeschoben, wollten nicht wahrhaben, dass uns nur noch eine begrenzte Zeit zusammen bleibt“, sagt Anna Herzog. Kein Blatt passte zwischen die beiden. Sie verbrachten verlängerte Wochenenden in Südtirol, wanderten im Schnals- oder Martelltal, gönnten sich gern auch mal ein Glas Wein. Draußen, in der Natur, auf den Bergen, beim Langlaufen oder Skitourengehen, tankte ihr Mann Kraft und Energie.

Im Urlaub in Cortina d’Ampezzo, – ein Geschenk von Sohn und Tochter – holte die beiden die Krankheit ein. Martin Herzog plagten beim Essen Schmerzen. Zwei Monate später, im Dezember 2017, stiegen die Tumormarker an. Er musste ins Klinikum, bekam Morphiumpflaster. In kürzester Zeit erhöhten die Ärzte die Dosis, bis aufs Zehnfache. Doch die Schmerzen wurden immer schlimmer. Im Januar hat man sich für die Aufnahme in die Palliativstation entschlossen. Ein Glücksfall in schwerer Stunde.

Hospizhelferin begleitet ihn auf seinen Wanderungen

Dort erfuhren sie von der Oberland Hospiz- und Palliativversorgung, kurz OPAL. Mitarbeiterin Tatjana, ein Engel, wie sie Anna Herzog bezeichnet, kümmerte sich um den Schwerkranken. Er bekam einen Tropf ins Wohnzimmer, damit er sich wohlfühlt. Doch der Krebs zehrte an ihm. Eine Schmerzpumpe, eine Art Katheter, war nötig. Ab März „hab’ ich nur noch gebetet, dass er ohne Schmerzen einschlafen kann“, sagt seine Frau, die sich zu diesem Zeitpunkt bereits von ihrer Arbeit hat beurlauben lassen.

Rund um die Uhr pflegte sie den Vater ihrer Kinder. Bis Christine Saller, die Koordinatorin vom Hospizverein Werdenfels, den das Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt und die Bürgerstiftung Mehrwertmit der Weihnachtsaktion unterstützen, sie kontaktierte. Die Hospizbegleiterin Martina stand dem Ehepaar zur Seite. Und wie.

Einmal in der Woche schaute die Ehrenamtliche in Mittenwald vorbei. Das Vertrauen wuchs. Martin Herzog nahm sie drei- oder viermal mit auf seine geliebten Wanderungen. Auf die Rainlähne, den Kranzberg oder zur Grotte im Laintal – zeigte ihr seine Heimat. Den Rucksack mit Süßem – bei jeder minimal anstrengenden Bewegung fiel der Krebs-Patient in Unterzucker – schleppte Martina für ihn. Sie tat der Familie gut, entlastete Anna Herzog, hörte zu, versorgte den Mittenwalder bis zum Schluss.

Zwei „verdammt gute Jahre“

Heute schreibt und trifft sich die Witwe ab und an mit Martina. Der Kontakt bleibt. Es sei eine kleine Freundschaft entstanden. Über die Hospizbegleiterin und den -Verein lässt sie nichts kommen. „Ich könnte nichts Besseres empfehlen.“ Irgendwann kann sich die 55-Jährige vorstellen, in irgendeiner Form Hilfe anzubieten. „Etwas zurückgeben.“ So weit ist sie aber noch nicht. Der Schmerz über den Verlust ihres Ehemanns, mit dem sie 33 Jahre verheiratet war, sitzt tief. „Er war einzigartig“, sagt sie mit gebrochener Stimme. Die vergangenen zwei „verdammt guten Jahre“, möchte sie nicht missen.

2019 will Anna Herzog verreisen. Fliegen. So, wie es sie und ihr Mann nie gemeinsam getan, aber geplant hatten. Er kommt mit. Im Herzen, in den Gedanken. Einen Stein wird sie mitbringen. Für ihn, ihre Liebe. Für sein Grab.

(Namen wurden geändert)

Wer helfen möchte,

das ehrenamtliche Engagement des Hospizvereins Werdenfels im Landkreis Garmisch-Partenkirchen zu unterstützen und damit schwerstkranken und sterbenden Menschen sowie deren Angehörigen zu helfen, kann seine Spende – unter dem Stichwort Weihnachtsaktion 2018 – auf eines der Konten der landkreisweit aktiven Bürgerstiftung Mehrwert überweisen. Die Stiftung unterstützt das Garmisch-Partenkirchner/Murnauer Tagblatt wieder bei seiner Spendenaktion: IBAN DE64 7039 0000 0200 078190 bei der VR-Bank Werdenfels (BIC: GENODEF1GAP) oder IBAN DE24 7035 0000 0011 1451 41 bei der Kreissparkasse Garmisch- Partenkirchen (BIC: BYLADEM1GAP). Alle Spenden sind zweckgebunden für unsere Aktion. Der Durchschlag des Überweisungsträgers wird bis zu 200 Euro vom Finanzamt als Zuwendungsbestätigung anerkannt. Für Spenden über 200 Euro stellt die Bürgerstiftung Mehrwert eine Spendenquittung aus. Geben Sie dazu unbedingt Ihre vollständige Adresse bei Ihrer Überweisung an. Die Spender sollen in unserer Zeitung genannt werden. Wer das nicht möchte, möge auf seiner Überweisung bitte „kV“ für „keine Veröffentlichung“ vermerken.

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