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Sieben Bergsommer sind genug: Luise Schelhas und Bernhard Kriner hören in sechs Tagen als Wirte der Mittenwalder Hütte auf. 

Bergsommer im Karwendel

Mittenwalder Hütte: Wirtsleute sagen Servus

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Sieben Jahre sind genug:  Luise Schelhas und Bernhard Kriner biegen als Wirtsleute der Mittenwalder Hütte auf die Zielgerade ein.

Mittenwald – Als Bernhard Kriner (57) 2013 von der Alpenvereinssektion den Zuschlag für die Mittenwalder Hütte (1519 Höhenmeter) bekam, war die Freude groß. „Das war schon lange mein Wunsch“, offenbarte seinerzeit der Bergführer aus Krün. Für ihn und seine Lebensgefährtin Luise Schelhas ist nun nach sieben Bergsommern Schluss. Am Sonntag, 13. Oktober, sperren die beiden ein letztes Mal ihre beliebte Unterkunft im Karwendel auf.

„Alles hat seine Zeit“, bemerkt der „Wuif“, der demnächst den Hüttenschlüssel an seine Nachfolgerin Jeannette „Schanni“ Lorenz weiterreichen wird. Kriner arbeitet jedoch weiter im Gebirge – nur anders. Er kehrt zurück in seinen angestammten Beruf als Bergführer und wird für eine Bergschule in Oberstdorf im Einsatz sein. „Dann bin ich wieder frei.“

„Eigentlich nur positiv“

Als Frondienst will Kriner seine Zeit in der Mittenwalder Hütte aber keinesfalls verstanden wissen. Ganz im Gegenteil: „Es war eigentlich nur positiv.“ Selbst wenn man 16 bis 18 Stunden tagtäglich schuften musste – von Mitte April bis Mitte Oktober. Doch das ist der Preis, den die Wirtsleute einer der gefragtesten Hütten eben bezahlen müssen. Jetzt möchte das Duo Schelhas/Kriner noch mal sechs Tage Gas geben – oder wie es der Naturbursch aus Krün ausdrückt: „Wir lassen nichts anbrennen.“

Bei Kriner und seiner Freundin, die jetzt offiziell in Rente geht, überwiegen die schönen Momente in ihrem alpinen Refugium. So denkt der Hüttenwirt an die Johannifeuer vor vier Jahren. „Keine Wolke war am Himmel.“ Eine sternenklare Nacht unter echten Bergkameraden. „Bis vier Uhr morgens waren wir zusammengesessen und haben musiziert.“

„Bled-daher-red-Disch“

Dankbar ist Kriner aber auch „für die vielen, mal mehr, mal weniger geistreichen Gespräche am ,Bled-daher-red-Disch‘“. Oder für die WhatsApp-Nachrichten ihrer Nachtschwärmer, die zu später Stunde aus dem Tal meldeten, dass sie den Abstieg auch nach acht Halben unfallfrei bewältigt hatten. „Was Luise und mir zwar manch kurze Nacht, dafür aber entspannten Schlaf brachte.“

Lobend erwähnen möchten die Wirtsleute auch die vielen Musikanten verschiedener Stilrichtungen – vom Pianisten aus Dortmund über eine Band mit neun Saxofonisten bis zu den zahlreichen einheimischen Gruppen – die sich nie lumpen ließen, über die vereinbarte Zeit hinaus weiterzuspielen. „Auch wenn sie ihr Honorar längst verdient hatten und zudem ihre Kinder zum freiwilligen Arbeitseinsatz motivierten, wenn sich das Geschirr auf den Tischen und in der Küche auftürmte.“ Auch das Verhältnis zur Mittenwalder Alpenvereinssektion, die Kriner bereits heuer im März über seine Entscheidung informiert hatte, war geprägt von „vertrauensvoller Zusammenarbeit“. Zur Seite stand sie auch „bei der einen oder anderen Beschwerde“.

Großputz

Jeden der noch verbleibenden sechs Tage wollen die scheidenden Hüttenwirte genießen – Stress hin oder her. Die Woche darauf soll zum Großputz genutzt werden. Ist die Mittenwalder Hütte dann winterfest, geht’s hinunter ins Tal. Und wer weiß: Vielleicht schauen Luise Schelhas und Bernhard Kriner mal wieder vorbei, wenn im Karwendel die Johannifeuer entzündet werden.

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