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Großbaustelle: Aktuell entsteht in Garmisch-Partenkirchen ein aja-Hotel. So oder so ähnlich könnten die Dimensionen auch in Mittenwald an der Bahnhofstraße aussehen. 

Interessengemeinschaft kritisiert scharf

Mittenwalder Vermieter machen gegen „Bettenburg“ mobil

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Das geplante aja-Hotel hat in Mittenwald nicht nur Befürworter. Ganz im Gegenteil: Jetzt formiert sich sogar eine Interessengemeinschaft gegen das 50-Millionen-Euro-Projekt.

Mittenwald – Aktuell geistert ein Wort durch Mittenwald, das immer wieder geradezu despektierlich ausgesprochen wird: Bettenburg. Auch Martin Leuthner, der Wirt von der Gröblalm, nimmt es in schöner Regelmäßigkeit in den Mund, wenn er von dem geplanten aja-Hotel auf dem gemeindeeigenen Grundstück an der Bahnhofstraße (wir berichteten) spricht. Ein innerörtliches Resort fremder Investoren mit 400 Betten behagt Leuthner ganz und gar nicht. „Das tut schon weh“, findet der Gastronom, der vor knapp einer Woche mit etwa 15 Gleichgesinnten – vornehmlich einheimische Vermieter – eine Interessengemeinschaft gegründet hat. Eindeutiges Ziel der Initiative: Die viel zitierte Bettenburg im Herzen der Tourismusgemeinde muss unter allen Umständen verhindert werden – falls nötig per Bürgerentscheid.

Klare Kampfansage

Eine klare Kampfansage an Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) und den Gemeinderat, der dieses 50-Millionen-Euro-Projekt mit nur einer Gegenstimme für gut geheißen hat. Doch Leuthner und Co. sehen sich nicht als militante, sondern moderate Gegenbewegung. „Im Endeffekt geht es um die Sache“, betont der Initiativensprecher. „Wir möchten uns politisch nicht auf eine Seite schlagen. Wir wollen, dass der Bürger entscheidet.“ Zu viel steht Leuthner zufolge auf dem Spiel. „Und es geht um Grund von uns Mittenwaldern!“ Der angeblich unter Wert veräußert werden soll. Auch dieses Gerücht kursiert in der Gemeinde.

Diskussionen dort gibt’s allerorten. Mehr noch: „Es herrscht Panik im Ort“, sagt mit Josef Leuthner ein weiterer Vertreter der Gröblalm. „Und die Angst ist berechtigt.“ Martin Leuthner fragt sich: „Wollen wir Masse statt Klasse oder Klasse statt Masse?“ Für ihn ist der Faktor Qualität entscheidend. Das künftige Nobelrefugium Silva Mountain am Latscheneck bezeichnet der Wirt beispielsweise als „Glücksfall, das bringt den Ort weiter“. Bei einem „Massenhotel“ sieht das laut Leuthner anders aus. Grundsätzlich betont er: „Wir sind keine Hotelgegner an sich, aber wir brauchen Qualität im Ort.“

Infos aus erster Hand

Nun drängt die neugegründete „Interessengemeinschaft gegen eine Bettenburg in Mittenwald“ auf Information aus erster Hand. „Denn dieses Hotel hat einen eigenen Abend verdient.“ Martin Leuthner spielt damit auf die Auskunftsfreude des Bürgermeisters vor zehn Jahren an, als die Berliner Familie Berrendorf in der TSV-Halle beim letztlich gescheiterten Hotelprojekt Nummer eins geradezu als Heilsbringer gefeiert wurden. „Da wurde uns allen Honig ums Maul geschmiert.“

Auch den Deal mit der Deutschen Seereederei, der Investorin des aja-Hotels, den hauseigenen Pool zu einem öffentlichen Schwimmbad zu deklarieren, empfindet der Gröblalm-Chef als „Augenwischerei“. Da wolle man nur die Einheimischen „um den Finger wickeln“. Eine Botschaft schickt Leuthner noch Richtung Rathaus: „Das Thema brennt den Leuten unter den Nägeln.“

Wahlkampfthema

Mittenwald hat somit aus dem Nichts ein Wahlkampfthema – ein ganz heißes noch dazu. Selbst diejenigen im Gemeinderat, die das aja-Hotel vor einiger Zeit zumindest nicht kritisch bewertet haben, gehen auf Distanz. Bürgermeister-Kandidat Georg Seitz (Freie Wähler) spricht von „einem großen Klotz“. Selbstkritisch räumt er ein: „Es war sicherlich ein Fehler, die Bürgerschaft nicht mit einbezogen zu haben.“

SPD-Hoffnungsträger Enrico Corongiu bestätigt, dass in dieser Sache regelmäßig bei ihm das Telefon klingelt. Auch er bestätigt, „dass ich auf alle Fälle bei einem Punkt Bauchschmerzen habe“. Die nächsten Tage werden zeigen, wie vielen Mittenwaldern die „Bettenburg“ ebenfalls im Magen liegt.

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Kommentare

Mittenwalder
(0)(0)

In der Interessengemeinschaft gegen die Konkurrenz und die immer schreien im Ort wird nix gemacht. Wenn aber was gemacht wird, sind Sie von Haus aus dagegen. Lasst euch doch auch in den Gemeinderat wählen !! Ach ja, da waren ja schon einige von denen drin und haben da auch nicht´s bewegt !!

Alter Mann
(0)(0)

Interessengemeinschaft gegen lästige Konkurrenz. Wie erbärmlich.