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Das große Schweigen: Was genau im Führungszirkel der Freien Wähler abgelaufen ist, darüber darf spekuliert werden. Josef Schandl (l.) und Georg Seitz halten sich mit Kommentaren jedenfalls merklich zurück.

Überraschung in Mittenwald

Paukenschlag bei Freien Wählern: Vorsitzender Schandl tritt zurück

  • vonChristof Schnürer
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Führungswechsel bei den Freien Wählern in Mittenwald: Zur Überraschung vieler gibt Josef Schandl sein Amt ab. Bis auf Weiteres übernimmt Florian Lipp kommissarisch.

Mittenwald – Das Geheimnis war gut gehütet – zwei Monate lang. Nun ist Josef Schandl mit der Sprache herausgerückt. „Ich teile hiermit mit, dass ich am 15. März 2020 als 1. Vorsitzender der Freien Wähler Mittenwald zurückgetreten bin“, schreibt er in Brief an die Mitglieder, der vor wenigen Tagen zugestellt wurde. Auf seinen Entschluss angesprochen, meint der „Freiberger-Sepp“ gegenüber dem Tagblatt: „Weitere Kommentare werde ich momentan nicht abgeben.“

Mit anderen Worten: Es darf spekuliert werden, zumal sich Parteifreund und Zweiter Bürgermeister Georg Seitz ebenso bedeckt hält. „Ich weiß nichts von einem Stunk, es gab keinen Disput und keine Streiterei.“ Zumindest aber wohl atmosphärische Störungen. Diese Annahme befeuert Schandl selbst mit folgender Äußerung in seiner Stellungnahme: „Es sind in der Vergangenheit Situationen entstanden, mit denen ich mich nicht identifizieren konnte. Es gab für mich zu viele Unstimmigkeiten, die das Vertrauen in mich nicht gerade gestärkt hatten.“

Vorstand wusste Bescheid

Der Entschluss zum Rücktritt ist bei Schandl nicht erst seit kurzem gereift. „Die Vorstandschaft wusste davon und bat mich, bis zu den Wahlen im Amt zu bleiben, was ich selbstverständlich gemacht habe.“ Der 51-Jährige wollte im Vorfeld der Konstituierenden Sitzung (5. Mai) für keinerlei Irritationen sorgen. Daher rückte Schandl gegenüber den etwa 100 Mitgliedern erst jetzt mit der Sprache heraus.

Für Kenner der Szene kommt Schandls Rückzug nicht ganz überraschend. Dem Vernehmen nach hegte auch er Ambitionen fürs Bürgermeisteramt. Letztlich schickten die Freien Wähler den bisherigen Fraktionssprecher Seitz ins Rennen. Nach außen ließ sich Schandl nichts anmerken. Doch spätestens seit der Aufstellungsversammlung im November 2019 – der ersten von drei – fuhr der „Freiberger“ sein politisches Engagement merklich zurück.

Sieben Jahre an der Spitze

Damit geht ein knapp siebenjähriges Kapitel bei den Freien Wählern zu Ende. Schandl hatte im August 2013 einen Scherbenhaufen übernommen. Nach internen Streitigkeiten, öffentlichlicher Selbstzerfleischung und monatelanger Suche nach einem neuen Vorsitzenden übernahm der damlige Klinikums-Personalrat. Gemeinsam mit Florian Lipp brachte Schandl die ehemalige Bürgermeister-Partei wieder auf Kurs oder, wie er es seinerzeit bei seiner einstimmigen Kür ausdrückte, „in ruhige Fahrwasser“.

Lange ist’s her: Bis zu den nächsten Wahlen – laut Seitz vermutlich kommenden Herbst – übernimmt Florian Lipp als kommissarischer Vorsitzender das Kommando. Schandl indes bleibt den traditionsreichen Freien Wählern erhalten – als Gemeinderat und einfaches Mitglied. „Ihr könnt selbstverständlich auch in Zukunft auf mich zählen“, schließt Josef Schandl sein Schreiben, das gut zwei Monate nach der Kommunalwahl wahrscheinlich nicht nur bei Gleichgesinnten wie eine Bombe eingeschlagen hat.

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