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Die Karwendelbahn bleibt Dauerthema.

Fakten auf den Tisch gelegt

Karwendelbahn: Bürgermeister rechnet mit Reich ab

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Die Bürgerversammlung in Mittenwald ist für einen zum Spießrutenlauf geraten: Wolfgang Wilhelm Reich, den starken Mann der Karwendelbahn. Am Mittwochabend attackierte ihn der Bürgermeister, sein großer Widersacher, zum wiederholten Mal. Trotz der Aufforderung, sich zu erklären, blieb Reich stumm wie ein Fisch.

Mittenwald – Würde man den Karwendelbahn-Krimi als Western drehen, wären die Rollen seit Mittwochabend klar verteilt: Wolfgang Wilhelm Reich, das Aufsichtsratsmitglied aus Heidenheim, würde den Schurken und Revolverhelden spielen, der die Stadt in Angst und Schrecken versetzt. Bürgermeister Adolf Hornsteiner erhielte den Part des gesetzestreuen Sheriffs, der seinen Widersacher zum alles entscheidenden Duell auffordert – High noon unterm Karwendel.

Bei der Bürgerversammlung in der gut gefüllten TSV-Halle kämpfte man glücklicherweise mit Worten – zumindest diejenigen, die etwas zu sagen hatten oder etwas los werden wollten. Hauptdarsteller Reich, der auf den hinteren Plätzen zu finden war, schwieg eisern. Selbst dann, als sich Zuhörer Josef Schandl (Rass) von seinem Platz erworb, sich zum Heidenheimer umdrehte und diesen direkt ansprach: „Herr Reich, wir sind lauter nette Leute hier und wollen doch nur gute Zusammenarbeit und unsere Ruhe. Sie sind ein Mensch wie wir. Äußern Sie sich doch einmal, warum Sie so sind!“ Einen Kommentar blieb der Adressat mit hochrotem Kopf schuldig. „Keine Antwort ist auch eine Antwort“, sagte daraufhin mit Franz Böhrer ein weiterer Bürger. Gleichzeitig verbat sich dieser, jemals in ein Puff gegangen zu sein.

Zuvor hatte nämlich Bürgermeister Hornsteiner bei seinen Ausführungen über den Dauerstreit mit der Karwendelbahn einen pikanten Schriftsatz des Anwalts Wolfgang Eduard Reich, dem Vater des Aufsichtsratsmitglieds, vom November 2018 an das Landgericht München I vorgetragen. Darin heißt es unter anderem: „Bei zirka 500 000 Prostituierten in Deutschland würde es schlicht und einfach diesen Berufszweig nicht geben, wenn kein einziger Mittenwalder in ein Puff gehen würde.“ Der Rathauschef hatte die Bordell-Episode deshalb zum Besten gegeben, um zu dokumentieren, welches Niveau die drei Jahre währende Schlammschlacht mit der Heidenheimer Reichgruppe inzwischen erreicht hat.

Hornsteiner erläuterte in gut 45 Minuten, warum die Marktgemeinde als zweitgrößte Aktionärin einen erbitterten Krieg gegen die Hauptanteilseigner von der Konsortium AG (Teil der Reichgruppe) führt. Dabei beantwortete der Bürgermeister auch Fragen, die Reich und Co. zwar nicht fristgerecht an die Bürgerversammlung gestellt hatten. 592 000 Euro an Steuergeldern wurden bislang von Seiten der Marktgemeinde in Gerichts- und Anwaltskosten gesteckt, informierte Hornsteiner, gegen den aktuell drei Unterlassungsklagen seitens der Karwendelbahn laufen, und wandte sich dann ein weiteres Mal direkt an Reich. „Ich gehe davon aus, dass auch unsere Fragen nun von Ihnen beantwortet werden – gleiches Recht für alle!“

Ebenso berichtete das Gemeindeoberhaupt darüber, dass sich Aufsichtsratsmitglied Reich von der Seilbahn ein Darlehen zwischen 150 000 und 300 000 Euro habe geben lassen. Die Rückzahlung soll laut Hornsteiner folgendermaßen erfolgen: 10 000 Euro in bar, der Rest über Arbeitsleistung – 100 Euro die Stunde. Den Zuschauern rief der Bürgermeister entgegen: „Jetzt können Sie sich vorstellen, dass der Markt Mittenwald nicht glücklich ist, wenn er eine Kapitalerhöhung zeichnen soll.“ Diese und weitere Ungereimtheiten sprach Hornsteiner ungeniert an. Seine Rede gipfelt in der rhetorischen Frage: „Kann sich der Markt Mittenwald gefallen lassen, dass das Recht mit Füßen getreten wird? Wir sagen nein.“ Lautstarker Applaus. Beifall hatte es zu Beginn der Versammlung für diverse Ehrengäste gegeben. Dann hieß der Bürgermeister Wolfgang W. Reich willkommen. Eisiges Schweigen.

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