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Die beiden halten zusammen: Kerstin und Enrico Corongiu machen künftig auch politisch gemeinsame Sache. 

Nach der Stichwahl

Mittenwalder Ehe-Polit-Tandem: Er Bürgermeister, sie Gemeinderätin

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Der künftige Bürgermeister Enrico Corongiu wird am 5. Mai seine Ehefrau Kerstin vereidigen. Ein Novum in Mittenwald.

Cäsar und Kleopatra, Hillary und Bill Clinton oder Sahra Wagenknecht und Oskar Lafontaine – Polit-Ehepaare hat es immer schon gegeben. Mal waren sie mehr, mal waren sie weniger erfolgreich. Vor diesem Hintergrund darf man gespannt sein, wie sich in Mittenwald ab Mai Kerstin und Enrico Corongiu schlagen – die eine als künftige Marktgemeinderätin, der andere als Bürgermeister. Ein Ehepaar mit Sitz und Stimme im Kommunalparlament – das hat es noch nicht unterm Karwendel gegeben.

Erschien einem bis Sonntag allein schon die Vorstellung, dass es im erzkonservativen Mittenwald einmal einen roten Rathauschef geben könnte, völlig weit hergeholt, so glaubten wohl die allerwenigsten an das Polit-Ehe-Tandem Corongiu. Für die künftige First Lady kein Problem. „Die Leute haben doch gewusst, wen und was sie wählen.“ Und als bloße Ja-Sagerin sieht sich Kerstin Corongiu sowieso nicht. „Im Privaten haben wir auch unterschiedliche Meinungen.“

Fall für Geschichtsbücher

Als feststand, dass ihr Mann tatsächlich den Sprung auf den Chefsessel geschafft hat, war klar: Sie hätte als erste Nachrückerin auf der SPD-Liste Anspruch auf das nun mehr frei werdende Gemeinderatsmandat. Kerstin Corongiu musste nicht lange überlegen: „Ich würde es gerne annehmen.“ So passiert am Dienstag, 5. Mai, in Mittenwald erneut etwas mit lokalgeschichtlicher Note: Der Ehemann Corongiu wird bei der Konstituierenden Sitzung in seiner Funktion als frischgebackener Bürgermeister seine bessere Hälfte als Gemeinderätin vereidigen.

Eine Seltenheit, doch in Oberbayern keineswegs einmalig. Dasselbe Prozedere hat sich beispielsweise 2014 im niederbayerischen Abensberg zugetragen. Bürgermeister Dr. Uwe Brandl (CSU) durfte seiner Gemahlin Margit, die für ABBA (Aktive Bürgerinnen und Bürger Abensberg) ins Rennen gegangen war, den Amtseid abnehmen. „Der hat seine eigene Frau in der Opposition“, scherzt Wilfried Schober, der Pressesprecher des Bayerischen Gemeindetags. Von Familien-Kungelei könne in einer solchen Konstellationen von gesetzeswegen nicht die Rede sein, versichert Schober. Nur weil man die Frau eines Bürgermeisters sei, könne man nicht von Ämtern ausgeschlossen werden. Und solange kein Interessenkonflikt vorliegt schon gar nicht. Dann müsste wie in jedem anderen Fall die Befangenheit geprüft werden.

Polit-Brüder aus Krün

Vor 2006 hätte es für das Polit-Paar Corongiu übrigens schlecht ausgesehen: Bis dahin galt im Kommunalwahlgesetz der Paragraf, dass in Gemeinden mit einer Einwohnerzahl unter 10 000 Einwohnern enge Verwandte nicht gemeinsam in einer Ratsvertretung sitzen dürfen. Ein Passus, der 2002 im benachbarten Krün dazu führte, dass Stimmenkönig Peter Schwarzenberger sein Mandat nicht mehr annehmen durfte. Das alles weil bei diesem Urnengang sein jüngerer Bruder Thomas zum Bürgermeister gekürt wurde.

2008 nach der Lockerung der Vorschrift schaffte Peter Schwarzenberger prompt das Comeback. Das wird auch nach dem 1. Mai so bleiben. Das Krüner Polit-Brüder-Paar bleibt voraussichtlich bis 2026 bestehen. Mal schauen, wie lange die Corongius durchhalten.

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