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Der Kranzberg aus der Karwendel-Perspektive.

Debatte im Mittenwalder Gemeinderat

Weltkulturerbe: Hickhack ums Kranzberg-Juwel

  • vonChristof Schnürer
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Der Marktgemeinderat Mittenwald steht einer Bewerbung um das UNESCO-Weltkulturerbe weiterhin positiv gegenüber. In der mehrheitlich gefassten, wohlwollenden Absichtserklärung kommt dies zum Ausdruck. Einer der Räte hat trotzdem ein flaues Gefühl: Rudi Rauch (SPD). Er würde am liebsten dem kompletten Kranzberg das Weltprädikat verleihen.

Mittenwald – Der Kranzberg und seine Zukunft – das bleibt im Mittenwalder Marktgemeinderat auch künftig ein emotionales Thema. Die einen sehen im moderaten Ausbau die Chance zum sanften Tourismus, die anderen würden über dieses Natur-Refugium am liebsten die Käseglocke stülpen. Zu dieser Kategorie dürfte wohl der besonders naturverbundene Rudi Rauch gezählt werden. Das wurde am Dienstagabend mehr als offenkundig.

Bei der Debatte über die Abgrenzung der Gebietskulisse für die Bewerbung zum Weltkulturerbe „Alpine und voralpine Wiesen- und Moorlandschaften im Landkreis Garmisch-Partenkirchen“ hätte sich der SPD-Mann eine stärkere Berücksichtigung des Kranzbergs gewünscht. „Ein Gebiet, das unglaublich schützenswert ist“, findet Rauch. Daher kann er nicht nachvollziehen, warum weite, seiner Meinung sensible Bereiche bei den UNESCO-Flächen nicht eingearbeitet wurden – beispielsweise die Hänge bei den Luttenseeliften. Rauch vermutet einen Hintergedanken und spricht ihn deutlich aus: „Ich habe das Gefühl, dass in bestimmten Köpfen immer noch der überdimensionale und unsinnige 25-Millionen-Euro-Vierersessellift herumspukt.“ Daher fragt sich der Senior im Rat: „Welche Pläne verfolgt die Gemeinde?“

„Gar keine, Rudi“, antwortete ihm Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) – und damit derjenige, der im Herbst 2017 die Kranzberg-Offensive mit seinen Seilbahn-Plänen angeschoben hatte, letztlich aber am Veto einiger Grundstückseigentümer gescheitert war (wir berichteten). Daher wollte sich Rauch auch mit Hornsteiners Antwort nicht abspeisen lassen. „Also wer da nichts wittert“, sagte der SPD-Mann.

Nun sah sich Zweiter Bürgermeister Gerhard Schöner (CSU) zu einem Konter genötigt. „Nicht nur der Kranzberg, sondern das gesamte Isartal ist unser Juwel, wir sind ringsum zugeschützt.“ Dem Kranzberg misst Schöner für die Entwicklung des Tourismus eine große Bedeutung zu. „Sollten wir es uns da gleich wieder verbauen?“ Bei zu starker Reglementierung würde irgendwann auch der Rollstuhlfahrer „nicht mehr auf unser Juwel kommen“. Naturbedenken zum Kranzberg-Projekt habe es zudem von höchster Stelle nicht gegeben, schaltete sich der Rathauschef noch mal ein. „Vom Umweltministerium wurde es befürwortet – schwarz auf weiß.“ Darauf witzelte im Hinblick auf die CSU dominierte Staatsregierung der rote Rauch: „Schwarz schon.“

Er ließ sich jedenfalls nicht von seiner Meinung abbringen und stimmte gegen die Gebietskulisse, aus der außerdem die Aschauer Alm, die Bahnstrecke, der Tonihof (Hallenbad), Flächen im Hoffeld und Ried sowie der Parkplatz Luttensee und die Kranzberg-Lifttrasse herausgenommen worden sind. Mit dabei im UNESCO-Paket ist nun jedoch die Scheibenalm.

Mit 15:3 segnete der Gemeinderat gegen die Stimmen von Rauch sowie Florian Lipp und Sepp Schandl (beide Freie Wähler) die Absichtserklärung ab. Zu den Befürwortern zählt Klaus Zwerger (Bürgervereinigung). Dieser erinnerte noch einmal an den vorausgegangenen Dialog mit den heimischen Landwirten, die allesamt die Weltkulturerbe-Bestrebungen unterstützen. „Und das sind ja keine Lappen.“

Michael Altmann (CSU) wiederum verdeutlichte noch einmal den außergewöhnlichen Werbewert dieses Prädikats. „Das bietet uns die große Möglichkeit, uns zu präsentieren.“

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