Die 7-Tage-Inzidenzen nach Talschaften: Die Zahlen beruhen auf den täglichen Meldungen des Landratsamtes.
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Die 7-Tage-Inzidenzen nach Talschaften: Die Zahlen beruhen auf den täglichen Meldungen des Landratsamtes.

Hohe Infektionszahlen im Oberen Isartal

Erste Entspannung? Isartal-Inzidenz geht auf 206 zurück, liegt aber immer noch sehr hoch

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Die Inzidenz im Landkreis Garmisch-Partenkirchen pendelt sich derzeit unter der 100-Marke ein. Die meisten Gemeinden liegen deutlich drunter. Es gibt aber Ausreißer im Süden.

Update vom 14. Mai, 20.25 Uhr: Das Corona-Geschehen ist hochdynamisch. Daran hat sich seit den ersten Tagen dieser Pandemie wenig verändert. Gerade ein Wert wie die Sieben-Tage-Inzidenz verändert sich innerhalb von wenigen Tagen, bildet er doch das Geschehen an Neuinfektionen innerhalb einer Woche ab.

Die Inzidenz von über 350 in den drei Isartal-Gemeinden Wallgau, Krün und Mittenwald hat für Aufregung gesorgt, weil doch der gesamte Landkreis zu dieser Zeit bei einem Wert von zirka 80 lag. Drei Tage später hat sich die Lage vorerst ein wenig entspannt. Noch immer sind aktuell 48 Personen im Oberen Isartal positiv getestet – 128 sind im gesamten Landkreis betroffen –, die Inzidenz ging aber ein wenig zurück. Am Freitag lag sie bei immer noch hohen 206,2 aufgrund von 25 Fällen in sieben Tagen.

Die Inzidenz-Übersicht (Stand 14. Mai)

Nordlandkreis: 66,5 (22 Fälle)
Ammertal: 65,4 (10)
GAP & Region: 44,7 (19)
Oberes Isartal: 206,2 (25)

Erstmeldung vom 11. Mai:
Landkreis – „Jetzt müssen wir nur noch das Isartal in den Griff kriegen“ – ein Spruch, der die Runde macht in diesen Tagen. Im Internet, in der Gastrobranche. Aber auch schon in der Kommunalpolitik. Geht es um erhöhte Corona-Zahlen, schaut der Landkreis aktuell in die südöstliche Ecke. Eine 7-Tage-Inzidenz von rund 360 plagt die drei Gemeinden Wallgau, Krün und Mittenwald – und bringt sie in Verruf.

Zu Recht? Enrico Corongiu schüttelt den Kopf. „Corona entwickelt sich sehr dynamisch, wenn man jetzt mit dem Finger auf uns zeigt, hätten wir das in den vergangenen Wochen auch andersherum machen können, als im Ammertal, im Nordlandkreis oder in Garmisch-Partenkirchen die Zahlen immer sehr hoch waren“, betont der SPD-Bürgermeister aus Mittenwald. Er selbst outet sich als „kein großer Freund der Inzidenz“. Die bildet bekanntlich das Infektionsgeschehen der vergangenen sieben Tage hochgerechnet auf 100.000 Einwohner ab. Seine Gemeinde habe einige dieser Wellen erlebt. „Wir hatten schon ganz andere Zahlen, aber damals hat sich keiner dafür interessiert, weil sie im ganzen Landkreis hoch waren.“

Corona im Isartal: Mittenwalds Bürgermeister wehrt sich gegen Vorwürfe

Jetzt ist die Lage tatsächlich eine andere als beispielsweise zu Beginn des Jahres. Nun erscheint einmal mehr ein Silberstreif am Horizont. Seit 1. Mai bewegt sich der Landkreis – wenn auch knapp – unter der gefürchteten 100. Die ersten Öffnungen sind umgesetzt, die nächsten terminiert für 21. Mai. „Ja, jetzt gibt es diese Perspektiven“, sagt Corongiu, „Und wir wollen und brauchen sie genauso wie alle anderen.“ Er wehrt sich entschieden gegen Aussagen, die Isartaler würden sich nicht um Corona scheren.

„Das stimmt nicht.“ Kollege Bastian Eiter aus Wallgau – Krüns Thomas Schwarzenberger war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen – pflichtet ihm bei. „Das ist ein Schmarrn.“ Beide Rathauschefs verweisen auf das intensive Testen in den Gemeinden. „Bei uns wird das sehr gut angenommen“, sagt Corongiu. In Mittenwald lassen sich zwischen 50 und 140 Menschen pro Tag untersuchen. „Und wir waren Vorreiter, als viele andere Gemeinden noch nicht getestet hatten“, ergänzt Eiter. 350 Abstriche hat die Wasserwacht Krün/Wallgau in zweieinhalb Wochen abgenommen, „darunter war nur ein positiver Fall“.

Und doch sind die Zahlen aktuell hoch. Das leugnen beide Bürgermeister nicht. „Wir haben sie immer im Auge“, versichert Eiter. Täglich gibt es das Update aus dem Landratsamt, täglich wird darauf geschaut. „Ich will das nicht auf die leichte Schulter nehmen“, stellt Corongiu heraus. Nur sei das Infektionsgeschehen im Oberen Isartal kaum greifbar. „Ich habe mit der Polizei gesprochen, wir haben keine Corona-Partys, die ständig beendet werden müssen“, sagt der Mittenwalder.

Corona im Isartal: Infektionsgeschehen ist schwer einzugrenzen

Das bestätigen die Verantwortlichen aus dem Gesundheitsamt. „Im Isartal herrscht ein sehr diffuses Geschehen“, sagt Hansjörg Wiesböck, Organisatorischer Einsatzleiter in der Pandemie. „Hätten wir größere Cluster, wäre es für uns deutlich einfacher, diese einzugrenzen und zu reagieren.“ Mit diesem Problem kämpfen die Isartaler. Eiter kennt es gut. „Bei uns waren es drei größere Familien, in denen das Virus dann weitergereicht wurde“, sagt er. Es seien viele Kinder betroffen, die nach wie vor oft komplett symptomfrei sind.

Im Isartal herrscht ein sehr diffuses Geschehen.

Hansjörg Wiesböck, Organisatorischer Einsatzleiter in der Pandemie

Alles nur eine Momentaufnahme also? Zum ungünstigen Zeitpunkt für das Isartal? „Ich hoffe es“, sagt Corongiu. Er macht klar: „Im privaten Bereich können wir nicht viel machen, aber im öffentlichen Raum sind die Leute bei uns definitiv sehr sensibel für das Thema.“ Er sei sogar froh, dass die Öffnungen für den Tourismus nahen. „Sonst hätte ich wirklich Bauchschmerzen bekommen, dass die Menschen sich nicht mehr dran halten.“

Corona im Isartal: Kommen einzelne Beschränkungen für die drei Gemeinden?

Im Fokus steht das Isartal derzeit aber trotz aller Bekundungen. „Das war Thema im kleinen Kreis in der Bürgermeisterdienstbesprechung“, räumt Corongiu ein. Das Gesundheitsamt schaut genau hin, wie sich die Lage zwischen Wallgau und Mittenwald entwickelt. Man hat sogar Kontakt mit der Regierung von Oberbayern aufgenommen, ob es Möglichkeiten gibt, einzelne Beschränkungen für die drei Gemeinden zu verhängen. „Unser Kenntnisstand ist jedoch, dass eine Einzelbetrachtung bei den Corona-Zahlen nicht möglich ist. Die Fallzahlen gelten immer für den ganzen Landkreis“, betont Landrat Anton Speer (FW).

Auch er ist besorgt, fürchtet die neuerliche Notbremse – damit Schließungen. „Wir müssen bitte gemeinsam alles versuchen, damit wir unter 100 bleiben. Die Notbremse hätte für uns alle Einschränkungen und würde für den Einzelhandel, für die Gastronomie und Beherbergungsbetriebe weitere Einbußen bedeuten“, appelliert er an alle Bürger. „Wir sitzen im gleichen Boot.“ Das unterstreicht Corongiu. „Das Thema ist niemandem wurscht.“

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