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Aktuell gehört die Desinfektionsflasche zum Leben von Parkhotel-Direktor Dennis Wrba.

Kurzarbeit in Hotels

Corona: Zweckoptimismus in Isartaler Nobelherbergen

Improvisation und Zweckoptimismus - das sind aktuell die Waffen gegen den Corona-Virus in der Isartaler Hotelbranche. Diese ist längere Zeit lahm gelegt.

Oberes Isartal – Das erste Quartal ist noch nicht zu Ende. Doch in der Fremdenverkehrsbranche im Oberen Isartaler steht jetzt bereits in Stein gemeißelt: Das Tourismusjahr 2020 wird ein Desaster. Hotel- und Pensionsbetreiber sowie Vermieter von Ferienwohnungen bleiben wegen fehlender Gäste auf ihren Kosten sitzen. Potenzielle Urlauber wiederum fragen sich, ob sie heuer überhaupt noch mal in gediegenem Ambiente ausspannen können. Zumal es Bund und Länder im Zuge der Corona-Krise bislang nicht geschafft haben, einheitliche Regelungen zu treffen. Unter dieser Ungewissheit leiden natürlich die Nobelherbergen in Mittenwald, Krün und Wallgau.

Im Mittenwalder Posthotel etwa ist derzeit Improvisationskunst angesagt. „Wir sind dabei, den März durch Abgeltung von Urlaub zu überbrücken“, teilt Chefin Gudrun Rademacher mit. „Damit versuchen wir, dass unsere 45 Angestellten weiterhin ihren normalen Lohn bekommen.“

Umstellung auf Kurzarbeit

Ab April heißt es im Vier-Sterne-Haus am Obermarkt dann Umstellung auf Kurzarbeit. „Wir werden aber kein Personal entlassen, obwohl wir weiterhin Kredite bedienen müssen und einen hohen Kostenrahmen haben“, versichert Rademacher. „Aber ohne Einnahmen und Rücklagen wird es schwierig werden.“ Doch nicht nur die augenblickliche Situation ist für die erfahrene Hotelchefin kritisch. „Wer hat denn nach der Corona-Krise noch Geld für einen Urlaub?“, fragt sich die Mittenwalderin. „Diese Krise wird sich auch später noch auswirken.“ Doch Rademacher ist zuversichtlich. „Unsere Rezeption bleibt für Fragen nach zukünftiger Reservierung durchgängig geöffnet. Wir glauben, dass wir durchkommen.“

Ebenso wie die Mittenwalder Post steht auch der Alpenhof in Krün leer. „Wir dürfen nach der allgemeinen Verfügung der bayerischen Staatsregierung keine Gäste mehr beherbergen und auch keine Neuen annehmen“, kritisiert Hausherrin Christine Schober. „Alles ist nur vorläufig geregelt – und wie lange das Ganze dauert, das steht in den Sternen.“ Der Stillstand bedeutet einen immensen finanziellen Verlust für den Familienbetrieb, der zu Spitzenzeiten 55 bis 60 Gäste aufnehmen kann. „Null Einnahmen, das geht an unsere Substanz. Wir können nur hoffen, dass sich die Situation beruhigt und wir in der kommenden Sommersaison wieder Gäste begrüßen dürfen.“

Durchhalteparolen

Zweckoptimismus und Durchhalteparolen sind auch in einem weiteren Vier-Sterne-Refugium das Gebot der Stunde: Im Wallgauer Parkhotel, das vorerst bis Ende März geschlossen ist. „Wir mussten unsere Gäste nach Hause schicken und auch den Ostergästen eine Absage erteilen“, bedauert Hoteldirektor Dennis Wrba. „Der Großteil unseres 30-köpfigen Personals kann Urlaub machen und Überstunden abfeiern.“

Das Personal steht aber sozusagen Gewehr bei Fuß, „weil eventuelle neue Anweisungen der Regierung nur häppchenweise kommen und wir keine Planungssicherheit haben, ob wir Ostern öffnen dürfen, oder ob es bis Ende April dauert“.

Mit Mindestbesetzung

Trotzdem herrscht im Hotel im Herzen des Isartaldorfes rege Betriebsamkeit. „Die Technikabteilung ist da geblieben und nimmt notwendige Reparaturen vor, die in einem voll belegten Haus sonst so nicht gemacht werden können“, informiert Wrba. So hat man beispielsweise das Wasser im hauseigenen Schwimmbad abgelassen sowie Heizungen, Wasserrohre, Zimmer und die Außenanlagen überprüft.

Auch für das Parkhotel zeichnet sich ein großer finanzieller Schaden ab. „Wir hatten durch zu wenig Schnee schon eine ganz schlechte Wintersaison, und jetzt setzt uns der Corona-Virus zu“, verdeutlicht Wrba. „Zum Glück macht unser Schweizer Investor noch mit. Für unsere Mitarbeiter werden wir aber wohl bald Kurzarbeit beantragen müssen.“

Betroffen von der Corona-Pandemie und den durch die Regierung verhängten Maßnahmen ist auch das renommierte Fünf-Sterne-Refugium Schloss Elmau. Hotelbesitzer Dietmar Müller-Elmau kommentiert diese auch für ihn einmalige Situation mit einem kurzen Statement. „Da wir nicht wissen, wie und wann es weitergeht, haben wir vorläufig geschlossen.“ Und zwar erst einmal bis 4. April. Für das Hotelpersonal ist vorerst Kurzarbeit angeordnet worden. Nur eine Mindestbesetzung zur Instandsetzung der Anlage hält die Stellung im G7-Schloss.

Wolfgang Kunz

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