Vorsicht, Apple-Nutzer: Produktrückruf nach Stromschlaggefahr

Vorsicht, Apple-Nutzer: Produktrückruf nach Stromschlaggefahr
+
Die Bürgermeister unterstützen Monika Thalmayer: (v. l.) Adolf Hornsteiner, Thomas Schwarzenberger und Hansjörg Zahler.

Initiative läuft an

Mitfahrbänke: Positive Signale aus den Isartaler Rathäusern

  • schließen

Langsam nimmt das Projekt Mitfahrbänke im Oberen Isartal Formen an. Ein klares ja gibt es von den Bürgermeistern.

Oberes IsartalSchleswig-Holstein, Nordrhein-Westfalen und der Norden Bayerns sind die Ballungszentren. Rote Punkte markieren auf der Deutschland-Karte die Orte, wo es bereits Mitfahrbänke gibt. Bald können Monika Thalmayer und Petra Grimm weitere Punkte einzeichnen. Im Oberen Isartal und in Garmisch-Partenkirchen.

Bei einem Info-Abend im Krüner Rathaus gingen die zwei Frauen detailliert auf das Vorhaben ein. Thalmayer organisiert – wie berichtet – die Mitfahrbänke für Mittenwald, Krün und Wallgau, Grimm, die bei der Diakonie Oberland arbeitet, kümmert sich im Olympiaort darum. Verschiedene Orte, gleicher Hintergrund: Mobil eingeschränkten Menschen zu helfen und das soziale Miteinander zu stärken. Dazu kommt der Umweltgedanke. Grimm machte Sinn und Zweck an einem Beispiel deutlich. Für Senioren zwischen 70 und 90 Jahren „können 300 Meter so weit sein“, verdeutlichte sie. „Mit dem Auto einen Schlenker zu machen, spart dem Mütterl Schmerzen.“

Zwar wohnten nur etwa zehn Interessierte der Veranstaltung bei, die aber hatten Redebedarf. Während die Frage nach der Versicherung schnell geklärt war – Mitfahrer sind über die Insassenversicherung im Rahmen der Haftpflicht des Fahrers abgesichert –, nahm das Thema Kinder und Jugendliche mehr Zeit in Anspruch. Skeptische Stimmen wurden laut. Die Frage nach der Verantwortung und Aufklärung trieb einige um. Schließlich würden die Mitfahrbänke das Präventionstraining in der vierten Klasse konterkarieren. Dort lernen die Schüler, nicht ins Auto eines Fremden einzusteigen.

Die redegewandte Grimm ließ sich nicht aus der Ruhe bringen. „Die Kapitäne auf dem Kinder-Begleitschiff sind die Eltern“, betonte sie und zeigte Tipps für die Praxis auf. Beispielsweise können die Erziehungsberechtigten mit ihren Buben und Mädchen vereinbaren, dass diese anrufen und das Kennzeichen durchgeben, ehe sie in ein Auto einsteigen. Oder alternativ den Fahrer mit den Eltern telefonieren lassen. Grundsätzlich, sagt Thalmayer auf Tagblatt-Nachfrage, soll das Angebot erst ab 14 Jahren erlaubt sein. Von einer Registrierung der Fahrer hält die Initiatorin aus Krün wenig: „Das ist nur eine scheinbare Sicherheit.“

Ebenfalls für Bedenken bei den vornehmlich weiblichen Zuhörern sorgte der Verkehr im Isartal. Denn anders als in Riegsee, wo das Projekt erfolgreich läuft und auch von Kindern genutzt wird (wir berichteten), donnern zahlreiche Autos durch die Orte. Hinzu komme der Unterschied zu anderen Regionen, wie eine Zuhörerin vorbrachte: die Grenznähe und die Hauptverkehrsroute nach Italien.

Thalmayer nimmt die Ängste ernst. Nach dem Treffen hat sie den Bayerischen Jugendring kontaktiert. Ein Jurist prüft ihrer Aussage nach derzeit die Benutzungsempfehlungen. Gleichzeitig gibt es die Überlegung, einen Elternbrief mit Infos zu entwerfen über die weiterführenden Schulen zu verteilen, sobald die Bänke stehen. Gespräche mit den Bildungseinrichtungen müssen aber erst noch geführt werden.

Trotz so mancher Skepsis bewerteten die Interessierten das Projekt positiv, solange es gut durchdacht ist. Die Kommunen stehen ebenfalls dahinter, haben sich bereits in den Gemeinderats-Sitzungen dafür ausgesprochen (wir berichteten). „Das ist eine moderne, zeitgemäße Entwicklung und Ausnutzung von Kapazitäten“, findet Wallgaus Bürgermeister Hansjörg Zahler. Und auch aus sozialer Sicht eine gute Geschichte. Dem stimmt sein Krüner Kollege Thomas Schwarzenberger voll und ganz zu. Schließlich gebe es den Austausch beim Bäcker oder Metzger nicht mehr so wie früher einmal.

Thalmayer läuft derzeit von Pontius zu Pilatus. Schilder aussuchen, Standorte abklären, Kosten kalkulieren. Für das Engagement kann sie Mittenwalds Ortschef nur loben. „Der Ruf nach der öffentlichen Hand ist nicht geringer geworden“, sagt Adolf Hornsteiner. Deshalb sei es gut, dass es Eigeninitiativen gibt. Thalmayer hat das Ganze in die Hand genommen, nachdem die Idee am Nachhaltigkeitsstammtisch Krün-Wallgau entstanden war.

Die Kommunen helfen, wo es geht. Krün steuert 2000 Euro bei, Wallgau übernimmt die Kosten für eine der Bänke – sie werden bei einer Behinderten-Einrichtung in Auftrag gegeben –, Mittenwald stellt eine Sitzgelegenheit selbst zur Verfügung. Auch Edeka und Aldi in Krün, wo jeweils ein Exemplar stehen soll (siehe Kasten), übernehmen die Kosten dafür. Gleichzeitig klopft Thalmayer bei Stiftungen an. Spenden hat sie bereits erhalten – vom Rotary-Club und einem Zahnarzt aus Krün.

Aufstellen würde Thalmayer die Mitfahrbänke lieber heute als morgen. Sobald das Angebot für die Schilder, die dazugehören, vorliegt, wird bestellt. Ob das Konzept aufgeht, bleibt abzuwarten. „Die Mitfahrbänke werden nur leben“, betont Grimm, „wenn die Menschen sie tragen.“ Hornsteiner sieht’s pragmatisch: „Probieren wir’s einfach aus.“

Wer helfen

und das Projekt finanziell unterstützen möchte, kann sich an Monika Thalmayer per E-Mail (mthalmayer@googlemail.com) wenden. In Garmisch-Partenkirchen werden die Mitfahrbänke im Zuge des Kulturfestivals erstellt, an dem sich jeder beteiligen kann.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Almakademie Eschenlohe erhält Absage vom Ministerium: Landrat will „am Ball bleiben“
Es ist das Ergebnis einer Prüfung: Das Angebot der Almakademie Eschenlohe wird nicht weiter ausgebaut. Zumindest nicht bei der aktuellen Situation.
Almakademie Eschenlohe erhält Absage vom Ministerium: Landrat will „am Ball bleiben“
Straße zwischen Griesen und Grainau gesperrt:  Ortsteil ist für Fahrzeuge teilweise abgeschnitten
Die Nachricht kam überraschend und schlug ein wie eine Bombe: Die Straße zwischen Griesen und Grainau muss in Kürze komplett gesperrt werden. Der Grund: gefährlicher …
Straße zwischen Griesen und Grainau gesperrt:  Ortsteil ist für Fahrzeuge teilweise abgeschnitten
Keine Sitzungsvorlagen auf Gemeinde-Homepage
Immer wieder wird in Murnau mehr Bürgernähe gefordert. Doch selbst auf die Veröffentlichung von Sitzungsunterlagen im Internet konnte sich der Gemeinderat nicht …
Keine Sitzungsvorlagen auf Gemeinde-Homepage
Brand in Oberau: Familie hat alles verloren - jetzt lebt sie in einer neuen Wohnung
Sie haben schwierige Zeiten hinter sich. Die Familie Hohlfeld hat beim Großbrand in Oberau ihr Hab und Gut verloren. Jetzt beginnt der Neuanfang. 
Brand in Oberau: Familie hat alles verloren - jetzt lebt sie in einer neuen Wohnung

Kommentare