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Deutliche Worte gibt es von Hubert Aiwanger in Mittenwald.

Treffen in Mittenwald

Aiwanger verspricht Almbauern volle Rückendeckung

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Der Wolf gehört nicht in die bayerische Bergwelt. Das zumindest findet Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger. Beim Almbauerntag in Mittenwald wurde er deutlich.

Mittenwald Hubert Aiwanger (Freie Wähler) hat sie am Sonntag selbst gesehen – die Blechkolonnen. Autos über Autos parken am Walchensee. Stoßstange an Stoßstange reihen sich am Ufer und an den Straßen. Der bayerische Wirtschaftsminister und Stellvertretenden Regierungschef beobachtete zudem die Touristenmassen, die in Karawanen auf die Berge des Oberen Isartals strömen, um erholsame Natur zu erfahren. Aiwanger hat all das aus den Fenstern seiner schwarzen Limousine verfolgt, die ihn am Sonntag zum 72. Almbauerntag in Mittenwald brachte.

Willkommen im „Heidi-Land“

Seine Erfahrung teilte er den hunderten Landwirten, Kommunalpolitikern und Vereinsmitgliedern in der vollbesetzten TSV-Halle mit. „Tausende aus München und dem städtischen Umland kommen jedes Wochenende zu Euch, um Eure Landschaft zu genießen.“ Was inzwischen mehr Fluch als Segen ist. Beweidete Wiesen, mit Glocken versehenes Almvieh in idyllischer Lage und gutpräparierte Pfade locken vor allem die Städter an. „Ihr und Eure Vorfahren seid seit Jahrhunderten dafür verantwortlich, dass es hier so prächtig aussieht.“ Das Lob von Aiwanger beim Almbauerntag, der seit 24 Jahren wieder einmal in Mittenwald stattfand, war groß. Bei seiner Festrede betonte der Niederbayer mehrmals die Wichtigkeit der Arbeit der Bergbauern. Nicht zuletzt deshalb, weil die gepflegte Kulturlandschaft Geld der Touristen in die Region spült.

Allerdings ist Aiwanger auch die Kehrseite der Medaille bekannt. „Für viele ist das nur mehr ein Heidi-Land.“ Urlauber und Naherholer würden mit Hunden durch Viehweiden laufen, versuchen, Mutterkühe zu streicheln oder mit ihnen Fotos machen. „Da würde jedes fünfjährige Bauernkind den Kopf schütteln.“ Den Besuchern von außerhalb fehle da oftmals die Kenntnis zum richtigen Umgang mit der hochsensiblen Natur. „Sie haben einfach keinen Bezug mehr dazu.“ Im schlimmsten Fall passieren dann Unglücke wie jenes in Österreich 2014. Eine deutsche Wanderin im Tiroler Stubaital wurde von einer Kuhherde totgetrampelt. Das Urteil schockte sogar die Landwirte in Oberbayern. Das Oberlandesgericht Innsbruck sprach dem Bauern zuerst eine volle Schuld aus, reduzierte dann im August das Strafmaß auf eine Mitschuld.

„Katastrophaler Beschluss“

„Das ist trotzdem ein katastrophaler Beschluss“, sagt Georg Mair, der scheidende Vorsitzende des Almwirtschaftlichen Vereins Oberbayern (AVO). „Jener Almbauer ist so gut wie ruiniert“, weiß Mair. Die Angst ist groß bei den Mitgliedern, dass auch sie ein solches Schicksal ereilen könnte. Deshalb hofft nicht nur Mair auf ein schnelles Reagieren der Politik, damit seinen Bauern bei Unfällen kein ähnliches existenzgefährdendes Urteil droht. Aiwanger will Unfälle deshalb gleich vorab im Keim ersticken. Doch nicht durch mehr Abgrenzung, sondern durch Aufklärung: Die Wanderer müssten mit einer breit angelegten Öffentlichkeitsarbeit sensibilisiert werden.

Eine weitere Gefahr für die Almwirtschaft geht nach wie vor von Raubtieren aus. „Der Wolf und die Weide passen einfach nicht zusammen“, findet Aiwanger. Mechanisch würde eine Weide unmöglich zu schützen sein. Geraten die Tiere in Panik, „ist ein Zaun gleich umgerissen, und das Raubtier hätte freien Zugang zur schutzlosen Herde“. Alternativen gibt es so gut wie keine, um ein Zusammenleben mit dem Wolf zu ermöglichen. „Weidehunde sind Kampfhunde und nicht mit dem Tourismus vereinbar“, meint Aiwanger. Und eine finanzielle Entschädigung für ein gerissenes Schaf würde in keinem Verhältnis zum emotionalen Verlust des Halters stehen. Es läuft also alles auf eine raubtierfreies Weideschutzgebiet hinaus.

Beifall für Aiwanger

„Und der Wolf, der sich da fest ansiedeln will, muss erledigt werden“, sagt Mair ohne Umschweife. Der stellvertretende Regierungschef will da nicht widersprechen. Ganz im Gegenteil: „Ich stehe hinter Euch, wenn der Wolf kommt. Der gehört weg.“ Beifall von den Rängen.

Den gab es auch für Georg Mair. Der Gaißacher schied auf eigenen Wunsch nach 28 Jahren Vorstandstätigkeit aus dem Amt aus. Seine Nachfolge übernimmt Josef Glatz aus Garmisch-Partenkirchen (wir berichteten). Eingestimmt hatte man die Besucher des Almbauerntags mit einem farbenprächtigen Festzug durch den Ort. Dabei waren die Musikkapelle, der Spielmannszug, die Gebirgsschützen, Trachtler und viele Ortsvereine.

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