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Ostern in Mali: Militärpfarrer Norbert Sauer entzündet eine Kerze.

Mit der Bundeswehr im Einsatz

Mittenwalder Militärpfarrer feiert Ostern in Mali

Norbert Sauer zieht es in die Ferne. Anfang Februar ist der katholische Militärpfarrer zu seinem neunten Auslandseinsatz nach Mali aufgebrochen. Im multinationalen Camp Castor bei Gao kümmert sich der unerschrockene Geistliche für mehrere Monate um das Wohl der Soldaten. In mehreren Teilen berichtet das Tagblatt über seine Friedensmission im Glutofen Afrikas.

GaoEs ist Karfreitag 2019. „Ein Wochentag wie jeder andere im Einsatz in der heißen Wüste Malis“, meint Norbert Sauer. „Die einen Soldaten kommen an diesem Tag nach einer viertägigen Operation außerhalb des Camps Castor wohlbehalten zurück, die anderen leisten ihren Dienst innerhalb und außerhalb des Lagers.“ Am Abend lädt der katholische Militärpfarrer aus Mittenwald, der sich seit Anfang Februar in dem Armee-Stützpunkt inmitten des krisengeschüttelten, nordafrikanischen Staates Mali um die Seelsorge kümmert, zum Karfreitagsgottesdienst in die Martinskirche ein.

„Obwohl es längst dunkel ist, liegt die Hitze des Tages wie eine Glocke über dem Camp und auch über dem Kirchenzelt“, beschreibt Sauer die Szenerie. Drinnen haben sich viele Soldaten eingefunden. „Das Kirchenzelt ist überfüllt, die Sitzplätze reichen nicht aus; viele Soldaten müssen stehen.“ Die Luft im Zelt ist heiß und stickig, weil auch die beiden Klimageräte an ihre Grenzen stoßen. Der Raum wird nur vom Licht brennender Kerzen erhellt, und auch die uniformierten Besucher halten brennende Kerzen in ihren Händen. Ein Soldat spielt während des Gottesdienstes auf seiner Gitarre Instrumentalstücke. Bei einigen Liedern singt er auch. Das geht allen unter die Haut.

Tränen in den Augen

Zwei weitere Kameraden tragen mit Sauer aus der Bibel die Passionsgeschichte vor. Der Tod von Jesus Christus steht natürlich im Mittelpunkt. Deshalb befindet sich ein großes, schwarzes Kreuz vor dem Altar. „Und es geht um das eigene Kreuz im Leben und um die Kreuze im Leben von Kameraden und deren Angehörigen.“ Denn die Soldaten feiern mit ihrem Militärpfarrer diesen Gottesdienst im Gedenken an die verwundeten und gefallenen Kameraden – „und das sind nicht wenige“. Einige haben Tränen in den Augen, weil sie einen im Einsatz schwer Verwundeten persönlich kennen, oder weil sie mit dem einen oder anderen im Einsatz Gefallenen in der gleichen Einheit gedient haben. „Da kommen Gedanken in den Sinn und Gefühle in einem auf, die man nicht verdrängen oder unterdrücken darf, sondern die man in diesem Augenblick in sich zulassen und denen man sich stellen muss“, verdeutlicht Sauer.

Doch die Dunkelheit des Karfreitags steht im Licht von Ostern, im Licht der Auferstehung und des Lebens. Deshalb wird auch in diesem Gottesdienst eine Gedenkkerze für schwer verwundete und gefallene Kameraden vom Militärpfarrer gesegnet und entzündet. Der Kommandeur hält sie in diesem Augenblick in seinen Händen und postiert sie danach vor das große schwarze Kreuz. Gegen Ende der Feier tragen alle Soldaten ihre Kerzen nach vorne. „Sie stellen sie zum Kreuz als Zeichen für das eigene Kreuz im Leben. Und gleichzeitig erbitten sie von Gott Kraft und Stärkung für sich.“

„The Light of Christ“

Szenenwechsel – Internationale Feier der Heiligen Osternacht am Karsamstagabend – 24 Stunden später. Wieder kommen viele Soldaten aus allen im Camp Castor vertretenen Nationen um 20 Uhr zusammen. Der Ort für diese Feier ist nicht wie am Karfreitag die Martinskirche, sondern ein großes Zelt, das nach zwei Seiten hin offen ist. Eine Seite wird mit Einsatzfahrzeugen zugestellt, um Schutz vor dem Wind zu bieten. Die kanadische und die niederländische Militärseelsorgerinnen, ein belgischer Geistlicher, der für einige Tage seine Landsleute besucht, und Norbert Sauer gestalten diese Feier gemeinsam in englischer Sprache.

Vor dem Zelt brennt das kleine Osterfeuer. Nach dessen Segnung wird die Osterkerze dort entzündet. Sauer trägt sie hinein ins Zelt. Dreimal stoppt er, dreht sich zu den Soldaten und singt den Ruf „The Light of Christ“. Die Soldaten antworten jeweils mit den Worten „Thanks be to God“. Dann folgt das Verteilen des Osterlichts an die Soldaten, so dass von deren Kerzenlicht nach und nach das Zelt erhellt wird. Dazwischen singt ein deutscher Soldat das bekannte Lied „Halleluja“ von Leonhard Cohen.

Weiter nach Niger

Der Gottesdienst am Morgen des Ostersonntags ist ebenfalls gut besucht. Es herrscht eine positive Stimmung. „Eben Ostern, das Fest des Lebens und der Freude.“ Die Kameraden der Feuerwehr kommen mit ihrem neuen Einsatzfahrzeug und parken es vor dem Kirchenzelt. Es steht sauber da und ist geschmückt mit einer großen, grünen Girlande. Doch wo kommt die denn her? Einige haben sich im Vorfeld auf die Suche im Camp gemacht und einen künstlichen Adventskranz gefunden. Dieser wurde aufgeschnitten und damit das weiße Vehikel geschmückt. Nach dem Ostergottesdienst segnet es Sauer. Alle bleiben noch eine Zeit lang beisammen, kommen ins Gespräch und erfrischen sich mit Kaltgetränken. „Das ist auch notwendig, denn das Thermometer hat am Spätvormittag schon längst die 40 Grad Celsius überschritten“, bemerkt der Seelsorger.

Am Nachmittag des Ostersonntags besucht Sauer seine Geburtstagskinder im Camp. Abends stehen die Vorbereitungen für den nächsten Gottesdienst auf dem Programm. Diesen feiert er mit den deutschen Soldaten in Niamey, der Hauptstadt von Niger. Wegen der Hitze geht es für ihn am Montag bereits um 6 Uhr los. Denn die Transall, mit der er mitfliegt, startet pünktlich um 7 Uhr.  

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