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Autos müssen draußen bleiben: Wie im angrenzenden Obermarkt darf künftig nur mehr von 22 bis 10 Uhr mit dem Pkw gefahren werden.

Neue Fußgängerzone in Mittenwald

Hochstraßen-Hammer: Großer Aufschrei bleibt aus

  • vonChristof Schnürer
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An Pfingsten geht‘s los: Dann soll die viel befahrene Hochstraße in Mittenwald probeweise zur Fußgängerzone umgewandelt werden. 

Mittenwald – Schnellschuss, Wahnsinn, Geistesblitz, Geniestreich – die Palette an Zustimmung und Ablehnung ist facettenreich. Alles andere wird die Praxis zeigen. Und die startet mit Beginn der Pfingstferien – also sofort. Die Rede ist natürlich von der Komplettsperre der Hochstraße. Der Marktgemeinderat Mittenwald hat diese am Dienstag nach einer denkwürdigen Debatte denkbar knapp mit 11:10 Stimmen beschlossen.

Der Volkszorn ist seitdem noch nicht übers Rathaus hereingebrochen. „Es gab verschiedene Rückmeldungen, alle sachlich“, teilt Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD) mit. Dieser wurde neben den Freien Wählern und der Bürgervereinigung von seiner eigenen roten Fraktion überstimmt. Nun müssen Corongiu und die Marktverwaltungen das Votum vollziehen. Bis 30. Juni soll die Hochstraße von 10 bis 22 Uhr für den Verkehr abgeriegelt werden. Dann sieht man weiter.

„Ein Witz“

Noch einmal versichert der Rathauschef, dass die Debatte darüber der aktuellen Corona-Situation und den damit verbundenen Sorgen der Wirtsleute geschuldet war. „Wäre die Komplettschließung unsere Absicht gewesen, dann hätten wir das sicherlich anders begonnen.“ Sprich: Die betroffenen Anwohner der künftigen Ausweichrouten (Lauterseefeld, Gries, Goethestraße und Anger) wären frühzeitig informiert worden. So erfuhren viele von ihnen den Hochstraßen-Hammer aus der Heimatzeitung. Beispielsweise Ex-Gemeinderat und Vermieter Adolf Merk. „Ein Witz“, poltert der pensionierte Polizeibeamte von der Goethestraße. „So etwas ad hoc aus der Tasche zu ziehen, das ist lächerlich.“ Merk möchte dieses Ratzfatz-Votum nicht tatenlos hinnehmen und verspricht „ganz kräftig Zunder“. Was der ehemalige Gemeinderat der inzwischen aufgelösten Bürgerunion überhaupt nicht versteht, ist das permanente Ignorieren eines Verkehr-Rahmenplans für die Ortsmitte aus dem Jahr 1992. Die zentrale Botschaft, die für Merk damals wie heute gleichermaßen gilt, lautet: Eine Sperre der Verkehrsader Hochstraße wird strikt abgelehnt. Dieses Gutachten sollte endlich vollzogen werden, schimpft Merk, und nicht in der Schublade vergammeln.

CSU geht in Offensive

Inzwischen hat sich auch die CSU, die mit ihrer Einbahn-Regelung trotz der Bürgermeister-Stimme keine Mehrheit fand, via Stellungnahme im Internet zu Wort gemeldet. Im Hinblick auf die Umwandlung des Nadelöhrs Hochstraße spricht sie von einer „unzumutbaren Verkehrssituation für die Anwohner Lauterseefeld, Goethestraße, Anger und Gries“. Die ehemalige Bürgermeister-Partei sieht zudem eine Ungleichbehandlung anderer Betriebe. „Sind weitere Straßensperrungen zu erwarten, wenn andere Gastronomen auch auf Gemeindegrund bestuhlen wollen?“, fragt die CSU geradezu provokant. Mit dieser „undurchdachten Aktion“ stelle man die Bürger vor „vollendete Tatsachen“. Und zum Schluss gibt es noch eine Breitseite für die politische Konkurrenz: Die Initiative „zeigt deutlich, wie weit es bei der SPD, den Freien Wählern und der Bürgervereinigung mit der oft geforderten Transparenz her ist!“

Doch es gibt auch andere Stimmen. Gröblalm-Wirt Josef Leuthner junior hat mit der Hochstraßen-Lösung „kein Problem“, spricht aber von „einem unglücklichen Zeitpunkt“. Weil momentan sein Gasthaus wegen der Sperre am Gsteig von Mittenwald aus nur über den Anger und das Lauterseefeld anvisiert werden kann. Michael Oswald (Haus Rixner/Laintalstraße) meint. „Ich find’s nicht schlecht.“ Die Sperrung der Hochstraße sollte zumindest in der Hochsaison beibehalten werden.

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