+
Das Brendtentreffen der Gebirgstruppe muss aufgearbeitet werden vom Kameradenkreis.

Pfingsttreffen auf dem Hohen Brendten

Kameradenkreis: Hinter den Kulissen kracht’s

  • schließen

Gesprächsbedarf sehen viele Mitglieder des Kameradenkreises der Gebirgstruppe nach der Brendtenfeier in Mittenwald. Einige verstehen den Kurs des Präsidenten nicht.

Mittenwald – Den Kurs der Kameradenkreis-Führung finden viele Mitglieder falsch. Dieses Bild hat sich 24 Stunden nach dem traditionellen Gebirgsjäger-Treffen auf dem Hohen Brendten deutlich herauskristallisiert. An der Spitze derer, die die Dialogbereitschaft von Präsident Hans Sahm kritisieren, steht ausgerechnet dessen Vorgänger Horst-Dieter Buhrmester.

„Es hat mir sehr leid getan, dass ich eine andere Position vertreten musste“, verdeutlicht der Kameradenkreischef von 2012 bis 2016. Die „Zerreißprobe“, die der pensionierte Offizier damit auslöste, „wollte ich nicht“. Gleichfalls versichert er: „Ich werde dem Präsidenten nicht in den Rücken fallen.“

Doch Sahms Entscheidung, es den Brendtengegnern zu ermöglichen, einen Gedenkkranz für deutsche Kriegsopfer niederzulegen, können Buhrmester und viele andere der rund 5000 Mitglieder (wir berichteten) nicht ansatzweise nachvollziehen. In diesem Zusammenhang spricht der heutige Ehrenpräsident von „sehr kontroversen Diskussionen“.

Eineinhalb Wochen vor dem alljährlichen Pfingsttreffen der Gebirgstruppe in Mittenwald hatte Sahm laut Buhrmester die jeweiligen Vorsitzenden der angegliederten Ortskameradschaften, die Vorstandsmitglieder sowie den Ältestenrat über seinen Schritt informiert. „Ich halte ihn für richtig“, unterstreicht Oberst a. D. Sahm. „Denn wir haben nichts zu verbergen. Es gibt bei uns keine Kriegsverbrecher, und es gibt keine Nazis.“

Gleichzeitig rüffelt Sahm das Verhalten des Arbeitskreises Angreifbare Traditionspflege – in persona den Wuppertaler Historiker Stephan Stracke. „Er hat sich an keine einzige Absprache gehalten.“ So soll das Sprachrohr der Brendtengegner entgegen des Arrangements der Kooperationsgepräche weder die Delegationsmitglieder seiner Gottesdienst-Gruppe benannt, noch Informationen über die Beschaffenheit des Gedenkkranzes gegeben haben. Zu sehen war dieser kurzzeitig am Donnerstag auf dem Hohen Brendten. Stracke und einige Gleichgesinnte hatten ihn auf eine Wiese drapiert und ein etwa drei Meter langes Band mit Orten deutscher Kriegsverbrechen entrollt.

Was nicht wenige beim Kameradenkreis als politische Agitation und Provokation werteten. Auf jeden Fall war es Wasser auf den Mühlen der Bedenkenträger beim Kameradenkreis – allen voran Buhrmester. Er habe sich „strikt“ gegen den Beschwichtigungskurs des Präsidenten ausgesprochen. „Weil ich sie (Anm. d. Red.: die Brendtengegner) über die ganzen Jahre sehr gut kennengelernt habe.“ Mehrere Gerichtsverfahren führte Buhrmester bis 2013 gegen Stracke und Co.. „Wir haben alle gewonnen“, fügt der Oberst a. D. hinzu. Dass diejenigen, die aus ideologischer Sicht nichts mit der Bundeswehr und deren Gedenktradition am Hut haben, plötzlich am Ehrenmal der Gebirgsjäger einen Kranz niederlegen wollen für die Opfer deutscher Kriegsverbrechen, hält Buhrmester für „ausgesprochen heuchlerisch“. Mehr denn je muss der 6. Juni 2019 beim Kameradenkreis aufgearbeitet werden. Buhrmester: „Ich bin ganz sicher, dass darüber nochmals gesprochen wird.“

Was Präsident Sahm nur allzu logisch erscheint. Denn selbst beim Kameradenkreis gibt es eine ausgeprägte Diskussionskultur. „Wir funktionieren nicht nach Befehl und Gehorsam.“ Gleichzeitig lässt Sahm durchblicken, dass er sich eine Geste wie heuer 2020 nicht mehr vorstellen kann. „Wer sein Weltbild weiterspinnt, kann nicht zu einer Entwicklung kommen.“ Dieser Seitenhieb zielt natürlich auf den linkslastigen Stracke, „der in seiner Ecke verharrt“.

Rückendeckung erhält Sahm, der die Brendtenfeier 2019 als „gute Veranstaltung“ empfindet, von seinem Vorvorgänger Manfred Benkel (2004 bis 2012). „Zwischen mir und dem Präsidenten passt kein Blatt“, versichert der Oberst a. D.. Er stehe voll hinter seiner Entscheidung. Klar, dass diese nicht überall auf Zustimmung stößt. „Das ist Demokratie, das ist das übliche Vereinsleben.“ Und die Zahl derer, die wegen ihres Alters überhaupt noch an Einsätze im Zweiten Weltkrieg beteiligt waren, nimmt beim Kameradenkreis ohnehin rapide ab. Aktuell gibt es Sahm zufolge noch 146 Mitglieder, die bei Kriegsende (Mai 1945) 18 Jahre oder jünger waren.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Großeinsatz am Edeka-Center: Laden evakuiert, 14 Menschen im Klinikum
Alarm bei den Einsatzkräften: Sie rückten sofort zum Edeka-Center in Garmisch-Partenkirchen aus. Reizgeruch hat mehrere Menschen verletzt.
Großeinsatz am Edeka-Center: Laden evakuiert, 14 Menschen im Klinikum
Kulturfestival „ZAMMA“ in Garmisch-Partenkirchen: Kleinere Wiederholung geplant
Das Kulturfestival „ZAMMA“ in Garmisch-Partenkirchen war ein großer Erfolg. 28 000 Besucher kamen zu 50 Veranstaltungen an 30 Spielorten. 
Kulturfestival „ZAMMA“ in Garmisch-Partenkirchen: Kleinere Wiederholung geplant
Einbruchserie in Oberammergau: Imbisstand gleich zweimal Ziel der Einbrecher
Die Polizei braucht Hilfe und sucht Zeugen. Denn Einbrecher treiben in Oberammergau ihr Unwesen. Mal mit mehr, mal mit weniger Erfolg.
Einbruchserie in Oberammergau: Imbisstand gleich zweimal Ziel der Einbrecher
Flugzeug zerschellt an Berg - Luftfahrtbehörde hat Vermutung zur Ursache
Flugzeugunglück im Wettersteingebirge: Ein Kleinflugzeug ist am frühen Donnerstagabend in der Nähe von Leutasch (Tirol) abgestürzt. Drei Menschen starben.
Flugzeug zerschellt an Berg - Luftfahrtbehörde hat Vermutung zur Ursache

Kommentare