Künstlerischer Beitrag: Ein Mittenwalder, der anonym bleiben möchte, stellt das Hallenbad angesichts seiner geplanten Größe als „Vogelbad“ dar. Beim Ratsbegehren stehen die Bürger als Spatzen ratlos an dessen Rand, weil sie nicht wissen, was sie wählen sollen. Stimmen sie mit „Ja“ ab, bekommen sie das „Vogelbad“, kreuzen sie „Nein“ an gar nichts. Adolf und Regina Hornsteiner beobachten das ganze Spielchen in Ruhe.

Fragestellung steht trotzdem in der Kritik

Mittenwald nach dem Ratsbegehren: Ruhe statt Gezeter ist gefragt

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Das Thema spaltet. In das Pro-Neubau- und das Contra-Neubau-Lager. Nach dem Ratsbegehren zum Hallenbad wollen aber beide Seiten sich bemühen, die Gräben im Ort wieder zu glätten.

Mittenwald – Versöhnung ist eine große Geste. Dazu gehören zwei Seiten. Beide müssen wollen. Adolf Hornsteiner (CSU) hat am Sonntagabend nach der Verkündung des Ratsbegehren-Resultats erste Annäherungsversuche gemacht. Der Mittenwalder Bürgermeister sprach davon „Gräben“ zu beseitigen, die durch die Debatten um den Hallenbad-Neubau entstanden sind. Das sieht Georg Seitz (Freie Wähler) genauso, trotz der Meinungsunterschiede bei dem Thema. Er sagt: „Es sind Risse drin.“ Im Ort, im Gemeinderat. Man müsse sie kitten, vernünftig miteinander arbeiten. „Das bringt doch sonst nichts.“ Weise Worte angesichts der vielen Projekte, die die der Markt vor der Brust hat.

Versöhnung braucht aber auch Zeit. Einen Tag nach der Entscheidung, die deutlich gegen einen Neubau ausfiel und somit den Initiatoren der CSU-Fraktion in die Karten spielt, lässt Seitz noch einmal Luft ab. „Es gibt keine Verlierer“, betont er. „Verloren hat nur der Ort.“ Aber die CSU habe, was sie wollte.

„Geschickt ausgetüftelt“

Wie sein Fraktionskollege Josef Schandl hält er die Fragestellung beim Plebiszit für „geschickt ausgetüftelt“. Ohne Spielraum. Der Wähler sei auf den auserkorenen Schwimmbad-Standort, das Nemayer-Areal, und das Raumkonzept quasi festgenagelt worden. Dabei hob Seitz wie auch fast alle anderen Gemeinderäte (Ausnahme Stefan Schmitz) im April seine Hand für die im Arbeitskreis gemeinsam erstellten Pläne. Seine Rechtfertigung: „Es hat nie irgendwo gestanden, dass das in Stein gemeißelt ist.“ Ihm zufolge hieß es immer, dass Veränderungen möglich sind. Deshalb haben „wir uns drauf eingelassen“, betont er und spricht für seine Fraktionskollegen.

Aussagen, die beim Bürgermeister für Verwunderung sorgen. Der Standort und das Konzept „wurden nicht vorgegeben“, stellt er klar. Ganz im Gegenteil: Die Verwaltung mit ihm an der Spitze, die Bürgervereinigung als Bad-Gegner und die CSU-Fraktion arbeiteten mit SPD und Freien Wählern zusammen, steckten die „notwendige Energie rein, um den Bau voranzubringen“. Wie es 2017 die Mehrheit beim Bürgerentscheid/Ratsbegehren wünschte. Als befremdlich bezeichnet Fraktionschefin Regina Hornsteiner diese Kritik. Bei der Fragestellung habe man sich auf den Gemeinderatsbeschluss bezogen. „Dann hätten sie dagegen stimmen müssen.“

Jetzt werden neue Vorschläge erarbeitet

Versöhnung wird es beim heiklen Hallenbad-Thema wohl nicht so schnell geben. Seitz will trotzdem nicht mehr nachtarocken. „Wir akzeptieren das Ergebnis.“ Zum weiteren Ablauf kann er nichts sagen. Das Votum ist nun ohnehin für ein Jahr bindend. Lieber Ruhe statt Gezeter. Findet Seitz, findet auch der Bürgermeister: „Ich will nicht in der Vergangenheit rumstochern.“

Hornsteiners Gedanken drehen sich um die Zukunft. Der Haushalt 2018 wurde vom Landratsamt genehmigt. In dieser Woche rechnet die Gemeinde mit der schriftlichen Bestätigung. Durch das Ratsbegehren hat sich die Ausgangslage allerdings verändert. „Wir werden die Zeit nutzen, um neue Vorschläge zu unterbreiten.“ Sie sollen in den nächsten Wochen im Gemeinderat zur Sprache kommen. Welches Projekt die Kommune priorisiert, für solche Entscheidungen sei es Hornsteiner zufolge kurz nach dem Hallenbad-Votum noch zu früh. Seitz jedenfalls hofft bei allen weiteren Vorhaben auf ein größeres Miteinander.   

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