Die Schatzkarte, die in einem Gästehaus in Garmisch-Partenkirchen aufgetaucht ist.
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Das X markiert den Schatz: Diese Karte von einem Unbekannten ist in einem Nachlass aufgetaucht.

Der Schatz von Hitlers rechter Hand

Sie tauchte in einem Keller auf: Forscher sucht mit Schatzkarte nach Nazigold - Heiße Spur führt nach Oberbayern

  • Josef Hornsteiner
    vonJosef Hornsteiner
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Die Geschichte ist hollywoodreif: Nazigold, Wehrmachtsoldaten, eine Schatzkarte. Manuel Brückl glaubt, nah dran zu sein, mehrere heiße Spuren zu verfolgen. Zwei führen in Mittenwald zusammen.

  • Der Großweiler Manuel Brückl glaub, nah dran zu sein am Mittenwaldschatz. Zwei heiße Spuren zum sogenannten Nazigold verfolgt er.
  • Verschollen sind nach wie vor 6,5 Tonnen Gold nach dem Zweiten Weltkrieg. Vor allem in Mittenwald soll viel vergraben worden sein.
  • Über seine Recherchen will Brückl in Kürze ein Buch schreiben.

Mittenwald/Großweil – Seine Mutter kommt mit Schwammerl aus dem Wald. Ihr Manuel mit einer Handgranate. Sie wünscht sich ein Fahrrad für ihn. Er kauft sich mit elf Jahren einen Metalldetektor. Sie schenkt ihm Spielzeug. Er sammelt kistenweise Stahlhelme. „Meine Eltern sind wahnsinnig geworden mit mir“, erinnert sich Manuel Brückl. Schon als Kind ist er stets auf der Suche nach versteckten Schätzen unter der Erde.

Heute ist Brückl 54 Jahre alt, lebt in Großweil und ist gelernter Filmemacher und Kameramann. Aus dem kindlichen Schatzsucher ist ein ausgewachsener Geschichtsforscher geworden. Er hat als Co-Autor an mehreren Fachbüchern mitgearbeitet und schreibt historische Dokumentationen für ARD und ZDF. Zuletzt hat er als Fachlektor die deutsche Ausgabe des Bestsellers „Nazi-Gold“ von Ian Sayer überarbeitet, das im November erscheint.

Nazigold in Mittenwald? Forscher hat heiße Spur

Seit 2001 ist er als Geheimnisjäger für das X-Team unterwegs. Eine Gruppe von Forschern, die sich mit der Aufklärung von geschichtlichen Rätseln beschäftigt. Das größte Mysterium liegt noch im Verborgenen, irgendwo bei Mittenwald. Brückl will derjenige sein, der endlich das Geheimnis um das sagenumwobene Nazigold lüftet. Bekanntlich ist er nicht der Erste, der das behauptet. Doch hat Brückl zum ersten Mal das, was den anderen Schatzsuchern fehlt: Beweise. Über seine Suche nach der Wahrheit will er nun ein Buch schreiben. Dabei hat er zwei „heiße Standorte“ im Visier.

Dem Rätsel auf der Spur ist Filmemacher Manuel Brückl aus Großweil. 

Ein Mann erbt ein Gästehaus in Garmisch-Partenkirchen und findet eine Schatzkarte - zum Nazigold?

Garmisch-Partenkirchen im Herbst 2005. Die verstorbene Großtante von Thomas Armanno vererbt der Familie ein Gästehaus. Als Armanno den Nachlass durchstöbert, stößt er im Keller auf eine Metallkiste. Darin befindet sich der Wehrpass seines Großonkels Rudolf Ramb. Beim Aufschlagen fällt ein vergilbtes Stück Papier heraus – eine Schatzkarte aus dem Jahr 1945.

75 Jahre später hat sie Brückl in der Hand. Die kleine Skizze ist gut lesbar. Fein säuberlich hat ein Unbekannter – vermutlich ein Offizier – in einer Tabelle akribisch die Größe eines vergrabenen Schatzes aufgeschrieben: 56 Kilogramm Gold, hunderte Münzen und vieles mehr. „Ein Wert von geschätzt vier Millionen Euro“, meint Brückl.

Martin Bormanns Limousine: Warum landet am Kriegsende die Karosse des Sekretärs des Führers in einer der Mittenwalder Kasernen? Hier steht der konfiszierte Mercedes vor der Wagenhalle. Darin sitzt US-Special-Agent Victor de Guinzbourg.

Doch viel wichtiger für ihn: Es gibt ein X. Einen markierten Ort, an dem der Schatz vergraben sein soll. Für den Geheimnisjäger eine Sensation. Hat er endlich nach 20 Jahren der Recherche den letzten entscheidenden Hinweis bei seiner Suche nach dem Mittenwalder Nazigold gefunden?

Karte: Liegt beim X das Nazigold?

Das X markiert eine Stelle im Wettersteinmassiv. Mysteriöse Buchstaben stehen neben dem Kreuz. Ein Fluss ist eingezeichnet. Dennoch beißen sich bei der präzisen Standortbestimmung bislang alle die Zähne aus. „Ein kniffliger Fall“, sagt Brückl.

Erbe Armanno hat vier Jahre lang selbst nach dem Gold gesucht. Vergeblich. 2009 wandte er sich hilfesuchend an Brückls X-Team. Das ist seither einige Male vor Ort gewesen, grenzte das Gebiet grob ein. Der Punkt A auf der Karte ist der einzige gemeinsame Nenner: eine kleine Kapelle. Gefunden haben sie den Schatz aber bis heute nicht. Lediglich alte Gas-Kartuschen und seltsame Markierungen tauchten in Felshöhlen auf.

Doch wie sind die Großeltern von Armanno, Rudolf und Theresia Ramb, an die Karte gekommen? „Ein Rätsel“, sagt Brückl. Er vermutet, dass sie bei einem Skiurlaub 1945 vom jähen Kriegsende überrascht wurden. „Ramb war Arzt und könnte zwangsverpflichtet worden sein, im Lazarett in Garmisch-Partenkirchen auszuhelfen“, mutmaßt Brückl. Eventuell hat ihm ein Soldat damals die Karte ausgehändigt. Und als Ramb 1953 erkrankt ist und in Essen-Steele selbst auf dem Totenbett lag, übergab er die Karte seiner Frau, die sie bis zum Auffinden 52 Jahre später versteckt hielt.

Der Mittenwaldschatz: Es könnte um 300 Kilo Gold gehen

Um den 30. April 1945 geraten zwei Wehrmachtssoldaten südlich von Mittenwald an der Grenze zu Scharnitz in ein Feuergefecht mit den alliierten Streitkräften. Sie rückten zuvor von Garmisch-Partenkirchen aus an. Ein junger Gebirgsjäger wird im Kugelhagel getötet. Sein Kamerad, ein Muliführer, wird schwer verwundet. Eine Mittenwalderin findet ihn und bringt den Verletzten zu ihrer Familie nach Hause. Im Ringen ums Überleben erzählt er von dem Schatz, den sie vor dem Kampf noch vergraben haben. „Das weitere Schicksal ist ungewiss“, erzählt Brückl. Diese Geschichte hat sich aus seinen Recherchen ergeben. Nun sucht er nach jedem noch so kleinen Hinweis.

Was die Soldaten verscharrt haben? Darüber kann Brückl nur mutmaßen. Im Raum stehen 300 Kilogramm Gold. Er glaubt, die Burschen haben die geheime Fracht aufgrund des plötzlichen Schusswechsels nur notdürftig versteckt. Der Befehl dazu kam wohl von niemand anderem als Hitlers Sekretär Martin Bormann, die rechte Hand des Diktators. Brückl ist nämlich auf ein Foto gestoßen, das Bormanns Auto zu der Zeit in einer der Mittenwalder Kasernen vor der Wagenhalle zeigt.

Liegt das Nazigold in Mittenwald? Mehrere haben schon danach gegraben

Für ihn kein Zufall. Eine Zeitzeugin hat dem Filmemacher in einem Interview berichtet, das sie selbst mit diesem Bormann-Mercedes aus Berlin-Heckeshorn in einer Nachtfahrt nach Bayern gekommen sei – vermutlich mit Gold im Gepäck. Einer der zwei Soldaten schickte an Bormann eine verschlüsselte Nachricht. Den Code, um die Nachricht zu öffnen, verbarg der Absender in einer mysteriösen Botschaft auf einem Notenblatt von Gottfried Federleins „Marsch Impromptu“. „Eine Sicherheitskopie sozusagen“, meint Brückl. Das dürfte vielen Mittenwaldern bekannt vorkommen. Im Herbst 2013 hat der Niederländer Leon Giesen in der Wörnerstraße gegraben und nichts gefunden. Zwei Jahre später kam erneut ein Niederländer, der Geigenbauer Cyril Whistler. Er vermutete den Schatz in der ehemaligen Standortverwaltung in Mittenwald. Er erhielt allerdings keine Erlaubnis zum Graben dort. Im Mai 2016 traf der dritte Landsmann ein. Boudewijn Smeets aus Valkenburg schaufelte am Hohen Brendten, direkt am Handgranaten-Wurfgelände.

Hitlers Sekretär: Hat Martin Bormann 300 Kilo Gold nach Mittenwald gebracht?

Brückl kennt diese Geschichten natürlich. „Sie waren alle auf einer echten Spur.“ Doch haben sie auch Fehler gemacht: „Die verschlüsselte Botschaft darf nicht als direkte Schatzkarte verstanden werden“, sagt er. „Sie ist eine Nachricht, die für eine Verschlüsselungsmaschine, wahrscheinlich eine Enigma-G, geschrieben wurde.“ Was Brückl bislang dechiffrieren konnte: Ein Agent mit Nummer 219 hat am 1. Mai um 16 Uhr eine Botschaft gesandt.

Forscher hat Hoffnung, dass Nazigold noch versteckt in Mittenwald liegt

Das Notenblatt nennt keinen genauen Ort. Es umschreibt aber (mit einer Art „Eselsbrücke“) ein Gelände im südlichen Teil von Mittenwald. „Die eigentliche Botschaft, wo der Schatz versteckt ist, muss auf einem zweiten Notenblatt gestanden haben“, mutmaßt Brückl. „Das ist aber leider verschollen.“ Besonders fatal für ihn: Die Nachricht nach Berlin ist erst nach Bormanns Tod eingetroffen. „Hitlers Stellvertreter starb bei seiner Flucht aus dem Führerbunker durch eine russische Granate.“ Deshalb hat Brückl nach wie vor Hoffnung, dass der Schatz noch immer an Ort und Stelle liegt. Doch fehlt ein entscheidendes Puzzleteil zur Lösung des Rätsels: Die zweite Seite des Marsch Impromptu. Um dieses Kapitel endlich abzuschließen, sucht der Geheimnisjäger nach jener Familie, die den Wehrmachtssoldaten 1945 pflegte.

Nazigold in Mittenwald: „Wer am Ende den Goldbarren hochhält, hat gewonnen.“

Eine Schnittstelle zwischen dem Wetterstein- und dem Mittenwaldschatz gibt es: „Ein namenloser Toter im Bereich des Ferchensees, bei dem ebenfalls eine Schatzskizze gefunden wurde.“ Allerdings konnte diese nie entschlüsselt werden. „Auch hier wäre lokales Wissen hilfreich, um den Fall zu erhellen.“

Wann Brückls Buch erscheint, lässt er offen. Er hofft, zuvor selbst das Rätsel zu lösen. Er glaubt zwar nicht, dass es den einen großen Schatz noch gibt. Bekanntlich fanden die Alliierten von den verschwundenen 19,5 Tonnen Gold bereits nachweislich 13 Tonnen, die bereits kurz nach dem Krieg außer Landes geschafft worden sind. Doch wo sind die restlichen 6,5 Tonnen? Fest steht für Brückl nur eines: „Wer am Ende den Goldbarren hochhält, hat gewonnen.“

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