+
Einsatz im Kosovo: Militärpfarrer Wolfgang Scheel in Camouflage-Uniform trifft 2005 Bundeskanzlerin Angela Merkel und ihre Entourage. 

Abschied aus Mittenwald

Pfarrer Scheel: „Wir sehen uns in der Ewigkeit wieder“ 

Zwei Dekaden hat der evangelische Pfarrer Wolfgang Scheel in Mittenwald gearbeitet. Jetzt zieht es ihn im Ruhestand in München in die Kommunalpolitik.

Mittenwald Mittenwalds evangelischer Pfarrer sitzt sozusagen auf gepackten Koffern. Im Dezember geht der 60-jährige Geistliche in Ruhestand und zieht nach München. Bis dahin ist der gebürtige Berliner aber noch mehrfach gefragt. „Ich freue mich auf so manche Begegnungen und Gespräche mit meinen Gläubigen.“ Am kommenden Sonntag wird Dekan Jörg Hammersbacher den Seelsorger und die Seniorenclub-Leiterin Barbara Berléung - sie wird im Dezember 80 Jahre alt – in der Dreifaltigkeitskirche verabschieden.

„Mein letzter Dienst für die Gemeinde ist am Samstag, 30. November“, sagt Scheel. Dann eröffnet er am Martina-Glagow-Park um 11 Uhr mit dem Bürgermeister und einem Posaunenchor den Brot-für-die-Welt-Stand. Damit beendet der ehemalige Militärpfarrer, der 2005 bei einem Einsatz im Kosovo Bundeskanzlerin Angela Merkel getroffen hatte, nach 33 Jahren sein Theologen-Amt und schlägt einen neuen Lebensmittelpunkt in der Isarvorstadt in München auf.

„Ich hatte durch meine bisherige Arbeit wenig Zeit für Dinge, die mir noch wichtig sind.“ So zieht es den bald 61-Jährigen in die Kommunalpolitik. Zudem will sich der bekennende Fan des Heiligen Landes noch mehr in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft und als Tierschützer einbringen sowie wissenschaftlich-theologische Artikel verfassen. Und Scheel sprüht nur so vor Tatendrang. „Eine Kollegin aus der Nähe von Augsburg hat mich gebeten, für ihre Gemeinde eine Israelreise zu organisieren“, erzählt der Noch-Mittenwalder. Auch für den Arbeitskreis „Begegnung Christen und Juden in der evangelischen Kirche“ (BCJ) plant er für 2021 eine Pilgertour.

Kandidatur für Rosa Liste

Derzeit ist Scheel dabei, seine Wohnung im Gemeindehaus auszuräumen. Von einigem wird er sich schweren Herzens trennen müssen. „Ich sichte Bilder und Schriften aus meiner Dienstzeit als Pfarrer und entscheide, was ich für meine letzte Lebensphase noch brauche.“

Besonders stolz ist Scheel darauf, dass er zur Erinnerung an die Pogromnacht am 9. November 1938 80 Jahre später auf den Stufen des Münchner Gärtnerplatz-Theaters auf Wunsch jüdischer Mitbürger eine Ansprache halten durfte. Neben dem Gedenken an die ermordeten Juden während des Holocausts im Dritten Reich erinnerte Scheel an den in München aufgewachsenen Nobel-Preisträger Albert Einstein (1879 bis 1955), „dessen Bücher durch die Nazis verbrannt wurden“. Viel Zeit zum Akklimatisieren bleibt in der Isar-Metropole nicht. Denn bei der Stadtratswahl in vier Monaten tritt Scheel für die Rosa Liste an. „Diese Gruppierung kämpft für die Gleichberechtigung von sexuellen Minderheiten.“ Im Oberen Isartal war der Seelsorger insgesamt zwei Dekaden tätig – zwölf Jahre als Militärgeistlicher in der Karwendel-Kaserne und die vergangenen acht Jahre als Gemeindepfarrer. In dieser Zeit hat er viele (Soldaten-) Kinder getauft, konfirmiert und danach als Jugendmitarbeiter begleitet. „Dies war für mich eine wichtige und wertvolle Zeit“, betont Scheel. „Schließlich umfasst sie ja ein Drittel meines Lebens.“

Schwerer Lebensabschnitt

Der Seelsorger verhehlt dabei nicht, dass es auch ein schwerer Lebensabschnitt war. „Wegen der vielen Aufgaben, und weil mich manche Menschen sehr in Anspruch genommen haben.“ Aber auch wegen der Sparmaßnahmen des Landeskirchenamtes, das ihm im Gegensatz zu früher weniger Personal genehmigt hatte. „Somit blieb mehr Arbeit bei mir hängen.“

Mit Scheels Verabschiedung und der im Sommer geplanten Wiederbesetzung der Pfarrerstelle beginnt ab 1. Dezember für die Kirchengemeinde die sogenannte Vakanz. In dieser Zeit übernehmen ehrenamtliche Mitarbeiter die wichtigsten Aufgaben. „Unser Prädikant Lutz Wangert hat viele Gottesdienste und noch viel mehr übernommen“, betont Scheel. „Er engagiert sich deutlich mehr als ich erwarten durfte.“

Die pfarramtliche Geschäftsleitung übernimmt Kollegin Ulrike Wilhelm aus Garmisch-Partenkirchen. „Ich freue mich darauf, mit Ihnen den Weg durch die Zeit der Freiheit und Leere zu gehen“, hat die Dekanats-Vertrauenspfarrerin ihrer temporären Gemeinde in einem offenen Brief mitgeteilt. „Ich bin überzeugt, dass es ein guter und fröhlicher gemeinsamer Weg wird.“ Für Scheel als gläubigen Christen gibt es sowieso keinen endgültigen Abschied. „Wir sehen uns in Gottes Ewigkeit wieder.“

Abschiedsfeier:

Die evangelische Gemeinde nimmt am Sonntag, 24. November, offiziell Abschied von Pfarrer Wolfgang Scheel. Der Gottesdienst beginnt um 15 Uhr in der Dreifaltigkeitskirche. Im Anschluss findet ein Stehempfang im Gemeindehaus statt.

Wolfgang Kunz

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Fehler in renommierter Klinik: Gesundheitswesen spricht von „unzureichender Qualität“  
Die Unfallklinik Murnau hat einen Fehler gemacht. Das Institut für Qualitätssicherung und Transparenz im Gesundheitswesen spricht von „unzureichender Qualität“.
Fehler in renommierter Klinik: Gesundheitswesen spricht von „unzureichender Qualität“  
Riesenärger nach Behörden-Irrtum: Frau parkt auf Wanderparkplatz - nun droht ihr Strafverfahren
Eine Wanderin hat im Karwendelgebirge geparkt und trotz gültigem Ticket einen Strafzettel erhalten. Ihr wurde versichert, das Bußgeld sei nichtig. Doch dann kam Post von …
Riesenärger nach Behörden-Irrtum: Frau parkt auf Wanderparkplatz - nun droht ihr Strafverfahren
Wegen B23-Verlegung: Aldi-Filiale droht mit Schließung - Aus für mehrere Geschäfte am Standort?
Die Verlegung der B23 – gleich, in welcher Variante – erhitzt in Oberau die Gemüter. Jetzt meldet sich auch Aldi Süd zu Wort. Mit schlechten Nachrichten. 
Wegen B23-Verlegung: Aldi-Filiale droht mit Schließung - Aus für mehrere Geschäfte am Standort?
Garmisch-Partenkirchner Kurpark soll in Hermann-Levi-Park umbenannt werden
Wird der Kurpark Partenkirchen in Hermann-Levi-Park umbenannt? Mit dieser zentralen Frage beschäftigt sich der Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen am Mittwoch. Eine …
Garmisch-Partenkirchner Kurpark soll in Hermann-Levi-Park umbenannt werden

Kommentare