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Von den Bergen in die Stadt: Pfarrer Wolfgang Scheel.

Offenbarung in der Osternacht

Mittenwalder Pfarrer Scheel zieht’s in die Politik

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In der Osternacht kam es zur Offenbarung: Wolfgang Scheel wird heuer am 30. November die evangelische Kirchengemeinde im Oberen Isartal verlassen. Sein Priesteramt möchte er dann nach 33 Jahren an den Nagel hängen. Dafür will sich der gebürtige Berliner in München kommunalpolitisch engagieren.

Mittenwald – Schon längere Zeit hatte es Wolfgang Scheel angedeutet. In absehbarer Zeit werde er seine Zelte in Mittenwald abbrechen, orakelte der evangelische Pfarrer im Februar kurz vor seinem 60. Geburtstag gegenüber dem Tagblatt. In der Osternacht, um 5 Uhr morgens, rückte der Geistliche mit der Sprache heraus: Am 30. November, also in gut sieben Monaten, ist Schluss. Dann beendet Scheel seine beinahe zwei Dekaden dauernde Priestertätigkeit unterm Karwendel – elf Jahre als Militärpfarrer, acht Jahre als Nachfolger des Pfarrer-Ehepaars Kringel in der Dreifaltigkeitskirche.

Viele Monate hatte er sich den richtigen Zeitpunkt überlegt. „Denn ich bin kein Mensch von Schnellschüssen.“ Die Offenbarung erfolgte, wie gesagt, an Ostern. Scheels Umzug nach München – in die Isar-Vorstadt ist längst geplant. „München ist meine Bestimmung“, betont der gebürtige Berliner fast schon euphorisch. Doch es sind nicht nur sentimentale Gründe, die Scheel in die Landeshauptstadt ziehen. „Ich möchte in München bei der Kommunalwahl im März kandidieren.“ Sein Ausscheiden aus der 1300 Mitglieder umfassenden Kirchengemeinde im Spätherbst ist dabei wohl überlegt. Laut Kirchengesetz darf ein Priester, der sich politisch zur Wahl stellt, wegen des Neutralitätsgebots drei Monate vor dem Urnengang nicht mehr als Pfarrer tätig sein.

Ein großes Geheimnis macht Scheel um die Partei, für die er im März 2020 in der Isar-Metropole ins Rennen gehen will. „Die gebe ich erst kurz vor meinem Abschied in siebeneinhalb Monaten bekannt.“ Zuletzt hatte man den Rentner in spe am Tisch von Landtagsvizepräsident Markus Rinderspacher beim 100. Gründungsfest des Mittenwalder SPD-Ortsvereins gesehen. Doch der Geistliche, der Politiker wie die israelischen Premierminister David Ben Gurion und Golda Meir – beide von der Arbeiterpartei – bewundert, lässt sich nicht in die Karten schauen.

Den evangelischen Pfarrer soll’s jedenfalls im kommenden Jahr nicht mehr geben. Mit 61 Lenzen sei „dann eine Altersdimension erreicht, in der viele schon im Ruhestand sind“. Von Rente kann sein älterer katholischer Amtsbruder Michael Wehrsdorf (64) dagegen nur träumen.

Als Paradigmenwechsel möchte Scheel seine Entscheidung nicht verstanden wissen. „Es ist vielmehr eine Akzentverschiebung.“ Jetzt rückt der Privatmensch vor den Priester Scheel. Mit seiner neu gewonnenen Freiheit möchte er nicht nur politisch „die Welt ein wenig besser machen“. Der Noch-Mittenwalder, der 33 Jahre als evangelischer Pastor tätig war, beabsichtigt, theologische Aufsätze zu verfassen, sich im Tierschutz zu engagieren und sich in der Deutsch-Israelischen Gesellschaft einzubringen.

Der überzeugte Stadtmensch, den es immer wieder hinaus in die Welt treibt, verbindet die 19 Jahre in der Mittenwalder Provinz dennoch mit schönen und prägenden Erinnerungen. „Ich bin hier sehr gerne.“ Auch wenn man den Einheimischen nachsagt, sie seien stock-konservativ. „Die Menschen hier sind vorurteilsfrei und viel offener, als man ihnen unterstellt.“ Irgendwie hat sich Scheel auch in diesen Landstrich verliebt. Wer weiß: Vielleicht kehrt er ja mal zurück – als Urlaubsvertretung für den künftigen Pfarrer, der sich irgendwann im Frühsommer 2020 in Mittenwald vorstellen wird.

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