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Ein Mann soll seine Freundin und deren Schwester geschlagen haben. Doch am Ende kam doch alles anders. (Symbolfoto)

Zeuginnen widersprechen sich

Prügelvorwürfe: Deshalb deutet alles auf eine Verschwörung hin

Ein 39-jähriger Rumäne, der in Mittenwald lebt, soll seine Freundin und deren Schwester verprügelt haben. Doch während der Gerichtsverhandlung widersprechen sich die Zeuginnen enorm.

Garmisch-Partenkirchen/Mittenwald – Freispruch für den Angeklagten: Richter Andreas Pfisterer hat keine Zweifel gehabt, dass der Wahl-Mittenwalder, dem zur Last gelegt worden ist, seine ehemalige Lebensgefährtin und deren Schwester verletzt zu haben, unschuldig ist. „In den Angaben der Zeugen gab es erhebliche Widersprüche“, erklärte Pfisterer im Urteilsspruch nach der zweieinhalbstündigen Hauptverhandlung am Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen.

Zur besseren Verständigung war im Gerichtssaal eine Dolmetscherin anwesend. Denn sowohl der Angeklagte als auch die beiden Zeuginnen sind rumänische Staatsbürger und sprechen nur gebrochen Deutsch. Der Beschuldigte machte zunächst Angaben zum Vorfall, der sich am 6. März dieses Jahres in Mittenwald abspielte. Gefährliche Körperverletzung ist eine schwere Anschuldigung, mit der sich der 39-Jährige konfrontiert sah. Dem Vorwurf, er habe seine damalige Partnerin mit dem Fuß getreten und der Faust geschlagen, widersprach er vehement. Genauso, dass er auf deren Schwester mit einem Stuhl losgegangen sei. „Ich habe sie nicht berührt“, sagte der 39-Jährige über seine Ex-Lebensgefährtin. Vielmehr habe diese, als sie das Zimmer verließ, zu schreien angefangen und sei zusammengebrochen.

Prügelvorwürfe: Der Angeklagte weint während der Verhandlung

Der Beschuldigte rief nach der Schwester der Frau, die im gleichen Haus lebt. Diese habe ihn sofort beschimpft. Sie zeige ihn an und sorge dafür, dass er ins Gefängnis kommt. Der Angeklagte begann während der Verhandlung zu weinen. Er schluchzte, als er davon erzählte, dass seine ehemalige Partnerin und deren Familie – neben der Schwester wohnt auch der Bruder im gleichen Haus – ihn aus der Wohnung vertreiben wollte. Die Schwester der Partnerin habe sich selbst gegen den Stuhl geworfen, er habe damit nichts zu tun, sagte der Rumäne. „Also alles eine Verschwörung?“, fragte der Vorsitzende.

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Anschließend machten die beiden Zeuginnen ihre Aussagen. Dabei traten zahlreiche Ungereimtheiten auf. Vor allem, als seine Ex-Partnerin vorspricht, kämpft der Angeklagte ständig mit den Tränen, schüttelt immer wieder den Kopf. Sein Rechtsanwalt Axel vom Brocke streicht ihm wiederholt beruhigend über die Schulter. Die ehemalige Lebensgefährtin – das Paar war vier Jahre liiert – berichtete wirr und unsortiert, dass der 39-Jährige sie abends erst auf den Arm und später aufs frisch operierte Bein geschlagen habe. Bei der Polizei hatte sie den Vorfall aber in umgekehrter Reihenfolge angegeben. Sie habe eine Panikattacke gehabt und sei ohnmächtig geworden. Darüber hinaus habe ihr Ex versucht, ein Messer aus einer Schublade zu nehmen. Auch von der Waffe hatte sie der Polizei nichts berichtet. Ihrer Schwester habe der Beschuldigte den Stuhl auf den Kopf schlagen wollen, erklärte die 30-jährige Rumänin. Zudem warf die Frau dem Angeklagten vor, Unmengen an Alkohol an dem Tag getrunken zu haben. Allein zwischen der ersten und zweiten Tat soll er innerhalb einer Stunde zwölf Halbe Bier und ein Flasche Wodka getrunken haben. „Das kann ich Ihnen so nicht glauben“ – Richter Pfisterer schüttelte den Kopf. Ob sie ohnmächtig wurde wegen der Schmerzen oder wegen der Panikattacke, konnte sie nicht sagen. Als ihre Schwester angegriffen wurde, sei sie am Waschbecken gestanden, um ihr zu Hilfe zu kommen.

Prügelvorwürfe: Widersprüche über Widersprüche

Die Schwester der Geschädigten berichtete jedoch, dass diese noch benommen im Bett gelegen habe, als der Angeklagte auf sie losging. Bier- oder Schnapsflaschen habe sie im Zimmer nicht gesehen, berichtete die 28-Jährige. „Er hat gedroht, dass er mich umbringt“, sagte die Zeugin. Den ehemaligen Lebensgefährten ihrer Schwester hält sie für „eine öffentliche Gefahr – er trinkt, er ist aggressiv“.

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Aufgrund der Vielzahl an Beschuldigungen der Zeuginnen, sprach Verteidiger vom Brocke von einem hohen Belastungseifer. „Die Zeugen haben alles getan, um den Angeklagten in ein schlechtes Licht zu rücken. Es stinkt von vorn bis hinten.“ Selbst die Staatsanwaltschaft beantragte einen Freispruch, da sie unterschiedliche Aussagen machten. Dieser Meinung schloss sich Pfisterer an. „Ein Tatnachweis konnte nicht festgestellt werden.“ Die Widersprüche seien derart gravierend, dass nur ein Freispruch in Betracht komme.

Ebenfalls in Mittenwald: Zwei Rumänen hatten zu viel getrunken und sind daraufhin mit Einheimischen in Streit geraten. Der Zank eskalierte: Gleich mehrere Personen wurden am frühen Morgen in Mittenwald verletzt.

VON ALEXANDER KRAUS

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