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Mittenwald sagt Nein zum aja-Hotel

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Von: Christof Schnürer

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Alle Hände voll zu tun haben die Wahlhelfer, als Abstimmungsleiter Josef Stieglmeier (2. v. l.) und dessen Vater Heinz im Rathaus die Wahlurne leeren.
Alle Hände voll zu tun haben die Wahlhelfer, als Abstimmungsleiter Josef Stieglmeier (2. v. l.) und dessen Vater Heinz im Rathaus die Wahlurne leeren. © Wolfgang Kunz

Das geplante aja-Hotel auf dem Gemeindegrundstück an der Bahnhofstraße ist vorerst vom Tisch: 57 Prozent votierten beim Bürgerentscheid am Sonntag gegen eine Bebauung, 42 Prozent dafür. Ein klares Votum und ein ebenso deutliches Signal an mögliche auswärtige Investoren.

Bis auf Weiteres wird es in Mittenwald kein aja-Hotel geben. Beim Bürgerentscheid votierten 57 Prozent dagegen, 42 Prozent dafür. 3837 Bürger wollten über die Zukunft der strittigen Fläche mitentscheiden. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von 64 Prozent. „Das ist sehr gut“, urteilt Ordnungsamtschef Josef Stieglmeier. Zum Vergleich: Beim Bürgerentscheid über das Hallenbad (2017) waren es 3900 abgegebene Stimmen und beim Ratsbegehren zum selben Thema (2018) standen 3500 zu Buche. Und immer geht es um das fragliche Areal zwischen Rathaus und Bahnhof.

Nachdem Wahlleiter Stieglmeier kurz vor 20 Uhr das Endergebnis verkündet hatte, ergriff vor den etwa 20 Zuhörern im Ägidius-Jais-Saal Bürgermeister Enrico Corongiu (SPD), ein erklärter Befürworter des aja-Hotels, das Wort. „Das ist der Weg der direkten Demokratie. Ich hätte mir ein anderes Ergebnis gewünscht.“ Gleichzeitig hob er die „konstruktiven Gespräche“ im Vorfeld zwischen Befürwortern und Gegnern bei diesem Politikum hervor. Als Denkzettel für den Marktgemeinderat, der bis auf Ursula Seydel (SPD) nahezu geschlossen hinter dem Hotelprojekt steht, wertet Corongiu das eindeutige Votum nicht. „Dann würde es viele Watsch’n in Deutschland geben.“ Womit Corongiu auf ähnlich geartete Abstimmungsresultate in der Bundesrepublik abzielt.

Damit ist eine nicht wieder gut zu machende Bausünde verhindert worden.

SPD-Gemeinderätin Ursula Seydel

Auf der Gegenseite zeigte man sich natürlich sehr zufrieden. „Ich freue mich über die große Beteiligung, deshalb kam auch dieses eindeutige Ergebnis zustande“, bilanziert Ilona Benz, die sich mit anderen Gästehaus-Betreibern klar gegen das geplante aja-Hotel positioniert hatte. Mit dem Votum sei gleichzeitig ein Auftrag an die Volksvertreter verbunden, findet Benz. „Jetzt ist der Gemeinderat gefragt, kreative Ideen zu entwickeln, damit das Grundstück in Zukunft die Gemeindefinanzen aufbessern kann.“

„Sehr erleichtert“ zeigt sich natürlich auch Gemeinderätin Seydel, die mit ihrer Sichtweise zuletzt zur krassen Außenseiterin im Rathaus wurde. „Damit ist eine nicht wieder gut zu machende Bausünde verhindert worden“, findet die Architektin. Geht es nach Seydel, sollte der Gemeinderat „relativ bald“ und „im Sinne der Bürger“ zu einem Ergebnis kommen, was die künftige Nutzung der etwa 11 000 Quadratmeter großen Gemeindefläche betrifft.

Möglicherweise werden die Nachwehen dieses Bürgerentscheids bereits am morgigen Dienstag bei der nächsten Sitzung des Gremiums diskutiert. „Die Entscheidung wird natürlich respektiert“, verspricht Bürgermeister Corongiu. Er hatte gestern wohl noch die unangenehme Aufgabe, den Investoren der Deutschen Seereederei (DSR) das Ergebnis mitzuteilen.

Ob auf dem Gemeindegrundstück – ein Sondergebiet Tourismus – jemals ein Hotel entstehen wird, steht seit diesen Sonntag jedenfalls mehr als in den Sternen.

Das Endergebnis:

Abgegebene Stimmen: 3837, davon waren 13 ungültig. Ja-Stimmen (gegen das Hotel): 2198 (57 Prozent) – Nein-Stimmen (für das Hotel): 1626 (42 Prozent).

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