Sieben Personen stehen vor beziehungsweise neben einem Kameramann. 
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Im Fokus der RTL-Kamera: (v. l.) Wolfgang Seitner, Thomas und Janet Bauer, Joana Hoffmann, Helmut Roemer, Petra Schandl berichten Redakteurin Lisa-Nicole Bernhard und Kameramann Martin Dumas ihre Erfahrungen. 

„Viele haben mir gedroht“

Wildcamper am Schwarzenfeld: Karwendelbahn lässt Gemeinde im Stich - Fernsehteams filmen das Elend

  • vonWolfgang Kunz
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Die Wildcamper am Schwarzenfeld und ihre illegale Müllentsorgung sind schlimm für die Bewohner Mittenwalds. Drei Kamerateams rückten nun an, um die Probleme zu dokumentieren.

  • Die Wildcamper aus Mittenwald sorgen für großen Unmut bei den Anwohnern.
  • Die Gemeinde sucht noch immer nach einer Lösung des Problems.
  • Nun berichten gleich drei Fernsehsender über die Müllberge am Schwarzenfeld.

Mittenwald – Die Kamera läuft. Das Mikrofon nimmt auf. Das allein mag manch einen nervös machen. Nicht diese Mittenwalder. Die Gruppe ist so wütend, dass sie sich gerne den Fragen der Fernsehreporter stellt. Mit SAT 1, RTL und Pro 7 kamen die Teams dreier privater Sender, um sich ihren Ärger anzuhören und deutschlandweit darüber zu berichten. Über das Verhalten mancher Camper auf den beiden privaten Parkplätzen der Karwendelbahn am Schwarzenfeld.

Derzeit verwandeln schwarze Schafe unter den Wohnmobil- und Kleinbus-Fahrern die zwei Stellflächen durch illegale Abfall- und Fäkalienentsorgung in eine stinkende und zugemüllte Abstellfläche. Im Namen mehrerer Anwohner hatte Petra Schandl das Fernsehen eingeschaltet. Darüber hinaus waren die Sender über den Tagblatt-Bericht auf die Zustände aufmerksam geworden. Am Donnerstag rückte ein Team von SAT 1 aus München an. Bereits am Freitag wurde deren Beitrag gesendet. An diesem Tag trafen RTL-Redakteurin Lisa-Nicole Bernhard und ihre Mannschaft in Mittenwald ein. Schandl und Joana Hoffmann schilderten auch ihnen Vorkommnisse, die an der Moral und dem Verstand mancher Camper zweifeln lassen.

Vernünftige Camper: Sonja und Peter Fritz (v. r.) aus Recklinghausen sprechen mit dem Team von Pro7 für die Sendung Taff. 

Illegaler Camper am Schwarzenfeld: Party, Müll und Gestank

„Sie verrichten ihre Notdurft neben den Fahrzeugen, stellen ihre Müllsäcke an unsere verschlossenen Tonnen oder lassen ihren Abfall einfach auf dem Platz liegen,“ sagt Schandl. „Die Waschen sogar ihre Wäsche“, ergänzt Hoffmann vor laufender Kamera. 54 bis 60 Wohnmobile hat Helmut Roemer pro Wochenende gezählt. Deren Besitzer auch noch Party feiern. „Wir haben den Gestank und die laute Musik“, schimpft Hoffmann. Sogar die Polizei hat Wolfgang „Fuzzy“ Seitner schon gerufen – nach stundenlanger Beschallung, wie er sagt.

Das Gelände gehört der Karwendelbahn – sie kassiert Parkgebühren und kümmert sich ansonsten um nichts weiter. Warum sie nichts gegen die Umstände unternimmt oder womöglich sogar den Platz umwidmet – was mit Kosten allein für Toilettenanlagen verbunden wäre –, beantwortet das Unternehmen dem RTL-Team nicht. Der Gemeinde sind die Hände gebunden. Bürgermeister Enrico Corongiu sieht das Problem. Eine Forderung nach einer Nutzungsänderung stehe im Raum, sagt er im Beitrag, der am Freitagabend um 18 Uhr in der Sendung RTL-Explosiv ausgestrahlt wurde.

Camper machen Ärger in Mittenwald: Fernsehteams rücken an

Etwa eineinhalb Stunden war das Team vor Ort, vieles an Material wurde für den dreieinhalbminütigen Beitrag nicht verwendet. Etwa Roemers Beobachtung, wonach manche Camper ihr Billigticket immer wieder erneuern und so bis zu 14 Tage auf dem Parkplatz stehen bleiben und dabei Abwasser und Müll illegal entsorgen. Einen hat er beobachtet, wie er seine Notdurft über einem Gully verrichtete, ein anderer wusch sich in der Isar. „Die Partnerin musste ihm auch noch das Duschgel bringen.“

Der 68-jährige Roemer hat es aufgegeben, diese „Umweltschweine“ anzusprechen. Die Wildcamper am Schwarzenfeld und ihre illegale Müllentsorgung sind schlimm für die Bewohner Mittenwalds. Drei Kamerateams rückten nun an, um die Probleme zu dokumentieren. Zudem hätten sie behauptet, dass sie Fäkalien, Urin und Abwasser auf richtigen Campingplätzen entsorgen würden. Auch im Beitrag spricht ein Camper-Ehepaar von einem „Pinkeleimer“, den es dann ordnungsgemäß an geeigneter Stelle leeren würde. Das glaubt keiner der Anwohner. „Das braucht mir niemand zu erzählen“, sagt Thomas Bauer. Er habe schon gesehen, wie ein Camper seinen Fäkalien-Eimer neben den Parkplatz ins Gebüsch schüttete.

Generell zeigen sich die Camper ablehnend, die Schandl und Redakteurin Bernhard für das Fernsehen um eine Stellungnahme bitten. Nur eine Familie war dazu bereit – im Beitrag kommt sie nicht zu Wort.

Reporter von Pro7 am Schwarzenfeld: „Vernünftige“ Camper äußern sich vor der Kamera

Am Samstagmorgen hatte das Fernsehteam von Pro7 aus München mehr Glück. Nachdem die Anwohner Redakteurin Jennifer Mennes – sie war aufgrund des Tagblatt-Berichtes gekommen – ihre Erlebnisse geschildert hatten, waren drei Camper bereit, sich vor der Kamera zu äußern. Vernünftige Camper, die das rücksichtslose Verhalten ebenso stört. „Die Leute sollen ihren Müll auch wieder mitnehmen“, ärgert sich Sonja Fritz (62) aus Recklinghausen. „Sonst wird hier auf diesem schönen Platz die ganze Idylle zerstört.“ Mit ihrem Mann Peter (63) hat sie auf dem Platz im Schwarzenfeld zwei Mal übernachtet. Zudem nutzten sie die offiziellen Campingplätze am Isarhorn und am Tennsee. Nebenan betont Thomas Mann vor der Kamera: Er sei ein „ordentlicher Camper“, der seine Abfälle ordnungsgemäß entsorge. Das hält der 65-Jährige auf der Durchreise für seine Pflicht. So denken offenbar nicht alle.

Der Beitrag über die Camper-Misere in Mittenwald, der am Samstag aufgenommen wurde, ist am Montag, 24. August, um 17 Uhr auf Pro7 in der Sendung Taff zu sehen.

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