+
Bislang eine Kieshalde: das Gelände des künftigen Berghotels.

Silva-Mountain-Projekt

Luxushotel in Mittenwald: Keine Russen und Araber am Latscheneck

  • VonChristof Schnürer
    schließen

Gerüchte kreisen in Mittenwald herum. Diese ranken sich um die angebliche Pleite beim geplanten Berghotel Silva Mountain. Investor Franzky tritt diesem Gerde jetzt glaubhaft entgegen.

Mittenwald – Kommt in Mittenwald die Natur langsam zur Ruhe, sprießen die Gerüchte. Eines, das aktuell ganz heiß an den Stammtischen gehandelt wird, betrifft das künftige Silva-Mountain-Berghotel. Dort oben am Latscheneck ist seit dem Spatenstich Ende Juli scheinbar nicht mehr viel passiert. Herbstliche Stille herrscht auf der Kieshalde im Kaffeefeld. Für so manchen Einheimischen ist es auf dem Plateau-Grundstück zu ruhig.

Schnell hat die Mär von der Pleite die Runde gemacht. Wahlweise Magnaten aus Russland oder dem arabischen Raum sollen sich das 1,8-Hektar-Areal unter den Nagel gerissen haben und ihr luxuriöses Privatdomizil am Latscheneck planen – möglicherweise auch Zweitwohnungen. Einige im Ort wollen das sogar ganz genau wissen – nur von wem?

Über dieses üble Gerede kann Silva-Mountain-Investor Ulrich Franzky nur herzhaft lachen. „Das berührt mich nicht im Geringsten, weil ich weiß, was wir machen“, sagt der Münchner IT-Unternehmer, der die Filet-Immobilie im Sommer 2016 für einen Millionen-Euro-Betrag erworben hatte. Am Dienstagabend machte er auf Bitte der Marktverwaltung extra einen Abstecher ins Rathaus, um gegenüber dem Marktgemeinderat alle „Fragen, Gerüchte und Spekulationen“, wie sich Bürgermeister Adolf Hornsteiner (CSU) ausdrückte, zu entkräften.

Generalunternehmer aus Udine

Und das tat Franzky mit Nachdruck. „Die Mobilisierung geht langsam los“, beruhigte er das Gremium. Im Anschluss erläuterte der Münchner die Gründe, die seit dem Spatenstich effektiv zu einer merklichen Verzögerung des 15-Millionen-Projekts geführt hatten. So konnte die beauftragte und völlig ausgelastete Firma statt Mitte August erst vier Wochen später mit den Bohrungen starten. Teilweise mussten die Spezialisten im hinteren Bereich des Latscheneck-Grundstücks 24 Meter ins Erdreich vordringen, weil überraschenderweise überhaupt kein Fels herging. Um das künftige Luxus-Berghotel auf ein solides Fundament stellen zu können, braucht es deshalb massive Bohrpfähle, die in den Boden getrieben werden. Um allein zu dieser Erkenntnis zu gelangen, verging wieder einige wertvolle Zeit. „Und dann ist die bayerische Bauwirtschaft heiß gelaufen“, drückt es Franzky gegenüber dem Tagblatt aus. Daher fand der Investor bezeichnenderweise einen Generalunternehmer in Udine. Erst gestern machte sich Franzky wieder nach Italien auf, um mit Vertretern der international operierenden Rizzani-de-Eccher-Group über die weiteren Schritte zu sprechen. „Es hat sich alles etwas verzögert“, bilanziert Franzky, „aber die Auftragslage ist geklärt.“ Eines steht allerdings auch fest: „Ende 2020 zu eröffnen ist nicht mehr realistisch.“ Stattdessen verschiebt sich das Pre-Opening auf Juni/Juli 2021. Die offizielle Übergabe soll im August 2021 erfolgen.

241 Arbeiter

Ferner teilt Franzky mit, dass zu Spitzenzeiten auf der Baustelle im Kaffeefeld bis zu 241 Arbeiter werkeln werden. Doch die müssen gerade im Frühjahr und Sommer 2020, wenn es richtig zur Sache geht, einen Platz zum Schlafen finden. Dem Vernehmen nach sollen Container mit 50 Schlafplätzen auf dem ehemaligen Gelände der Standortverwaltung realisiert werden. Mit anderen Worten: Die Genese des Silva-Mountain-Berghotels ist in vielerlei Hinsicht auch eine logistische Herausforderung.

Entstehen wird in Traumlage ein modern-alpiner Komplex in vier Baukörpern – viel Glas und Holz. Darin finden sich 80 Zimmer, 150 Gästebetten, Wellness- und Gastroräume und eine Tiefgarage für 75 Pkw. 50 Vollzeit-Arbeitsplätze sollen entstehen – aller hartnäckigen Gerüchte zum Trotz.

„Ich bin froh, das alles mal aus erster Hand zu erfahren“, sagte Bürgermeister Hornsteiner im Anschluss an Franzkys kurzen, aber erhellenden Vortrag. Rathaus-Vize Gerhard Schöner (CSU) wollte es trotzdem noch mal genau wissen: „Also es kommen keine Russen oder Araber – und Sie sind auch nicht pleite?“ Das konnte der gut aufgelegte Franzky verneinen. Er schob aber eilends hinterher: „Wer später als Gast kommt, kann ich nicht sagen.“ Das Silva Mountain verkommt ihm zufolge auch nicht zum Spekulationsobjekt. „Meine drei Töchter sollen es einmal fortführen.“

Spätestens wenn im Frühling 2020 die Bagger, Kräne und Lkw anrücken im Kaffeefeld, werden die Spekulationen wohl endgültig in Mittenwald verstummen.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare