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Echte Werdenfelser Kunstwerke: Die Spangler-Larven mit ihren Schablonen dokumentieren die Vielseitigkeit der Mittenwalder Fasnacht. 

Ausstellung im Geigenbaumuseum

Mittenwalder Larven - mehr als Masken

Mittenwald ist ein besonderes Pflaster - auch was den Fasching betrifft. Eine Sonderausstellung im Geigenbaumuseum widmet sich nun den Larven.

MittenwaldDie E-Werk-Musi spielt Gunglstücke, der Ausstellungsraum im Geigenbau-Museum ist voll, die Stimmung heiter. Was fehlt, sind die Maschkera mit ihren Larven. Dabei dreht sich bei der Sonderausstellung, die am Donnerstabend eröffnet wurde, doch alles um eben diese besonderen Masken. Der Titel lautet „Die Mittenwalder Fasnacht und ihre Larven“.

Im Fokus steht dabei die Larve an sich – ohne Tuch, ohne Gewand, ohne Musik und ohne Bewegung. Nur so könne man die Besonderheit wirklich sehen, erklärt Museumsleiterin Dr. Constanze Werner. „Wir möchten die Larven einmal anders zeigen, anders als während der Fasnacht, anders als auf Fotos, anders als in bisherigen Ausstellungen.“

Die Exponate werden in schlichten Schaukästen präsentiert, sind von vorne und viele auch von hinten zu sehen, die Beleuchtung ist warm und klar. Neben den Schaukästen finden sich Infotafeln mit Entstehungszeit, Herkunft und einigen persönlichen Details zum jeweiligen Schnitzer. „Das war uns wichtig, denn wir wollten auch den Mensch dahinter zeigen“, erklärt Werner.

Nach Heiligdreikönig geht‘s los

Außerdem bieten 36 Postkarten mit historischen Fotos und Dokumenten allerlei spannende Details und Anekdoten zur Fasnachtsgeschichte. Amüsante Episoden weiß auch Bürgermeister Adolf Hornsteiner im besten Middawoiderisch zu erzählen. So wollten ihm zufolge in den 1870ern die Obrigkeiten der Grafschaft Werdenfels das bunte Treiben, das in Mittenwald traditionell bereits nach „Heilig Drei Kini“ beginnt und bis „Aschermicktn“ (Aschermittwoch) anhält, auf die Zeit um den Faschingssunnta (Faschingssonntag) beschränken. „Da ham die Middawoida aber ausnahmsweise moi nit g’foigt“, erzählt Hornsteiner. Die Fosnacht ist seit jeher ab 7. Januar belegt. „Und auch 2020 sind an diesem Tag die ersten 20 Maschkera unterwegs gewesen.“

Die Begeisterung für diese Tradition hat auch den gebürtigen Chiemgauer Dirk Eckert angesteckt. „Ich hab’ mich als Grafiker und Illustrator schon immer für Masken interessiert. Werdenfelser Larven hab ich dann fanatisch gesammelt.“ Eckert ist der Ideengeber der Ausstellung.

Vom Foto-Album zum Fachwerk

Dabei begann alles ganz harmlos. Als er keine Larven mehr zum Sammeln bekam, ging er auf die Besitzer der Schätze zu und machte Fotos, rein für sich. „Mit der Zeit hatten immer mehr Leute Interesse an den Bildern, also hab’ ich im Scherz gesagt, ich mach’ dann mal ein Buch draus.“ Aus dem geplanten simplen Foto-Album erwuchs aufgrund des regen Interesses ein Fachwerk über die Werdenfelser Larven, das 2015 erschien.

Dann kam die Idee, in der Isartaler Fasnachthochburg eine Sonderschau zu initiieren. „Mittenwald ist was besonderes, hier gibt es nicht nur unzählige Larven und Larvenschnitzer, sondern auch Tiroler Einflüsse.“

Getragen werden die Larven übrigens immer nur von Männern. „Frauen sind sie verboten, wirst erwischt, hast a Problem“, sagt Hornsteiner. Gewisse Traditionen werden eben einfach nicht ans 21. Jahrhundert angepasst. Und das ist auch gut so. 

Kathrin Ebenhoch

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