+
Bussi für die Gattin: Enrico Corongiu schreitet nach der Vereidigung seiner Frau Kerstin zur Tat.

Neues Führungsduo Corongiu/Seitz

Orange-roter Pakt in Mittenwald besiegelt

  • vonChristof Schnürer
    schließen

Die CSU hat im Mittenwalder Rathaus die kommenden sechs Jahre nichts mehr zu melden. Bei der Konstituierenden Sitzung büßten die erfolgsverwöhnten Schwarzen auch noch den Posten des Zweiten Bürgermeisters ein.

Mittenwald – Das Beste kommt zum Schluss: Als einige der zahlreichen Besucher schon den Sitzungssaal verlassen wollen, ergreift Georg Seitz (Freie Wähler) das Wort. Besser gesagt: Er schwingt die Keule – und zwar in Richtung der CSU. Falls weiter behauptet werde, man habe auf Seiten seiner Partei vor der Stichwahl zwischen Enrico Corongiu (SPD) und Adolf Hornsteiner (CSU) eine Empfehlung zugunsten des Sozialdemokraten gegeben und das mit Telefonaktionen befeuert, „der erhält einen Brief vom Rechtsanwalt“. Lange schon kursieren diese Gerüchte in Mittenwald. „Alles, was da gesagt wird, ist gelogen“, bekräftigt Seitz.

Dabei hätte der 51-Jährige Grund zur Freude gehabt. Dank der Stimmen der SPD (fünf) ist Seitz, der gescheiterte Bürgermeister-Kandidat der Vereinigung der Freien Wähler Mittenwald (sechs Mandate), mit 11:10 zum Rathaus-Vize gekürt worden. Somit hat nach Adolf Hornsteiner mit Gerhard Schöner der zweite Schwarze seinen Job im Gemeindeamt verloren.

Artig applaudiert

Dieser applaudierte artig, als Corongiu seinen Bündnispartner Seitz vereidigt hatte. Dessen Schlussoffensive wollte der bullige Physiotherapeut allerdings nicht unbeantwortet lassen. „Ich dachte, Wahl ist Wahl, und Wahlkampf ist Wahlkampf, dass Du jetzt so einen Kracher loslässt!“ Schöners Botschaft an seinen Nachfolger: „Wir versuchen es trotzdem, auch wenn wir mit dem Rechtsanwalt rechnen müssen.“

Viel zu lachen hatte die gerupfte CSU am Dienstag bei der Konstituierenden Sitzung in der umfunktionierten Schulsporthalle ohnehin nicht. Dorthin musste man aus Corona-Gründen umziehen. Der Mattenraum mutierte zum Wahllokal. In der Halle konnte der gebotene Sicherheitsabstand eingehalten werden. Auf Distanz zur machterprobten CSU ging die neue Bürgermeister-Partei SPD aber nicht nur bei der Kür des Vize-Rathauschefs.

Retourkutsche

Sobald bei der Bestellung der einzelnen Referentenposten eine Kampfabstimmung zwischen einem CSU-Vertreter auf der einen und einem Kandidaten der SPD oder Freien Wähler auf der anderen Seite nötig war, endete es immer knapp zugunsten der orange-roten Allianz. 11:10 – vielfach hörte man dieses Ergebnis. Als Retourkutsche schlugen die Christsozialen bei der Besetzung des Aufsichtsratsposten bei der Karwendelbahn Georg Seitz vor. Getreu dem Motto: Soll der sich doch mit den prozesserprobten Hauptaktionären aus Heidenheim herumschlagen. Genau das führte Seitz in seiner Bewerbungsrede an. Eine Lösung des Konflikts ist mit dem bisherigen Duo Hornsteiner/Schöner in weite Ferne gerückt. Der Doppelwechsel im Rathaus macht Seitz zufolge deshalb Sinn. „Vielleicht gelingt uns ja auf diese Weise, den Streit zu Ende zu bringen.“

Versöhnungskurs

Worte, die bei der CSU nicht ankamen. Da half auch der Versöhnungskurs von Corongiu nichts. Der wollte Schöner und Co. den Posten des Stellvertreters der beiden Bürgermeister andienen. Ein Ehrenamt, das es bis 1996 gegeben hatte. Die CSU verzichtete dankend. „Diesen Posten halte ich für absolut entbehrlich“, verdeutlichte Fraktionssprecherin Regina Hornsteiner. Mit der neuen Mehrheit verständigte sich der Gemeinderat auf die Schaffung eines Stellvertreter-Amtes, nicht aber auf einen Kandidaten – sowohl Stefan Schmitz, der Einzelkämpfer der Bürgervereinigung (zehn), als auch Florian Lipp von der VFM (sechs) und Sozialdemokrat Ralf Obst (fünf) erhielten eine Mehrheit. Nun soll bei einer weiteren Sitzung die Nummer drei gefunden werden.

Bürgermeister-Bussi

Für Bürgermeister Corongiu verlief die Premierensitzung mit Licht und Schatten. Nicht nur einmal bat der Neuling Amtsleiter Hermann Baier und Ordnungsamtschef Josef Stieglmeier um Hilfe – verständlich bei all der Aufregung. „Auch ich mache Fehler“, sagte Corongiu in seinen Schlussbemerkungen, in denen er laut über „Teamgeist“, „Zusammenhalt“ und „Solidarität“ nachdachte. Corongius persönlicher Höhepunkt war zweifellos, im Beisein seiner Eltern Magdalena und Gesuino seiner Gattin und SPD-Gemeinderätin Kerstin den Amtseid abzunehmen – Bürgermeister-Bussi inklusive.

Auch interessant

Kommentare